Solarstrom für Weidener Balkone: Kleiner Dämpfer für explodierende Energiekosten

Weiden. Wenn der Bayerische Rundfunk eine Stadtratssitzung in Weiden besucht, muss ein wegweisendes Thema auf der Tagesordnung stehen. Die CSU-Fraktion hatte beantragt, dass künftig Solar-Balkon-Kraftwerke gefördert werden sollen. Bei den derzeit explodierenden Energiekosten keine Petitesse. Und der Weidener Stadtrat stimmte bei nur einer Gegenstimme zu.

Die CSU-Fraktion hat sich bereits ein Steck-Solar-Gerät gesichert und präsentiert das PV-Balkonkraftwerk vor der Max-Reger Halle. Bild: CSU

Der Weidener Stadtrat folgte am Montag dem CSU-Antrag auf Bezuschussung privat betriebener Stecker-Solaranlagen. Demnach soll es bis zu 100 Euro für die Neuanschaffung geben.

Der Stadtrat sprach sich parteiübergreifend mit nur einer Gegenstimme für die Förderung aus. „Eine gute Idee, die ich sehr gerne unterstütze“, lobt auch Oberbürgermeister Jens Meyer (SPD). „Die Förderung soll ein Anreiz sein, direkt bei sich zu Hause in regenerative Energien zu investieren.“

Solarenergie für Mieter

Ähnlich sieht es SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Richter: „Das ist eine niederschwellige Möglichkeit auch für Mieter, Stromkosten zu sparen und die Energiewende nach vorne zu bringen.“ Es spiele keine Rolle, welche Fraktion einen Vorschlag einbringe, wenn es ein guter Vorschlag sei: „Ein Baustein im Rahmen der gemeinsamen Beschlussvorlage von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und FW zur Ausarbeitung energiepolitischer Leitlinien zum beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und zur langfristigen Sicherung der Energieversorgung.“

Die Vertreter der CSU im Weidener Stadtrat als Initiatoren des Antrags betonen, dass damit neben Hausbesitzern vor allem auch Mieter die Möglichkeit bekämen, in Solarenergie zu investieren. CSU-Stadtrat Hans-Jürgen Gmeiner hatte bereits im März – wenige Wochen nach Beginn von Putins Gas-Krieg – mit seiner Recherche zu Steck-Solargeräten begonnen, die in der Anschaffung bei unter 1.000 Euro lägen und sowohl an Balkonen als auch auf Terrassen einfach installiert werden könnten.

„Erneuerbare Energien senken den Strompreis“

„Wichtig war mir“, sagt Gmeiner, „wie wir als Stadt Weiden die Idee mit dem Balkonkraftwerk voranbringen.“ Aus diesem Grund habe die CSU in ihrem Antrag an die Stadt Weiden appelliert, eine Fördermaßnahme für Bürger und Bürgerinnen in Höhe von 100 Euro einzurichten – im Jahr gedeckelt auf 20.000 Euro. Ein weiterer Fokus solle auf der Wertigkeit und dem wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen liegen. Gmeiner zitiert dazu Professor Dr. Magnus Jäger, den die Fraktion zuvor zu einem Vortrag geladen hatte: „Klima wird von jedem Einzelnen beeinflusst und erneuerbare Energien senken den Strompreis“.

Bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde werde sich die Anlage nach spätestens zehn Jahren amortisieren. Daniel Troidl, der mit der Weidener Firma GT Systembau auch solche Mini-Solaranlagen vertreibt, hält eine Amortisierung nach nur fünf Jahren für möglich, wenn das Panel auf der Südseite montiert wird.

So viel spart ein Haushalt mit vier Personen

Zusätzlich zum Förderprogramm steht laut Stadtverwaltung auch eine viermonatige Kampagne für private Investitionen in erneuerbare Energien auf der Tagesordnung. Sie soll nach dem Abschluss des Klimaschutzkonzepts starten. Ein Förderprogramm des Bundes oder des Freistaats gebe es für solche Anlagen bisher nicht.

Für CSU-Stadtrat Gmeiner habe die Entscheidung des Stadtrats, 20.000 Euro Haushaltsmittel bereitzustellen, eine Signalwirkung nach außen. „Ein Haushalt mit vier Personen kann sechs Prozent Energie einsparen.“ Allerdings wünsche er sich etwas mehr Tempo: „Geben Sie uns etwas Rückenwind“, fordert der Berufssoldat, „wir sollten mit der Förderung nicht bis ins kommende Jahr warten.“

Gegenstimme von der AfD

Auch diesem Wunsch folgte der Stadtrat bei nur einer Gegenstimme der AFD-Fraktion. Die Stadt Weiden hat den beiden neuen Klimaschutzmanagern den Auftrag erteilt, dieses Förderprogramm zu erstellen und umzusetzen: „Damit das erforderliche Energiebewusstsein bei den Bürgern und Bürgerinnen geschaffen wird“, betont Dezernentin Nicole Hammerl. Die Stadtwerke Weiden haben für die Einspeisung ins Netz bereits ein Anmeldeformular entwickelt.

So funktionieren die PV-Balkonkraftwerke

  • Stecker-Solaranlagen, auch Balkonkraftwerke genannt, sind etwa einen Meter achtzig lange und einen Meter breite Solarpanels, die am Balkongeländer oder auf Dachflächen installiert werden. Der Strom wird per Steckdose in den Stromkreis des Hauses oder der Wohnung eingespeist.
  • Dieses Mini-Kraftwerk leiste damit einen Beitrag zum Strom-Eigenbedarf. Für die Netzeinspeisung seien die Anlagen mit ein bis zwei Solarpanels und einer Energieleistung von etwa 200 bis 600 kWh pro Jahr zu schwach.
  • Laut der Verbraucherzentrale in Bayern sind die Anlagen nicht genehmigungspflichtig. Es genüge eine Anmeldung bei Stromanbieter und Bundesnetzagentur. Auch der Hauseigentümer müsse zwar um Erlaubnis gebeten werden, diese aber in der Regel auch erteilen.

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