Woppenriether Landwirt und Hostauer Imker sind echte Kumpel

Waldthurn/Hostau. Zwei Bürgermeister einer böhmischen und einer Kommune aus der Oberpfalz verstehen sich trotz sprachlicher Differenzen prächtig und feiern in diesem Jahr ein rundes Jubiläum.

Bürgermeister Miroslav Rauch (links) und Bürgermeister Josef Beimler vor dem Rathaus in Hostau. Foto: Franz Völkl
Bürgermeister Miroslav Rauch (links) und Bürgermeister Josef Beimler vor dem Rathaus in Hostau. Foto: Franz Völkl
Konstituierende Sitzung des Hostauer Stadtrates mit den beiden Waldthurner Bürgermeister Josef Beimler (Sechster von links), Roman Bauer (Sechster von rechts) und Dolmetscher Uli Völkl (Siebter von links). Foto: Franz Völkl
Konstituierende Sitzung des Hostauer Stadtrates mit den beiden Waldthurner Bürgermeister Josef Beimler (Sechster von links), Roman Bauer (Sechster von rechts) und Dolmetscher Uli Völkl (Siebter von links). Foto: Franz Völkl
Miroslav Rauch und Josef Beimler (rechts) spielen beim LandKULTUR Gastspiel der tschechischen Dudelsackband in Waldthurn im Sommer 2022 am Hostauplatz am Brummtopf. Foto: Franz Völkl
Miroslav Rauch und Josef Beimler (rechts) spielen beim LandKULTUR Gastspiel der tschechischen Dudelsackband in Waldthurn im Sommer 2022 am Hostauplatz am Brummtopf. Foto: Franz Völkl
Der alte und neue Hostauer Bürgermeister Miroslav Rauch am Rathaus in Hostau. Foto: Franz Völkl
Der alte und neue Hostauer Bürgermeister Miroslav Rauch am Rathaus in Hostau. Foto: Franz Völkl
Der Hostauer Bürgermeister Ing. Miroslav Rauch (links) überreicht im Jahr 2014 als Gastgeschenk eine Erinnerungstafel an die Marktgemeinde Waldthurn. Foto: Franz Völkl
Der Hostauer Bürgermeister Ing. Miroslav Rauch (links) überreicht im Jahr 2014 als Gastgeschenk eine Erinnerungstafel an die Marktgemeinde Waldthurn. Foto: Franz Völkl
Foto: Franz Völkl
Foto: Franz Völkl
Foto: Franz Völkl
Foto: Franz Völkl
Foto: Franz Völkl

Bei den zahlreichen Treffen mit „Dobry den, Servus und Ahoy“ ist diese Partnerschaft des Herzens sofort spürbar. Die Gemeinsamkeiten zwischen dem Waldthurner Bürgermeister Josef Beimler und seinem Amtskollegen Miroslav Rauch aus der knapp 50 Kilometer entfernten tschechischen Partnerstadt Hostau (Hostouň) – Bezirk Domažlice – sind schnell zu erkennen. Beide Ratshauschefs, sowohl in der nördlichen Oberpfalz als auch in Böhmen, sind in ihrer Kommune jeweils seit 20 Jahren an der „Regierung“.

Sie verstehen sich blind

Beimler konnte bereits am 1. Mai 2022 sein Jubiläum feiern, Rauch wurde kürzlich, nach zwei Jahrzehnten Hostauer Bürgermeister, für eine weitere sechste Amtsperiode bestätigt. Beide arbeiten auf Augenhöhe über die Grenzen hinweg zusammen – sie verstehen sich blind. Es handelt sich hierbei nicht um eine kommunale Partnerschaft ausschließlich mit Urkunden, Erinnerungstafel und Tafel am Ortseingang.

Gegenseitige Besuche der Marktgremien, der Kitas, Schulen, Veranstaltungen, Feuerwehren, Bürger-, Musikfeste und vieles mehr sind seit vielen Jahren an der Tagesordnung. Eine Selbstverständlichkeit war es für die böhmischen Freunde, mit dabei zu sein, als kürzlich eine Kommission für den Europäischen Dorferneuerungspreis den „Bewerber Markt Waldthurn“ besuchte.

