Mehr Vielfalt im Landkreis – Rekordausgaben für den staatlichen Naturschutz

Tirschenreuth. Die Untere Naturschutzbehörde konnte 2022 für ökologische Bewirtschaftung von Flächen oder Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität eine Rekordsumme von mehr als 450.000 Euro an Fördermitteln bereitstellen.

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Die Teichlandschaft Waldnaabaue. Foto: Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald.

Seit vielen Jahrzehnten sind die sukzessive Verschlechterung von Lebensräumen und das einhergehende Artensterben weltweit zu beobachten. Weniger Biotope, Arten und genetische Vielfalt bedeutet auch eine geringere Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit gegenüber Klimaveränderungen, Störungen oder Schadstoffen.

So hat die Trockenheit der vergangenen Jahre den Rückgang von bedrohten Arten oftmals verstärkt und den Fokus auf zwei eng verknüpfte und sich verstärkende Probleme gelenkt: Klimawandel und Artensterben. Diese negativen Entwicklungen machten auch vor dem Landkreis Tirschenreuth nicht Halt. Die Populationen der Amphibien in der Waldnaabaue gehen wie überall in Deutschland zurück, trotz vieler Maßnahmen von engagierten Teichwirten und Naturschutzvereinen.

War das Rebhuhn vor ein paar Jahren noch mit mehreren Brutpaaren bei Kastl zu finden, konnte in den letzten Jahren kein Nachwuchs im Landkreis nachgewiesen werden. Natürlich sind nicht alle Arten von einem Rückgang betroffen, aber diese Beispiele sollen verdeutlichen, wie besonders sensible Highlight-Arten unsere Unterstützung brauchen.

Ministerium verstärkt Maßnahmen

Um dem Artensterben und Klimawandel entgegenzuwirken, wurden die Anstrengungen des Bayerischen Umweltministeriums und des Landwirtschaftsministeriums in den letzten Jahren deutlich verstärkt. Von dieser positiven Entwicklung profitierte auch der Landkreis. Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Tirschenreuth konnte 2022 für ökologische Bewirtschaftung von Flächen oder Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität und des Naturhaushaltes eine Rekordsumme von mehr als 450.000 Euro Fördermittel zur Auszahlung bereitstellen.

Die freiwillige Teilnahme von Landwirten und Flächenbewirtschaftern am Vertragsnaturschutzprogramm war letztes Jahr erfolgreicher denn je.Claudia Fuchs, Fachkraft für Naturschutz am Landratsamt Tirschenreuth

Es stehen inzwischen eine Vielzahl an Förderprogrammen für Landwirte, Privatpersonen, Kommunen und Vereinen bereit. Für den staatlichen Naturschutz sind zwei Förderungen besonders wichtig, das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) und die Landschafts- und Naturparkrichtlinien (LNPR).

Im Bereich der Wiesen, Weiden, Äcker und Teiche wurden Mittel von knapp 220.000 Euro ausbezahlt. Besonders beliebt war hier für Grünland ein später Schnittzeitpunkt Mitte Juni oder Anfang Juli. Dies hilft Kräutern und Gräsern bei der Samenbildung, da viele der schönen Arten wie Glockenblumen nur über Samen in den Wiesen überleben können. Für Waldbesitzer wurden über 118.000 Euro für die Förderung von Biotopbäumen, das Belassen von Totholz oder gar einen kompletten Nutzungsverzicht bereitgestellt. Bei den LNPR-Mitteln flossen 104.000 Euro in den Landkreis, besonders beliebt war die Pflanzung von Streuobstbäumen.

Tümpel und Feuchtwiesen leben auf

Außerdem wurden Amphibientümpel angelegt, brachgelegene Feuchtwiesen wieder in Nutzung genommen, Nistkästen für Vögel angebracht und vieles mehr. Hier konnten auch individuelle Pflegemaßnahmen für seltene Arten wie der Arnika durchgeführt werden, da die traditionelle Nutzung aus Beweidung und/oder spätem Schnittzeitpunkt (Öhmdwiesen) meist schon lange nicht mehr praktiziert wird und die Bewirtschaftung gezielt auf diese Art abgestimmt werden muss. Nicht zuletzt wurden auch fast 10.000 Euro für Bibermanagement abgerufen, vor allem zur Beseitigung von Biberschäden an Teichen oder landwirtschaftlichen Flächen.

Die Untere Naturschutzbehörde hat aufgestockt

Dass 2022 für den staatlichen Naturschutz ein erfolgreiches Jahr war und eine Fülle an Maßnahmen umgesetzt werden konnte, lag auch an der personellen Aufstockung der Unteren Naturschutzbehörde. Seit Januar 2022 unterstützen Rebekka Riebl als Fachkraft und Cornelia Straubinger als Biodiversitätsberaterin die Untere Naturschutzbehörde. Die Biodiversitätsberatung wurde nach dem erfolgreichen Artenschutzbegehren „Rettet die Bienen“ eingeführt, um dem Insektensterben entgegenzuwirken und auch um individuelle Beratungen zu verstärken.

„Wilde Weiden“

Der Biotopverbund und die Verbesserung der Schutzgebiete werden 2023 verstärkt in den Fokus rücken. Einen wichtigen Beitrag wird das neue und in seiner Größe deutschlandweit einzigartige Projekt „Wilde Weiden“ leisten. Extensive Weiden, also eine geringe Tieranzahl, sind ein erfolgreich erprobtes Werkzeug zur Förderung der Biodiversität und dem Erhalt einer solch einzigartigen Flusslandschaft wie der Waldnaabaue.

Für alle Interessierten wird zu Beginn des Projektes eine Infoveranstaltung stattfinden. Informationen zum Vertragsnaturschutzprogramm gibt es hier.

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