Wie Michael Köllner mit Herz und einer etwas anderen Art seine Löwen bändigt

Weiden/Amberg/Regensburg. Michael Köllner ist kein Trainer wie jeder andere. Das untermauerte der gebürtige Fuchsmühler einmal mehr beim O/HUB-Talk zum Thema "Werteorientiertes Führen am Beispiel Profifußball".

Michael Köllner vergisst  nie, seinen Heimatort zu erwähnen. Bei der SG Fuchsmühl startete der 52-Jährige seine Spieler- und Trainerkarriere. Foto: Udo Fürst
Michael Köllner vergisst nie, seinen Heimatort zu erwähnen. Bei der SG Fuchsmühl startete der 52-Jährige seine Spieler- und Trainerkarriere. Foto: Udo Fürst
Mit Stefan Reisinger hat Köllner einen neuen Cotrainer bekommen. Foto: TSV 1860 München
Mit Stefan Reisinger hat Köllner einen neuen Cotrainer bekommen. Foto: TSV 1860 München
Michael Köllner. Foto: TSV 1860 München
Michael Köllner. Foto: TSV 1860 München
Udo Fürst
Foto: TSV 1860 München
TSV 1860 München

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist der Fuchsmühler (Landkreis Tirschenreuth) Michael Köllner Fußballtrainer – seit 2017 arbeitet er im Profifußball. Während die Führung von Mannschaft und Trainer- und Betreuerstab (Staff) auf jedem Leistungsniveau ein zentrales Thema ist, gestaltet sich das Aufgabenfeld eines Chef-Trainers im Lizenzspielerbereich aufgrund von Sponsoren- und Medienterminen deutlich umfangreicher. Wie man so etwas angeht und umsetzt, brachte der A-Lizenzinhaber (der höchste Trainerschein in Deutschland) den Teilnehmern eines Online-Talks nahe.

Initiiert hatte das Gespräch Projektmanager Dr. Bastian Vergnon von der Gründungsförderung der OTH Amberg-Weiden mit seinem Startup O/HUB. Um es vorweg zu nehmen: Die 35 Teilnehmer waren beeindruckt vom Blick hinter die Kulissen, den Köllner ihnen gewährte, und von seinen etwas anderen, oft unkonventionellen, letztlich aber meist erfolgreichen Methoden. Wie in fast allen Interviews oder Gesprächen vergaß er nicht, seinen Heimatort zu erwähnen und zu gestehen, dass er wie alle Fuchsmühler eine Art Revoluzzer sei und nichts mehr verabscheue als Unrecht beziehungsweise Ungerechtigkeit. „Da reagiere ich absolut allergisch.“

Viele Emotionen

Wie vom „Menschenfänger“ Köllner fast nicht anders zu erwarten blickte er weit über den manchmal doch recht beschränkten „Fußball-Tellerrand“ hinaus. „Die inneren Werte sind wichtig“, betonte er und beantwortete Vergnons Frage nach der Führung so: „Das ist ein ständiges Wechselspiel. Nicht nur der Trainer führt, auch die Spieler tun das. Das ist bei mir nicht anders. Ich lerne ständig.“

Unbedingte Voraussetzung für ein funktionierendes Team und nicht verhandelbare Tugenden seien Ehrlichkeit, Toleranz und Respekt. „Damit arbeite ich täglich. Dagegen warne ich vor Faulheit und Falschheit“, zitierte der praktizierende Christ Köllner die Bibel. Und erklärte, dass er von einem Strafenkatalog für die Spieler wie in vielen anderen Vereinen üblich nichts halte. „Wenn es einer schlimm treibt, wird er eben für ein Training oder ein Spiel suspendiert. Und glauben sie mir, das ist für jeden Fußballer die schlimmste Strafe.“

Der Friedhofsbesuch

Apropos Christ und Glauben. Von Vergnon auf denn Besuch mit seinem damaligen Team vom 1. FC Nürnberg auf einem Südtiroler Friedhof angesprochen, erklärte der Fußballlehrer: „Das ist ein Ort der Ruhe und Besinnung. So etwas fehlt vor allem vielen jungen Menschen heute. Dieser Friedhof war auch insofern etwas Besonderes, weil dort die Menschen verkehrt herum eingegraben werden.“

Berater von Außen

„Wie bringt man 30 unterschiedliche Spieler und Charaktere unter einen Hut?“, fragte Historiker Vergnon den Fußballer Köllner. „Es gibt einen Umgangskodex, unter dem sich eine Gemeinsamkeit durch bestimmte Vorgaben und Regularien entwickelt.“ Er hole sich aber auch Hilfe von außen, von seiner Familie oder externen Beratern. „Ich lasse mir schon auch was sagen. Ich bin zwar selbstbewusst, aber das ist nicht grenzenlos.“ Damit spielte Köllner auf das mediale Dauerfeuer in den sogenannten sozialen Medien oder Blogs an. „Da darf ja jeder schreiben, was er will. Und das ist oft ganz schlimm. Da musst du schon eine gesunde Mitte haben, um nicht alles an dich ranzulassen.“