Vor 18 Jahren Partnerschaft besiegelt

Beide Kommunen mit den Rathauschefs an der Spitze besiegelten im Jahr 2004 die offizielle Partnerschaft, die aber davor schon durch den verstorbenen früheren Bürgermeister Franz Bergler belebt wurde. „Eine Welt ohne Freunde ist wie eine Welt ohne Sonne“, ist der Leitspruch des Hostauer Bürgermeisters Rauch, wobei Beimler sagt, dass „Miro“ besser deutsch als er tschechisch spricht. Die Sprache ist zwar noch eine „kleine Barriere“ aber gedanklich wissen beide, was der andere will.

Über die Jahre sei Rauch ein echter Kumpel für Beimler geworden. „Ich möchte seine Freundschaft nicht mehr missen, wir haben zusammen die Bürgermeisterämter im Jahr 2002 übernommen und werden voraussichtlich im Jahr 2026 zusammen in den Bürgermeisterruhestand treten“. Diese internationale grenzüberschreitende Gemeinsamkeit lebt – die beiden Bürgermeister sind dabei die Pulsgeber und Motoren. Für exakte sprachliche Klarheit sorgt seit Jahren der Partnerschaftsbeauftragte des Marktes Waldthurn, Uli Völkl.

Ursprung in der Landwirtschaft

Beide Bürgermeister wuchsen gemeinsam in ihr neues Amt und sind mittlerweile wie „Zwillingsbrüder“. Vom Anfang an stimmte die Chemie zwischen beiden Gemeindeoberhäuptern. Beide haben ihren Ursprung in landwirtschaftlicher Tätigkeit. Während Beimler als Hoferbe die Landwirtschaft als Gursnbauer von Woppenrieth erlernte und sich über verschiedene Qualifikationen weiterbildete, kam Ingenieur Miroslav Rauch als Seiteneinsteiger im Ingenieurstudium der Landwirtschaft zum Fachwissen und war Leiter eines Agrarbetriebes in Hostau. Er ist Hobbyimker und ein Experte bei der Herstellung von Honigwein.

Während zum Beginn dieser einmaligen und langjährigen Partnerschaft die politischen und verwaltungstechnischen Gegebenheiten sehr unterschiedlich waren und auch jetzt noch teilweise sind, fanden beide mit „Agrar-Fachgesprächen“ schnell einen gemeinsamen Nenner. „Die leider verstorbene Janka Gollwitzer musste sich als Dolmetscherin in der ersten Zeit der Partnerschaft zwangsläufig viel Wissen über Ackerbau und Boden aneignen“, blickte Dolmetscher Völkl zurück.

Miroslav Rauch ist 58 Jahre alt, verheiratet mit Naděžda Rauchová, sie ist Lehrerin an der Schule in Hostau, beide haben zwei Kinder. Tochter Jitka sitzt seit der letzten Kommunalwahl mit ihrem Vater im Stadtrat. Beimler betreibt in Woppenrieth mit seiner Frau Hilde und der Familie von Sohn Franz-Josef eine Landwirtschaft, ist aber „Rund um die Uhr“ für die Interessen der Marktgemeinde unterwegs.

Waldthurner bei der konstituierenden Sitzung

Zur konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrats der Stadt Hostau waren kürzlich Bürgermeister Josef Beimler und zweiter Bürgermeister Roman Bauer nach Hostau zusammen mit Partnerschaftsbeauftragten Uli Völkl gefahren. Die Wahl des Bürgermeisters, seines Stellvertreters Miloš Hutkay sowie die Besetzung der Ausschüsse erfolgte durch die gewählten Stadträte und ergab ein einstimmiges Ergebnis.

Hintergrund:

Der verstorbene frühere Waldthurner Bürgermeister Franz Bergler machte sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auf, eine tschechische Partnerstadt zu suchen und wurde in Hostouň/Hostau fündig. Bergler fand auch eine geschichtliche Verbindung zwischen den beiden Orten. Um 1270 wurde Ulrich von Walturn auf Trausnitz durch Einheirat in Hostouň ansässig. 1347 verließen die Walturner Hostouň und waren seit dieser Zeit wieder in Bayern ansässig. „Wir wussten damals nicht, was für wunderbare Menschen auf der anderen Seite der Grenze wohnen“, meint heute Bürgermeister Josef Beimler.

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