Beitrag für die Menschlichkeit: Holocaust-Zeitzeuge zu Gast

Wanderausstellung des FC Bayern in Schönkirch

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Schönkirch. Holocaust-Zeitzeuge Prof. Dr. Fried war mit seiner Frau bei der Wanderausstellung „verehrt –verfolgt – vergessen“ des FC Bayern München zu Gast in Schönkirch. 

„Am liebsten würde ich jetzt sofort Fußball spielen“, so Prof. Dr. Alexander Fried, nachdem er den Dokumentationsfilm „Kick it like Kurt“ über den Präsidenten des FC Bayern München, Kurt Landauer, gesehen hat. Der prämierte Film wurde bei der Wanderausstellung „verehrt –verfolgt – vergessen“ des FC Bayern München letzte Woche in Schönkirch gezeigt.Wanderausstellung FC Bayern Fanclub

Der Kreisjugendring Tirschenreuth und der FC Bayern München Fanclub „Stiftland Bazis“ brachten die begehrte Wanderausstellung über die Opfer des Nationalsozialismus beim FC Bayern München in das Stiftland. Die Verantwortlichen zeigen sich sehr zufrieden über die Ausstellung und sind sich sicher, dass sie einen kleinen Beitrag für Demokratie, Respekt, Toleranz und Menschlichkeit und über die Geschichte des FC Bayern München geleistet haben.

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Am Samstag berichtete Zeitzeuge und Überlebender des Holocaust, Prof. Dr. Alexander Fried, und seine Frau Dr. Dorothea Woiczechowski-Fried aus ihren Leben.

„Auf einmal war man eine Nummer“

Man kann aus Büchern, Bildern und Filmen viel über die Geschichte lernen, doch viel mehr und authentischer erfährt man von denen, die dabei waren,

so Jürgen Preisinger, Vorsitzender des Kreisjugendrings, der sich sehr über den Besuch freute. Der heute 91-jährige Prof. Dr. Fried verbrachte an die drei Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern, in die er verschleppt wurde, weil er Jude ist. Er überlebte den Todesmarsch von Crivitz nach Schwerin und wurde von der US-Army befreit. Seine Eltern und Freunde wurden von den Nazis ermordet. Nach der Befreiung studierte er an verschiedenen Universitäten in Europa und arbeitete weltweit als Professor der Europäischen Geschichte.Wanderausstellung FC Bayern Fanclub

Prof. Dr. Fried berichtete, dass er sehr viel Glück hatte, diese schlimme Zeit zu überleben. Er berichtete von der Zeit, als er in ein Konzentrationslager verschleppt wurde: „Auf einmal war man eine Nummer – kein Mensch mehr“. Seine gute körperliche Konstitution half dem damaligen Tischlerlehrling dabei diese Qualen zu überstehen.

Gegen Unmenschlichkeit aufstehen

Dr. Fried gefiel es sehr, dass die Wanderausstellung im Landkreis Tirschenreuth gezeigt wurde. Der Jude Kurt Landauer habe sehr viel für den FC Bayern München und für den deutschen Fußball geleistet. Er selbst habe auch immer sehr gerne Fußball gespielt. Als Überlebender fühle er sich besonders verpflichtet von der damaligen Zeit zu sprechen. Aber jeder einzelne stehe in der Verantwortung und müsse gegen Unmenschlichkeit aufstehen.

Auch die einst in Tirschenreuth praktizierende Kinderärztin Dr. Dorothea Woiczechowski-Fried erzählte, dass ihre Mutter auch Jüdin war. Als sie deshalb in das Gefangenenlager in der Rosenstraße in Berlin eingeliefert wurde, demonstrierten ihre Angehörigen. Irgendwann hatte die Mutter dann auch Glück und sie wurde entlassen. Aber auch nur, weil ihr Vater ein Deutscher war. Da sie aber fürchteten, doch wieder eingesperrt zu werden, flohen sie nach Schlesien in ein kleines Dorf. Nach dem Krieg studierte Dr. Woiczechowski-Fried Medizin und nahm schließlich eine Stelle als Kinderärztin in Tirschenreuth an.

Nicht vergessenWanderausstellung FC Bayern Fanclub

Besonders gefreut hat sich der Fried über einen 11-jährigen Jungen, der eine persönliche Frage an ihn stellte. Der Junge zeigte viel Mut und fragte, ob er sich noch oft an diese schreckliche Zeit erinnere. Voller Lobes und Dank für die Frage erklärte der 91-Jährige, dass er jeden Tag daran denken müsse. Er könne es nicht vergessen.

Der Appell, den er an alle und vor allem an die junge Generation richtete, war auch, dass sie sich für die Taten nicht schuldig fühlen bräuchten. Keiner von heute könne etwas dafür, aber man dürfe nicht vergessen. Jeder Mensch hat heute Verantwortung, dass sich diese schreckliche Zeit nicht wiederholt. Dieser Verantwortung müsse sich jeder bewusst sein.

Weitere Informationen und Bilder zu der Wanderausstellung und zu Prof. Dr. Fried finden Sie auch auf den Internetseiten des KJR Tirschenreuth unter www.kjr-tir.deWanderausstellung FC Bayern Fanclub

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