Auftragsbücher der Handwerksbetriebe aktuell gut gefüllt – aber wie lange noch?

Nordoberpfalz. Das Geschäftsklima im ostbayerischen Handwerk ist im dritten Quartal in Folge mit einem Wert von elf nahezu unverändert geblieben. 86 Prozent der befragten Handwerksbetriebe bewerten ihre Lage als gut oder befriedigend.

Aktuell sieht nur das Gesundheitsgewerbe eher optimistisch in die Zukunft, nahezu alle anderen Handwerksgruppen gehen angesichts der aktuellen Krisen eher von einer Verschlechterung als von einer Verbesserung ihrer Geschäftslage aus. Foto: Falk Heller

Hauptgrund ist das vorhandene, stabile Auftragspolster. Gleichzeitig rechnet jeder fünfte Betrieb mit einer Verschlechterung in den kommenden drei Monaten, so der Konjunkturbericht der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz für das zweite Quartal 2022.

Kunden warten im Schnitt mehr als zwölf Wochen

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist es mehr als der Hälfte der befragten Betriebe gelungen, ihre Auftragseingänge konstant zu halten, knapp ein Viertel konnte seine Aufträge zuletzt sogar steigern. „Noch sind die Auftragsbücher der ostbayerischen Handwerksbetriebe sehr gut gefüllt“, bestätigt Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Jürgen Kilger die Zahlen.

Bezogen auf das Gesamthandwerk warten Kunden im Schnitt 12,7 Wochen auf ihren Handwerker, damit wurde der Spitzenwert des Vorquartals nochmals getoppt. Im Ausbaugewerbe beträgt die Wartezeit nach Auftragszuwächsen aktuell 15,6 Wochen.
Infolge der stabilen Auftragslage zog die Betriebsauslastung deutlich an. Die meisten Betriebe weisen eine mittlere oder gute Auslastung auf.

Steigende Preise trüben die Erwartung


Dennoch bereiten die weltweiten Preisanstiege auch dem regionalen Handwerk Sorgen. Rund zwei Drittel der befragten Betriebe erhöhten infolge gestiegener Einkaufspreise ihre Verkaufspreise, in etwa so viele wie bereits im Vorquartal. Der überwiegende Teil der Betriebe rechnet weiterhin mit viel Preisdynamik, vor allem mit Anstiegen: 85 Prozent der Betriebe erwarten Preissteigerungen im Einkauf, 64 Prozent bei den eigenen Preisen.

Zwar gehen über zwei Drittel der Betriebe von weiterhin konstanten Auftragseingängen in den kommenden Monaten aus, dennoch blicken viele Handwerksgruppen, mit Ausnahme des Gesundheitsgewerbes, weniger optimistisch in die Zukunft und rechnen angesichts der aktuellen Krisen eher mit einer Verschlechterung als mit einer Verbesserung ihrer Lage.

Handwerk sorgt für Stabilität im ländlichen Raum

„Trotz erheblicher Unsicherheitsfaktoren kann das ostbayerische Handwerk dem Druck rückläufiger Geschäftsentwicklungen gegenwärtig Stand halten“, resümiert Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Die sehr gute Auftragslage halte den Wirtschaftszweig gerade auf Kurs.

„Vor allem aber zeigen die vollen Auftragsbücher, wie wichtig das regionale Handwerk für die Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft, und damit die Stabilität Ostbayerns ist“, so der Handwerkskammerpräsident. „Damit es dieser wichtigen Rolle weiterhin nachkommen kann, brauchen wir dringend mehr Handwerkerinnen und Handwerker für unser Land.“ Die sei langfristig nur mit einer Bildungswende zu schaffen.

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