100 Jahre später: Spatenstich für barrierefreies Wohnen

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Floß. Es dürfte nicht am Vormittag bei strahlendem Sonnenschein gewesen sein, als am 27. Juni 1920 einfache, aber mutige Männer die Baugenossenschaft „Eigenheim“ gründeten. Hundert Jahre später stehen deren Nachfolger in der Sonne und geben den Startschuss für das jüngste Bauprojekt: Zehn barrierefreie Wohnungen auf einem „paradiesischen Grundstück“ im Ortsteil Plankenhammer.

Von Gabi Eichl

Baugenossenschaft Floß Spatenstich

Der symbolische Spatenstich für den Neubau: Bankdirektor Jürgen Schnappauf (Raiffeisenbank Floß), Dr. Emil Lehner und Uwe Reil (SHL Architekten), Vorstandsvorsitzende Marika Mauerer, Altbürgermeister Fred Lehner und der stellvertretende Aufsichtsrat der Baugenossenschaft, Hans Lindner (von links).

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Die ursprünglich geplante Feier zum Hundertjährigen hat die Baugenossenschaft wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Übrig geblieben ist ein fast schon intimer, von sehr persönlichen Worten geprägter symbolischer Spatenstich für den Neubau auf einem „paradiesischen Grundstück“ (Architekt Emil Lehner) in Plankenhammer.

Zwischen den Bauherren, den Planern und den Geldgebern stehen Mieter der angrenzenden Baugenossenschaftshäuser, gegenüber im Schatten sitzt Ilse Galland auf ihrem Rollator und verfolgt das Geschehen. Sie ist das älteste Mitglied der Genossenschaft und würde gern noch die Einweihung des Neubaus miterleben, wie Fred Lehner sagt. Der frühere Bürgermeister, mehr als 50 Jahre Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, kennt „die Ilse“ persönlich; deutlicher könnte nicht bebildert werden, dass der Bauverein, wie die Flosser sagen, nach wie vor ein sehr familiäres Verhältnis zu seinen Mietern pflegt.

Schönes wie preisgünstiges Wohnen für sozial Schwächere

Baugenossenschaft Floß Spatenstich

Der Flosser Altbürgermeister Fred Lehner, über 50 Jahre Vorstandsvorsitzender der Baugenossenschaft, spricht von einer „beispielhaften Leistungsbilanz“. Sichtlich bewegt sagt er: „Mein Herz ist voll vor Freude und Dankbarkeit.“

Mit dem Plankenhammer verbindet die Baugenossenschaft aber nicht nur ihr jüngster Neubau, sondern auch der Umstand, dass der schon 1911 gegründete Arbeiterbauverein Plankenhammer Anfang der siebziger Jahre mit der Baugenossenschaft fusionierte. Die Vorstandsvorsitzende Marika Mauerer gibt als nach wie vor bestehende Prämisse des Bauvereins aus, die Wohnungsnot zu lindern, sozial Schwächeren zu helfen, ihnen ein schönes wie preisgünstiges Heim zu bieten. In derzeit 120 Wohnungen biete man über 150 Wohnungssuchenden eine sichere Bleibe, der Bauverein sei damit ein „zuverlässiger Eckpfeiler des sozialen Wohnungsbaus“. Dem anhaltenden Bedarf geschuldet – „es gibt derzeit keine freien Wohnungen bei uns“ – stehe man vor einem Neubau von zehn barrierefreien Wohnungen.

Lehner verhindert Liquidation in den sechziger Jahren

Baugenossenschaft Floß Spatenstich

Die Vorstandsvorsitzende der Baugenossenschaft, Marika Mauerer, bezeichnet den Bauverein, wie die Flosser sagen, als „zuverlässigen Eckpfeiler des sozialen Wohnungsbaus“.

Mauerer erinnert auch an einen dunklen Punkt in der Geschichte der Genossenschaft, an die Zeit, als in den sechziger Jahren die Liquidation drohte, bis der blutjunge Bürgermeister Fred Lehner das Ruder in die Hand genommen und das Schiff vor dem Untergang bewahrt habe, wie Mauerer sagt. Es sei daher nicht möglich, den Bauverein ohne den Namen Lehner zu beschreiben.

Lehner selbst, der vor acht Jahren den Vorstandsvorsitz an Mauerer übergeben hat und seither Berater „seines“ Bauvereins ist, macht kein Hehl aus seiner Ergriffenheit. „Mein Herz ist voll vor Freude und Dankbarkeit“, sagt er. Der symbolische Spatenstich in Plankenhammer sei „die absolute Krönung“ seiner mehr als 64 Jahre im Dienst der Baugenossenschaft. Hundert Jahre „Eigenheim“ seien hundert Jahre „beispielhafte Selbsthilfeeinrichtung“, seien hundert Jahre „aktiv betriebene Wohnungswirtschaft“, die den Markt geprägt hätten.

Der Architekt Emil Lehner von dem Weidener Büro SHL Architekten und Stadtplaner bescheinigt der Baugenossenschaft, nicht nur Wohnraum, sondern Heimat geschaffen zu haben. Lehner sagt, Wohnen sei Heimat, und wenn das Wohnen wie hier auf den Menschen zugeschnitten sei, sei das ein „Halteanker für den ländlichen Raum“, dem zunehmend Bedeutung zukomme als „unheimliche Kraft für die Gesellschaft“.

 

Fotos: Gabi Eichl

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