Ehrlichkeit und Direktheit

Unter dem Motto „Unterstützung von Außen“ will der Chefcoach des Drittligisten heuer die „Lego-Methode“ für seine Truppe anwenden. „Das trägt enorm zur Rollenfindung jedes Spielers bei. Darauf bin ich schon richtig gespannt.“ Entscheidend für ihn als Gruppenführer seien Ehrlichkeit und Direktheit. „Es ist hart, wenn du einem Spieler sagen musst, dass er nicht mehr gebraucht wird. Aber manchmal geht es nicht anders“, betonte Köllner und relativierte die Bedeutung des Fußballs. „Es gibt viele Fragen des Lebens außerhalb dieser Blase. Fußball ist nicht allein Sinn des Lebens und das seelische Gleichgewicht hängt nicht vom Kontostand ab.“ Er kenne auch einige Reiche oder Stars mit Existenzängsten. Die zwei schönsten Worte für ihn seien „Danke“ und „gut gemacht“ – auch und vor allem im Fußball.

Die Lego-Methode

  • Definition: „LEGO® SERIOUS PLAY®“ ist eine innovative Problemlösungs-,  Kommunikations- und Kreativmethode. Sie basiert auf der grundlegenden Idee, dass jeder Gedanke, jedes Erlebnis oder Vorhaben in Form von dreidimensionalen Legomodellen visualisiert werden kann. „Serious Play“ bedeutet dabei, dass in einem moderierten Prozess konkrete Themen- und Problemstellungen beispielsweise aus der Unternehmenspraxis bearbeitet werden können. Dies geschieht zwar in einem spielerischen Kontext („Play“), dennoch stellt die Methode eine tiefgründige Kommunikation und zielführende Themenbearbeitung sicher („Serious“).
  • MerkmaleMit der LEGO®-SERIOUS-PLAY®-Methode kann ein sehr breites Themenspektrum bearbeitet werden. Die Komplexität des Tools erfordert einen erfahren Moderator, der speziell in der Methode zertifiziert sein sollte.
  • In der praktischen Anwendung eignet sich LEGO® SERIOUS PLAY® sehr gut für eine Themenbearbeitung in Teams. Um dabei sicherzustellen, dass jedes Gruppenmitglied in dem Prozess partizipiert und seine Ideen und Gedanken in gleicher Weise einbringen kann, bekommt jeder einzelne Teilnehmer ein eigens für die Methode zusammengestelltes Set mit Legosteinen. Diese enthalten Figuren, Räder, Turbinen, einen Baum, eine Pflanze und eine Leiter. Solche speziellen Legosteine sind besonders dafür geeignet, Metaphern zu bilden. Teilnehmer bauen beispielsweise Legomodelle, in denen die Turbinen für „Agilität“ stehen, der Baum für das „Nachhaltigkeitsversprechen“ eines Unternehmens und die Leiter symbolisch „ein Ziel erreichen“ bedeutet.
  • Nachdem zu einer vorgegebenen Themenstellung jeder Teilnehmer sein Einzelmodell gebaut hat, erfolgt der Austausch im Plenum. Jedes Teammitglied erzählt die Geschichte seines Modells. Die Gruppe darf im Rahmen der LEGO®-SERIOUS-PLAY®-Etikette Fragen zum Modell einer Person stellen. Persönliche Kritik ist nicht gestattet.

Das Herz sprechen lassen

Kritiker werfen dem Fuchsmühler manchmal seine lockere Zunge vor. Vor allem für seine kürzliche Aussage im Landtag „Dem Lauterbach (Karl, Gesundheitsminister, die Red.) muss man das Handwerk legen“ wurde er teils heftig kritisiert – auch von der Vereinsführung. Und bei einem Teil der Fans kam Köllners kürzliches Lob für Antony Power, den Mittelsmann des umstrittenen Investors Hassan Ismaik, gar nicht gut an. Köllner ficht das nicht an: „Ich bin ein Freund der klaren Worte und kann mich manchmal nicht zügeln. Aber wenn ich von etwas überzeugt bin, stehe ich dahinter und spreche es deutlich an.“

Führen sei tägliche Arbeit, betonte der Trainer. Aber es sei schön, das mit Menschen tun zu können. „Wenn du dabei dein Herz sprechen lässt, machst du nichts falsch.“

Das O/HUB ist ein Verbundprojekt der OTH Regensburg, der Uni Regensburg und der OTH Amberg-Weiden und wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Dezember 2019 im Förderprogramm „EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft“ erfolgreich ausgezeichnet und startete im Juni 2020 in die operative Phase, mit dem Ziel, als zentrale „Drehscheibe“ die Gründungskultur an den Oberpfälzer Hochschulen nachhaltig zu aktivieren. Das O/HUB unterstützt motivierte gründungsinteressierte Studierende, Alumni und Mitarbeitende der Oberpfälzer Hochschulen tatkräftig bei der Umsetzung ihres Gründungsvorhabens.

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