Zwischen Angst und Kampfgeist: Streik bei Faurecia in Trabitz

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Trabitz. Mit einem Warnstreik vor dem Werkstor und einer spontanen Mahnwache vor der Agentur für Arbeit in Weiden haben die Beschäftigten des Automobilzulieferers Faurecia gestern gegen die Schließung ihres Werks in Trabitz protestiert. Am Freitag um 0 Uhr endete die Friedenspflicht in der Bayerischen Elektro- und Metallindustrie und die IG Metall hatte ihre Mitglieder zu Warnstreiks in den Siemens-Werken Amberg und Kemnath sowie bei Faurecia in Trabitz aufgerufen. „Wir hatten überall eine prächtige Beteiligung“, freute sich der 2. Bevollmächtigte der IG Metall, Udo Fechtner, in Trabitz.

Von Udo Fürst

Streik Faurecia, Trabitz, Werkschließung

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Den Beschäftigten des französischen Automobilzulieferers ging es dabei weniger um die IG Metall-Forderung „5 Prozent mehr Lohn“, sondern um ihre Zukunft. „Ja, klar haben wir Existenzängste“, sagte Markus Stich, der stellvertretende Vorsitzende des Vertrauenskörpers bei Faurecia. Es sei einfach eine schwierige Situation für die Leute: „Die haben uns einfach beschissen, haben unser Geld genommen und uns über den Tisch gezogen.“ Zuletzt sei es nur noch eine Baustellenfabrik gewesen, nichts sei repariert oder gar investiert worden. „Es ist schade um diesen Betrieb und vor allem um die Menschen, die hier gearbeitet haben“, so ein zorniger Markus Stich.

Unterdessen verlässt die erste Schicht die Fabrikhallen. Etwa hundert Frauen und Männer versammeln sich um 9 Uhr vor dem Eingangstor, wo neben Fechtner und Stich auch ein kämpferischer Betriebsratsvorsitzender Karl Boemmel wartet:

Wir werden wohl die Schließung nicht verhindern können, aber wir kämpfen bis aufs Messer um eine Transfergesellschaft und um ausreichend Geld für die Weiterqualifizierung unserer Leute.“

Für den gestrigen Nachmittag kündigte Boemmel ein Gespräch beim Arbeitsamt Weiden an, an dem neben Arbeitgebervertretern auch einige Politiker teilnehmen sollen. „Eventuell sogar die Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, die zufällig in der Region ist.“ Vor der Agentur für Arbeit demonstrierten gut zwei Dutzend Faurecia-Beschäftigte mit Transparenten und Schildern gegen die Werksschließung.

Werkschließung – Fassungslosigkeit, Verzweiflung, Schock bei den Mitarbeitern

Martin Anzer, der Schwerbehindertenvertreter der Firma, ist seit 40 Jahren bei Faurecia und kann noch immer nicht begreifen, was geschehen ist. „Dass der Betrieb zum Jahresende zumacht, will einfach nicht in meinen Kopf rein. Für uns Schwerbehinderte ist der soziale Abstieg damit vorprogrammiert. Wir haben doch keine Chance auf dem Arbeitsmarkt.“ Wenige Meter weiter hält Monika Fralix ein Protestplakat hoch. Sie arbeitet seit 25 Jahren bei Faurecia und wäre demnächst dafür geehrt worden. Die Mittvierzigerin sagt:

Die Schließung ist ein Schock für uns. Für viele ist das gleichbedeutend mit Hartz 4. Das ist alles so beschissen. Mit fehlen die Worte“.

Auf der Eingangstreppe zum Firmenempfang redete sich Gewerkschafter Udo Fechtner langsam in Fahrt. „Die Hauptschuld trägt nicht Paris, die kümmern sich um andere Sachen. Wirklich verantwortlich für die Schließung sind die Herren in Augsburg. Wir werden denen bei den Sozialplanverhandlungen so einheizen, dass sie das Kotzen bekommen, wenn sie den Namen Trabitz nur hören“, wird der 2. Bevollmächtigte der IG Metall deutlich. Er appellierte an die Beschäftigten, sich an der Maikundgebung in Weiden und an der Aktion am kommenden Mittwoch in Trabitz zu beteiligen: „Wir werden deutlich sagen, welcher Drecksladen die Firma Faurecia ist und wir werden ihnen richtig kräftig in den Hintern treten.“

Warnstreik bei Siemens in Kemnath

Bei Siemens Healthcare in Kemnath legten gestern um 0 Uhr alle 30 Nachtschichtler die Arbeit eine Stunde nieder, Vormittag beteiligten sich dann 320 von 450 Beschäftigten am Warnstreik. „Das ist ein Superergebnis“, freute sich Diana Seifert, die Vorsitzende der IG Metall-Vertrauensleute bei Siemens. Horst Ott, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, bezeichnete die ersten Arbeitgeberangebote als unzumutbar und kündigte an, den Druck zu erhöhen. Diana Seifert konkretisierte: „Es wird sicherlich einen zweiten Warnstreik geben. Gegebenenfalls kommt es zu Tagesstreiks, wenn die nächste Verhandlungsrunde am 13. Mai kein zufriedenstellendes Ergebnis bringt.“

Streik Faurecia, Trabitz, Werkschließung

Udo Fechtner, der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, Markus Stich, stellvertretender Vorsitzender des Vertrauenskörpers bei Faurecia, und Betriebsratsvorsitzender Karl Boemmel (von links) sprachen zur Belegschaft.

Gut hundert Faurecia-Beschäftigte beteiligten sich am Warnstreik vor dem Werkstor. Die Stimmung schwankte dabei zwischen Kampfgeist und Resignation.  Fotos: Udo Fürst

Gut hundert Faurecia-Beschäftigte beteiligten sich am Warnstreik vor dem Werkstor. Die Stimmung schwankte dabei zwischen Kampfgeist und Resignation.

Bilder: Udo Fürst.

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