Führt uns „Omi“ raus aus der Pandemie?

Nordoberpfalz. Nach der Delta-Variante übernimmt die hochansteckende Omikron-Mutante die virale Oberhoheit. Das könnte aber durchaus eine Chance sein, meint der Waldsassener Molekularbiologe und Bio-Informatiker Dr. Josef Scheiber.

Dr. Josef Scheiber, Biovariance GmbH

Als im November die Omikron-Variante in Südafrika auftauchte, schrillten auch hierzulande die Alarmglocken. Kein Wunder, selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte vor dem gefährlichen Nanometer-Winzling. Und tatsächlich: „Omi“ hat mittlerweile die Virushoheit übernommen. Die hochansteckende Corona-Mutante treibt die Infektionszahlen in neue, unbekannte Höhen.

Doch möglicherweise könnte Omikron auch den Weg raus aus der Pandemie ebnen. OberpfalzECHO unterhielt sich mit dem Waldsassener Molekularbiologen und Bio-Informatiker Dr. Josef Scheiber über den viralen „Hoffnungsträger“, über den neuen „Totimpfstoff“ Nuvaxovid, über verkürzte Quarantäne-Zeiten, die ab Samstag auch in Bayern gelten und über eine mögliche vierte Impfung, über die man sich in Politikerkreisen schon mal Gedanken macht.

Omikron verkürzt die Quarantäne

Wer sich, bevor Omikron kam, mit dem Corona-Virus infizierte, verbarrikadierte sich für zwei Wochen in seiner Wohnung. Omikron verkürzt jetzt die Isolations- und Quarantänezeit auf nur mehr zehn Tage. Und bereits nach einer Woche können sich Kontaktpersonen durch einen negativen PCR- oder Antigen-Schnelltest freitesten. Das gilt auch für Infizierte, die sich in Isolation befinden, vorausgesetzt, sie sind 48 Stunden vor der Testung symptomfrei.

Beschäftigte in sogenannten vulnerablen Einrichtungen, die nach der unfreiwilligen Corona-Auszeit zurück in den Job wollen, müssen sich durch einen PCR-Test oder fünf Tage in Folge durch tägliche negative Schnelltests freitesten. Kontaktpersonen, die geboostert, frisch doppelt geimpft oder weniger als seit zwei Wochen genesen sind brauchen gar nicht mehr in Quarantäne.

Nach sieben Tagen ist der Virus weg

Nicht mehr zuhause bleiben müssen auch Kontaktpersonen, die genesen sind und eine erste Impfung erhalten haben, die nicht länger als zwei Monate zurückliegt. Dr. Josef Scheiber kann diese neue Regeln, die bei der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz festgelegt worden sind, nur begrüßen. „Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass nach sieben Tagen in 90 Prozent aller Fälle kein Virus mehr nachzuweisen ist“, betont er.

Allerdings würde der Mikrobiologe die Testkarte noch konsequenter ziehen wollen. Er würde es zum Beispiel lieber sehen, wenn beim Test in die Freiheit statt einmal mindestens zwei Mal der Antigen-Schnelltest zum Einsatz kommt.

Vierte Imfpung ist eigentlich die Erste

Während noch fleißig erst-, zweitgeimpft und geboostert wird, macht man sich in Politikerkreisen auch schon über einen vierten Nadelstich Gedanken. Scheiber sieht das etwas anders. „Das ist keine vierte Impfung, sondern es wird die erste, an die Omikronvariante angepasste Auffrischimpfung sein“, erläutert der Waldsassener Experte.

Er hält gerade auch in Omikron-Zeiten das Boostern wichtig, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. „Die Vakzine, die verabreicht werden, sind ja alle hervorragend“. Und auch der neue Proteinimpfstoff Nuvaxovid, der im Gegensatz zu Biontech oder Moderna keine Erbinformation wie mRNA enhält, hält der Experte für absolut top: „Wer sich damit impfen lassen möchte, soll ihn nehmen. Punkt.“

Pille oder Spritze?

Vielleicht noch in diesem Monat kommt das Covid-Medikament Paxlovid auf den Markt. Für Scheiber ist die Pille allerdings nicht unbedingt eine echte Alternative zur Spritze. „Das Produkt hat viel mehr Nebenwirkungen als eine Impfung“, vermutet er.

Dass immer noch Millionen von Bundesbürgern einen großen Bogen um die Impfzentren machen, dafür macht Scheiber auch die Politik verantwortlich. Ankündigungen etwa von Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn, nur mehr das Moderna-Vakzin zu verabreichen, damit man die Dosen nicht wegschmeißen muss, hält Scheiber für kommunikativen „Irrsinn“.

Scheiber hält nichts von der Impfpflicht

Er ist auch kein Befürworter, der immer wieder ins Spiel gebrachten Impfpflicht. „Die aktuellen Coronaregeln zeigen Wirkung“, betont er. Man sollte sie beibehalten und stattdessen in der Zeit richtige Überzeugungsarbeit leisten. „Es muss, wenn Fragen auftauchen, immer ein kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung stehen“, findet der Molekularbiologe.

Die Omikron-Variante scheint harmloser als gedacht zu sein. Das Virus greift nicht mehr die Lunge an, sondern malträtiert stattdessen die Bronchien. „Das ist zwar auch nicht gerade angenehm. Aber mit einer massiven Steroid-Gabe bekommt man das wieder in den Griff“, betont Scheiber. Bei Omikron-Patienten gehen die Krankenhausaufenthalte um satte 83 Prozent zurück.

Schafft Omikron die Grundimmunisierung?

„Im Gegenzug ist das Virus aber viel ansteckender, sodass die hohen Infektionszahlen doch wieder zu einem Problem für unser Gesundheitswesen werden könnten“, erläutert Scheiber. Doch gerade diese hohe Infektiosität könnte die Chance sein, aus der Pandemie rauszukommen. „Omikron könnte möglicherweise für die notwendige Grundimmunisierung in der Bevölkerung sorgen“, meint der Molekularbiologe.

Doch klar ist für ihn auch. Corona wird uns immer weiter begleiten. Dann wird es ähnlich wie bei der Grippe eine jährliche Coronaschutzimpfung für besondere Risikogruppen geben. Und auch die Maske wird auf lange Zeit nicht mehr bloß im Fasching aufgesetzt werden.

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