Pleysteiner Schützen stehen vor dem Aus

Pleystein. Kann der Schützenverein 1516 Pleystein noch vor seiner endgültigen Auflösung gerettet werden? Wenn es nach dem Interesse der Mitglieder an der außerordentlichenMitgliederversammlung geht, ist die Antwort ein klares Nein. Nur sieben Mitglieder waren zur erneuten Jahreshauptversammlung am frühen Samstagabend ins Café Enslein gekommen.

Wurden die Fahnen des Schützenverein 1516 Pleystein beim 500-jährigen Jubiläum im Jahr 2016 zum letzten Mal durch die Straßen getragen? Foto: Walter Beyerlein

Bei der ersten Jahreshauptversammlung mit dem Tagesordnungspunkt Neuwahlen am 23. April waren immerhin zehn Mitglieder anwesend. Erste Schützenmeisterin Annelie Stahl konnte sich in ihrer Begrüßung kurz halten.

Gauschützenmeister Stefan Brandmiller bedauerte das Desinteresse der Mitglieder, räumte aber zugleich ein, dass dies zu erwarten gewesen sei. Er hob die Problematik hervor, jemanden für das Ehrenamt zu gewinnen. Ein Wegfall des Vereins sei jedoch ein großer Verlust für den Schützengau aber auch für die Stadt.

Procedere bei der Auflösung

Unabhängig von dieser Einschätzung zeigte der Gauschützenmeister den Weg zur Auflösung eines Vereins auf. Dafür müsse aber eine ausnahmslos mit diesem Tagesordnungspunkt bezeichnete Versammlung stattfinden. In jedem Fall komme das Amtsgericht auf den Verein zu, um einen kommissarischen Vorstand einzusetzen, was wahrscheinlich Annelie Stahl werde.

Pleysteins Zweite Bürgermeisterin Andrea Lang dankte Annelie Stahl dafür, dass sie im Jahr 2015 die Führung des Schützenvereins „aus der Not heraus“ übernommen habe. Andrea Lang erinnerte, dass damals das 500jährige Jubiläum des Vereins zu planen und durchzuführen war. Die Bürgermeisterin regte an, die Aufgaben des Schützenmeisters vielleicht mit einem besonderen „Konstrukt“ zu lösen.

Erster Schützenmeister gesucht

Wichtig sei nur, dass es mit dem Verein „irgendwie“ weitergehe. Beim Tagesordnungspunkt Neuwahlen fragte der Gauschützenmeister wieder nach der Bereitschaft zur Übernahme des Amtes des Ersten Schützenmeisters.

Doch die Meldung blieb aus, fest stand nur, dass die Mitglieder, die sich bereits bei der ersten Versammlung zur Übernahme eines Amtes erklärten, weiter zu ihrem Wort stehen. Ein konkret befragtes Mitglied gab mit ausführlichem Hinweis auf seine berufliche Tätigkeit außerhalb Pleysteins eine Absage. Er könne sich nicht um konkrete Themen wie Nachwuchsförderung kümmern.

Ehrenschützenmeister Josef Pflaum sieht im geringen Interesse der Bevölkerung ein großes Handicap für den Schützenverein. Dem widersprach Annelie Stahl mit dem Hinweis, dass sich der Schießsport nicht mit anderen Sportarten vergleichen lasse. Doch auch die Abfrage eines anderen Mitgliedes blieb erfolglos.

Der Vorstand braucht auch Helfer

Herbert Stahl verwies auf sein Geschäft, das er noch immer zu führen habe. „Hier kann ich nichts Halbes machen“. Und Herbert Stahl deutet dann auch ein Stück Wahrheit an: „Wenn der Vorstand für alles zuständig ist und sonst niemand ist, dann ist es schwierig“.

Annelie Stahl bestätigt das inhaltlich voll und betont, dass die „Stammmannschaft“ zum Schießen kommt und dann wieder vier Wochen nicht mehr zu sehen ist. Im Lauf der Diskussion schließt sie auch einen Zusammenschluss mit anderen Schützenvereinen aus, weil von dieser Seite auch keinerlei Interesse bestehe.

Machen weitere Treffen noch Sinn?

Thomas Enslein, selbst erfolgreicher Schütze, wird dann absolut deutlich: Niemand findet sich, der einmal im Monat für drei Stunden Aufsicht am Schließstand übernimmt. Ein nochmaliges Treffen im Schützenhaus bringt nach Ansicht Ensleins wenig, wenn das Interesse nicht mehr vorhanden sei.

Schwierig sei die Nachwuchsgewinnung, weil aktuell mehrere Jahre fehlten. „Niemand ist bereit sich um die Jugend oder die Aufsicht zu kümmern“. Er habe sich jahrelang freitags im Schützenheim „um alles“ gekümmert. „Ein Häuptling ohne Indianer ist nichts, Indianer haben wir nicht“, war das klare Fazit Thomas Ensleins.

Damit endete die außerordentliche Mitgliederversammlung, jetzt wartet der Schützenverein auf den Brief vom Amtsgericht mit dem Vorgabe über das weitere Vorgehen.

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