Die regionale Konjunktur zeigt sich stabil – noch!

Regensburg. Ein Wahnsinn, was auf die Unternehmen in der Region niederprasselt: Corona-Nachwirkungen, Lieferengpässe, Inflation und die Folgen des Ukraine-Kriegs. Doch eine steigende Insolvenzgefahr ist nicht erkennbar.

Die Tourismusbranche blickt nach dem Corona-Desaster zuversichtlich in die Zukunft. Foto: obx-news/Tourismusverband Ostbayern/Frank Heuer Photography

Noch zeigt sich die regionale Konjunktur stabil. „51 Prozent der Unternehmen in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim melden eine gute Geschäftslage“, berichtet IHK-Präsident Michael Matt von den Ergebnissen der neuesten Konjunkturumfrage unter den regionalen Unternehmen aller Größen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen.

„Hotels, Gastronomie und Reisegewerbe melden nach den Corona-Lockerungen eine Erholung“, so Matt weiter. Der jahrelange Höhenflug im Bau lasse nun nach. „Starke Schwankungen sowie rasant gestiegene Material-, Energie- und Transportkosten bei erhöhtem Wettbewerbsdruck stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen“, beobachtet Matt.

Tourismusbranche blickt positiv in die Zukunft

Die Erwartungen gehen dabei mit Ausnahme der Tourismusbetriebe zurück, die Unsicherheiten sind angesichts der weltweiten politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen groß. Der Russland-Ukraine-Konflikt verursacht bei 64 Prozent der befragten regionalen Betriebe Einschränkungen beim Geschäftsablauf.

Die Lieferketten stocken bei rund acht von zehn Industrie- und Handelsunternehmen. Mit anhaltender Inflation könnte sich auch das Verbraucherklima eintrüben. Die Corona-Pandemie macht sich auch noch durch quarantänebedingte Mitarbeiterausfälle bemerkbar. Diese schränken jedes zweite Unternehmen ein. Der regionale Arbeitsmarkt indes zeigt sich robust. „Ostbayerns Unternehmen setzen nach wie vor auf qualifiziertes Personal als Zukunftsinvestition“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes.

Außenwirtschaft ist angespannt

Ein Fünftel der Industrieunternehmen verbucht gesunkene Auslandsumsätze. „Das Problem liegt sowohl in der Beschaffung als auch beim Absatz in den Zielmärkten“, so Helmes. Geschäfte in China und Osteuropa, allen voran Russland, stehen unter keinem guten Stern. „Es herrscht große Unsicherheit und Zurückhaltung bei europäischen Kunden aufgrund der Kriegsfolgen und des Wegfalls der russischen und ukrainischen Märkte.“

Und mit Blick auf Fernost folgert Helmes: „Die Non-Covid-Strategie in China lässt die Umsatzerwartungen vonseiten unserer Unternehmen erstmals seit Herbst 2019 deutlich abstürzen.“ Darüber hinaus kalkulieren die heimischen Industrieunternehmen mit Blick über den Atlantik eine Delle in der US-Industrie mit entsprechendem Rückgang bei den Produktionsplänen ein.

Kosten, Liquidität, Investitionen

Anders als bei Pandemiebeginn zeigt sich die gesamte Breite der Wirtschaft von den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs betroffen. Vier von zehn Unternehmen müssen in den nächsten Monaten Kostenerhöhungen vollständig an ihre Kundschaft weitergeben, nur fünf Prozent geben an, keine Erhöhungen zu planen. „Insofern ist von einer weiteren Verschärfung der Inflation auszugehen“, sagt IHK-Präsident Matt.

„Eine steigende Insolvenzgefahr ist nicht erkennbar. 91 Prozent der Unternehmen melden uns einen guten oder befriedigenden Liquiditätsstatus.“ Mit Blick auf die unsichere Lage und Kostensteigerungen kühlen sich die zuletzt gestiegenen Investitionsabsichten deutlich ab. Dies spiegeln auch die eingebrochenen Geschäftserwartungen der Vorleistungsgüterindustrie wider. „Allerdings streben viele Unternehmen eine Unabhängigkeit von Öl und Gas an und investieren in Energietechnik.“

Verhaltener Blick in die Zukunft

Schönwetter prognostizieren derzeit nur die Tourismusbetriebe für den Sommer und Herbst. Es überwiegen über alle Branchen hinweg mit 28 Prozent die negativen Antworten zur weiteren Entwicklung. Wichtige und längerfristige Investitionen werden aufgrund der großen Unsicherheit ausgesetzt oder verschoben. 76 Prozent der Befragten sehen in den steigenden Energie- und Rohstoffpreisen einen wirtschaftlichen Risikofaktor.

Das bisherige Top-Risiko Fachkräftemangel landet damit auf Platz zwei (59 Prozent). Hinzu kommen die Kaufkraftverluste bei den Kunden. Mit Ausnahme der Tourismusbetriebe schrauben die konsumnahen Branchen ihre Erwartungen deutlich zurück. 29 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass eine Verbesserung bei der Versorgung mit für relevanten Rohstoffen, Vorprodukten und Waren erst 2023 einsetzt. Für 49 Prozent ist eine Einschätzung dazu aufgrund der Unsicherheiten gar nicht möglich.

Schwierige Gemengelage für die Betriebe

Es zeigt sich insgesamt also eine schwierige Gemengelage für die Betriebe. „Die anhaltenden Auswirkungen der Corona-Pandemie, die abschottende China-Politik, der Ukraine-Krieg mit wegfallenden Absatz- und Beschaffungsmärkten sowie die Unsicherheit bezüglich der künftigen Energieversorgung stellen für 2022 keine leichte Hypothek dar. Aber unsere Firmen haben schon während der Pandemie gezeigt, dass sie findig auf Krisen reagieren können“, schließt IHK-Präsident Michael Matt.

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