BFV und DFB: Erfreuliche Zahlen, aber die großen Sorgen bleiben

Amberg/Weiden/München. Der Fußball in Deutschland und in Bayern erfreut sich weiter großer Beliebtheit: Das unterstreicht die DFB-Mitgliederstatistik der Saison 2022/23. Dennoch bleiben in einigen Bereichen große Sorgen.

Die Kreis-Endrunde im Baupokal findet am Samstag beim 1. FC Rieden mit den weidener Teams SpVgg SV und FC Weiden Ost statt. Foto: BFV

Besonders erfreulich: Die Zahl der Erstregistrierungen (312.400, Bayern: 61.916) bewegte sich erneut auf einem sehr hohen Niveau. Im Kalenderjahr 2022 stellte der Bayerische Fußballverband (BFV) insgesamt 55.293 erstmalige Spielberechtigungen – der beste Wert seit 15 Jahren. Und: Mehr Mädchen spielen Fußball, 2022 hat sich die Zahl bei den neuen Spielerinnen-Pässen auf fast 8000 nahezu verdoppelt. Darüber hinaus ist der über fast zwei Jahrzehnte anhaltende Rückgang an aktiven Schiedsrichtern zunächst weitestgehend aufgehalten.

“Noch lange nicht am Ziel”

“Dass wir bei vielen elementaren Kennzahlen auf oder sogar über dem Vor-Corona-Niveau liegen, ist ein sehr gutes Zeichen und zeigt, dass Fußball weiterhin beliebt ist und die Massen und damit unsere Gesellschaft – wie keine andere Sportart – bewegt. Insbesondere die Zuwächse bei den Jüngsten und dort vor allem bei den Mädchen lassen uns positiv in Zukunft blicken”, sagt BFV-Präsident Christoph Kern: “Auf manche Trends gibt es kaum Einflussmöglichkeiten, aber dort, wo wir was tun können, werden wir gemeinsam mit unseren Vereinen unsere ganze Energie verwenden – für unsere Kinder und für den Erhalt unserer vielfältigen Vereinslandschaft.”

Man habe in den vergangenen beiden Jahren bewusst dort angesetzt und der Vereinsbasis flankierend vielfältige Qualifizierungsangebote gemacht und auch Equipment bereitgestellt, damit die vielen fußballbegeisterten Kinder den Vereinen langfristig erhalten bleiben. Kern: “Aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Wir müssen weiterhin große Anstrengungen unternehmen und uns noch mehr für fußballbegeisterte Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund öffnen. Auch das sagen uns die aktuellen Zahlen.”

Mit verschiedenen Aktionen versucht der BFV immer wieder, junge Menschen für den Fußball zu begeistern. Foto: BFV

Mit 407.135 aktiven Spielern/innen in der Saison 2022/23 wurde in Bayern der Wert aus der vorpandemischen Saison 2018/19 (393.978) und die Marke aus dem von Aufholeffekten geprägten Vorjahr (399.784) übertroffen. Bei den Junioren bis 14 Jahren wuchs die Zahl der Aktiven von 142.807 auf 151.3452. Auch bei den 15- bis 18-jährigen Spielern gab es einen leichten Zuwachs: von 52.305 auf 54.441.

Bei den Mädchen bis 16 Jahren waren in dieser Saison 17.793 Spielerinnen am Ball, im Jahr zuvor waren es 15.151 (2028/19: 12.480). Die positiven Entwicklungen rund um die Frauen-Nationalmannschaft und die Frauen-Bundesliga machen also vor dem Nachwuchs an der Basis nicht Halt. Auch die vom BFV im Herbst 2021 initiierte Kinderfußballkampagne “#AufdiePlätze”, die aktuell mit der Mädchenfußballkampagne “#Lasstsiespielen” in die Verlängerung geht, zeigte Wirkung.

Weniger Erwachsene, mehr Mannschaften

Entsprechend dem bundesweiten Trend war dagegen die Entwicklung bei den Erwachsenen auch in Bayern in der Saison 2022/23 rückläufig. Die Zahl der aktiven Spieler sank von 172.104 auf 167.017 (2018/19: 172.669), bei den Frauen waren es 16.542 nach 17.417 im Jahr zuvor (2018/19: 18.073). Insgesamt nahmen in Bayern 21.794 Mannschaften in der Saison 2022/23 am Spielbetrieb teil. Der Anstieg gegenüber 20.566 Teams im Vorjahr (2018/19: 21.696) entspricht dem bundesweiten Trend und ist unter anderem durch die neuen Spielformen im Kinderfußball (Mini-Fußball) bedingt, die in immer mehr Regionen angewendet werden und kleinere Mannschaftsgrößen vorsehen. Bundesweit verbindlich werden die Spielformen für die G-, F- und E-Jugend ab der Saison 2024/25 sein.

Die Zahl der Vereine sank in der Saison 2022/23 in Bayern erneut auf 4454 (Vorjahr: 4468, 2018/19: 4530).

Schiedsrichter: Starker Abwärtstrend gestoppt

Bei den Schiedsrichtern ist der starke Abwärtstrend weitestgehend gestoppt. Die Zahlen sind in Bayern aber dennoch rückläufig. In der Saison 2022/23 haben insgesamt 9013 aktive Schiedsrichter 196.955 Spiele geleitet. Im Vorjahr waren es noch 9246 (2018/19: 10.953). 1097 Neulingen stehen 1998 Austritte gegenüber (Vorjahr: 1043 zu 2764). Auf zahlreichen Ebenen wird beim Bayerischen Fußball-Verband zusammen mit den Vereinen daran gearbeitet, den Trend umzukehren, neue Schiedsrichter/innen zu gewinnen und aktive Unparteiische zu binden. Zuletzt wurden unter anderem die Schiedsrichterspesen deutlich angehoben. “Das kann aber nur der Anfang sein. Wir brauchen vor allem im Umgang miteinander auf und neben dem Platz ein Umdenken, das von gegenseitiger Wertschätzung und Fairplay geprägt sein sollte. Ohne gute Rahmenbedingungen für unsere Schiedsrichter werden wir den Trend nicht umkehren können. Hier sind alle gefordert”, sagt Verbands-Schiedsrichterobmann Sven Laumer.

Der Frauenanteil bei den Unparteiischen in Bayern liegt aktuell bei 3,2 Prozent (deutschlandweit: 4,28 Prozent), bei den Neulingen immerhin bei 6,6 Prozent.

Neuer Rekord bei DFB-Mitgliedszahlen

Mit insgesamt mehr als 7,36 Millionen Vereinsmitgliedern (Bayern: 1,59 Millionen) unter dem Dach des DFB verzeichnete der deutsche Fußball erneut eine Rekordmarke. Nie waren es in der 123-jährigen Verbandsgeschichte mehr. Die Zahl der weiblichen DFB-Mitglieder (1,17 Millionen) ist um 5,6 Prozent gestiegen, bei den Männern (6,19 Millionen) lag die Steigerung bei 2,5 Prozent.

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