Bockboanig [ˈbɔkbaɪ̯nɪç]: Rund ist die Kugel

Nordoberpfalz. Manche Dinge machen uns so fassungslos, dass man ihnen nur noch mit Humor begegnen kann. Ihr habt genau richtig verstanden, ich möchte über die Fußball-Weltmeisterschaft reden.

FIFA-Funktionär müsste man sein. Foto: Ann-Marie Zell

Natürlich ist das ganze Drumherum eine Zumutung, eine Farce und hat nichts mehr mit Sport zu tun. Trotzdem finde ich es inzwischen – gerade weil es so bitter ist – schon wieder lustig, was für eine Realsatire hier ausgetragen wird. Ich gestehe also: Ich schaue WM, weil ich kann es ja sowieso nicht lassen. Das ist bei mir wie mit der Tafel Schokolade. Ich kaufe sie seltenst ein, weil sie ja sowieso gleich weg ist. Also esse ich zwei davon.

Echt, es geht um Kohle?

Eigentlich ist es doch, gerade in so turbulenten Zeiten wie heute, ganz angenehm, wenn einem so ein vermeintlich großes Turnier auch mal wurscht sein kann. Ich finde das ähnlich entspannend wie Skispringen im Fernsehen. Und dass es dabei nur um Geld geht und das Turnier auch diesmal für gutes Geld bei der FIFA eingekauft wurde, ist doch auch nicht wirklich überraschend. Schon seit vielen, vielen Jahren wird bei Fußballturnieren und bei Olympia gegackert, dass der Event doch mal eine Nummer kleiner, grüner und nachhaltiger sein sollte. Süß, oder?

Isch scheiß dich sowat von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast.

Mario Adorf in „Kir Royal”

Was bleibt?

Ich denke, es steht jetzt schon fest, was wir alle aus dieser WM mitnehmen werden, nämlich nichts. Außer, man wäre FIFA-Funktionär. Neymar, inzwischen 30 Jahre alt, rollt auch nicht mehr so elastisch, Béla Réthy hat den Reporter-Olymp endgültig erklommen, unsere Innenministerin hat fleischige Oberarme, an denen auch eine One-Love-Binde hält und die Japaner sind der Hammer – weil sie immer so toll die Tribüne aufräumen. Am Ende wird es dann einen Weltmeister geben und das war es, frei nach dem großen Peter Lustig: „Abschalten, es kommt nichts mehr.“

Frohe Ostern

Aber zurück zum Thema – österliche Vorfreude kommt schon kurz vor Weihnachten auf, wenn man so intensiv bei Nuss- und Mandelkern über Eier diskutiert. Jubelperser auf der Tribüne, der Bindenstreit, jetzt Hand vor den Mund, die pappig-aufgesetzte Empörung und mittendrin zieht Gianni Infantino die Fäden. Das ist doch alles eine Monty-Python-Nummer.

Kurze Erklärung der Begrifflichkeiten

Katar im November und Dezember kennen wir doch alle. Und dass man dabei die Nase rümpfen muss, ist auch nicht neu. Wikipedia erklärt es uns: Ein Katarrh (auch katarrhalische Entzündung oder Catarrhus, deutsch „herunterfließen“) ist eine Entzündung von Schleimhaut der Atmungsorgane, die mit einer vermehrten Absonderung wässrigen oder schleimigen Sekrets verbunden ist. Wobei wir wieder beim FIFA-Führungsgremium sind …

Das Vergabeprocedere

Ähnlich wie diese Kult-Szene aus Kir Royal stelle ich mir übrigens das Verfahren der WM-Vergabe vor.

Wem gehört der Fußball?

Ein weiteres in diesem Tagen oft gehörtes Credo lautet: „Wir lassen uns durch die FIFA und die Kataris nicht unseren Fußball kaputt machen.“ Wer diese WM, Vereine wie Paris oder Manchester City & Co. als unseren Fußball bezeichnet, bei dem läuft doch grundsätzlich etwas schief. Den kann er von mir aus auch gerne behalten. Also „mein“ Fußball ist der, den die Kinder in der SG Schwandorf, wo ich als Trainer mit von der Partie sein darf, spielen. Und diesen Fußball, der überall in unseren Vereinen stattfindet, kann auch alles Geld nicht kaputtmachen. Versprochen.

Quo vadis, Quatar?

Was wird eigentlich aus unserem Verhältnis zu Katar nach der WM? Wie bei allen Ländern, die dicke Aktienpakete bei unseren DAX-Unternehmen halten, werden wir das Thema Menschenrechte weiterhin nicht ansprechen, sondern individuell handstreicheln. Das muss aber dann reichen. Es geht schließlich um Arbeitsplätze, außerdem kann man dort doch so schön Urlaub machen. Das sollte doch auch jedem geschundenen Wanderarbeiter dort einleuchten.

Wichtiger Hinweis

Das Lesen dieses Beitrages kostet 1.000 Dollar, zu überweisen an den „Rieger Franz Soccer Hilfsfonds zur Erhaltung des alten Knies gGmbH“ bei der QNB Group (Qatar National Bank).

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