Döllnitz trauert um Johann Kammerer

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Döllnitz. „Im Alter von 78 Jahren verstarb nach längerer Krankheit – und trotzdem unerwartet – Johann Kammerer, ein Urgestein“, sagt Bürgermeister Anton Kappl auf der Trauerfeier. Eine überaus große Anzahl von Trauergästen aus Politik, Wirtschaft, Vereine und Freunde, Verwandte und Familie nahmen auf dem Döllnitzer Friedhof  Abschied von einem Macher. Ohne ihn und seinen Einsatz hätte Döllnitz vieles nicht geschafft. 

Von Sieglinde Schärtl 

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Döllnitz trauert um Johann Kammerer. Er verstarb mit 78 Jahren. Bild: Sieglinde Schärtl. 

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Das Requiem zelebrierten Pfarrer Adam Nieciecki und Diakon Norbert Hammerl, ein Verwandter des Verstorbenen, in der St. Jakobus Kirche. In der Predigt verglich er den Verstorbenen, den „Bretner Hans“, so der Hausname, mit einer Baumscheibe, die er danach an die Witwe überreichte. Enge Jahresringe würden auf trockene Schicksalsjahre hinweisen, breite auf lebendige und freudige Einflüsse – beides hätte auch Johann Kammerers Leben geprägt.

Geboren wurde Kammer am 20. April 1940 in Döllnitz als fünftes Kind von sechs Geschwistern, die alle im Kindesalter verstarben. Als er elf Jahre alt war, verstarb sein Vater, weshalb er ab diesem Zeitpunkt die Arbeit auf dem Bauernhof alleine mit seiner Mutter stemmte. Das prägte und formte sein Leben.

Tue recht und scheue niemand.“

war immer sein Lebensmotto. 1963 führte er Linda Grötsch in der Döllnitzer Kirche zum Traualtar, vier Söhne bereicherten diese Familie. Schicksalsschläge trafen ihn als 1965 sein Anwesen in der Dorfmitte abbrannte. Kammerer siedelte daraufhin aus, 1974 schlug ein Blitz in die Stallungen und die Scheune ein. Zwei Söhne musste er zu Grabe begleiten: Sohn Werner (1988) und Sohn Hans (1974). Er selbst hatte 1994 einen schweren Verkehrsunfall, 2000 erkrankte er schwer.

Ehrlicher, fairer und neutraler Ratgeber

Er verdiente sich neben der Landwirtschaft seinen Unterhalt bei Detag in Weiden, war Gebietsverteter für Treppen und ab 1978 bis zur Rente Einkäufer bei Südfleisch in Weiden. Der Diakon bezeichnete ihn, wie alle Grabredner, als familiären, geselligen, freundschaftspflegenden und lebensfrohen Menschen. Er erfreute sich an seinen acht Enkelkindern und den Zusammenhalt der beiden Söhne Bernhard und Anton mit Familien im Anwesen und daneben. Die Christbaumkultur, die weit bekannt ist, dafür legte er den Grundstein.

Produktiv und segensreich sei das Leben des Verstorbenen gewesen, „wenn man es von der weltlichen Seite betrachtet“, so der Prediger, „Wir stehen heute am Grab eines Mannes, der in letzter Zeit Schmerzen und Leiden erleben musste. Die Krebskrankheit forderte ihn heraus.“ Er war ein geschätzter und geachteter Marktgemeinderat und das 24 Jahre lang. Mit Leib und Seele war er Kommunalpolitiker. 1978 trat er sein Ehrenamt an und führte es bis 2002 aus. In seine Zeit fielen die Eingemeindung der Gemeinde Michldorf und die Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Tännesberg. Ab 1990 war er Fraktionssprecher der CSU.

Seine hervorzuhebenden Eigenschaften waren sein Fleiß, seine Geradlinigkeit und sein Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Bürgern: „Eben ein ‚Dorf-Politiker’“, wie Bürgermeister Anton Kappl sagte. In seine Amtszeit als Marktrat setzte er sich für den Bau der Mehrzweckhalle, der neuen Schulsportanlage, dem Bauhof und für große Straßenbauten ein. Eine große Herausforderung war die Dorferneuerung in Leuchtenberg. Mit Menschenverstand, guter Sachkompetenz und einer ordentlichen Portion Mut packte er stets mit an.

Für seine herausragenden Leistungen wurde Kammerer 1996 mit der kommunalen Dankurkunde des Freistaates Bayern ausgezeichnet. Bis zu seinem Tod war er am gemeindlichen Geschehen interessiert – „nicht als Einmischer, sondern er war ein ehrlicher, fairer und neutraler Ratgeber“, so das Gemeindeoberhaupt am Grab des ehemaligen Marktratskollegen.

Schützenmeister aus Leidenschaft

Kammerer war es auch, der Anfang der 70er Jahre den Schützenverein in Döllnitz wieder aufleben lies und das ehemalige Schulhaus zum Schützenhaus umbaute. Er verstand es die Mitglieder zu motivieren und zu begeistern. Das war seine große Leidenschaft. Er war von 1971 bis 1983 Schützenmeister und wurde dann zum Ehrenschützenmeister. „Er war schließlich der Gründervater des Vereins und seine offene aufgeschlossene Art sorgte bei den ‚Pfreimdtalschützen‘ für stete Höhepunkte“, erinnerte Schützenmeister Josef Bäumler.

Für den CSU-Ortsverband Leuchtenberg nahm Vorsitzender Rainer Schmeidl Abschied und stellte ihn als einen sehr aktiven und korrekten Parteifreund heraus. Viele Jahre war er zweiter Vorsitzender im Verband. Keine Parteiveranstaltung fand ohne ihn statt. Auch bei Wahlen und vor allem Kommunalwahlen setzte er sich gern ein. Über 40 Jahre war er auch ein gefragtes Mitglied beim Oberpfälzer Waldverein Leuchtenberg, wofür ihm Vorsitzender Michl Schwabl dankte.

„Bei der Feuerwehr hat er tiefe Spuren hinterlassen, egal ob als Festleiter oder Ehrenschirmherr bei Jubiläen, die dadurch hervorragend über die Bühne gingen“, so nahm Vorsitzender Johann Kellner mit einer Abordnung und der Fahne von dem Ehrenmitglied Johann Kammerer Abschied. Die Wehrmänner senkten den Sarg ins Grab. Alle legten zum Gedenken Blumenbuketts nieder und die Feuerwehr und der Schützenverein senkten zu den Klängen der Blasmusik die Fahnen.

Der Leuchtenberger Kirchenchor mit Dirigent und Josef Frischholz an der Orgel umrahmten die Trauerfeierlichkeiten.

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