Eine wahre Erfolgsgeschichte: Große Ehre für Hubert Wittmann

Zessau. Die Gemeinde hat den körperlich gehandicapten Sportschützen für seine Leistungen mit einem Eintrag in das Goldene Buch geehrt.

Verdiente Ehre für sportliche Spitzenleistungen: Hubert Wittmann erhielt eine Doppelseite im Goldenen Buch der Gemeinde Trabitz (hinter ihm: Bürgermeisterin Carmen Pepiuk). Links zweiter Gauschützenmeister Thomas Busch, rechts zweiter Bezirksschützenmeister Dieter Beer. Bild: Bernhard Piegsa
Verdiente Ehre für sportliche Spitzenleistungen: Hubert Wittmann erhielt eine Doppelseite im Goldenen Buch der Gemeinde Trabitz (hinter ihm: Bürgermeisterin Carmen Pepiuk). Links zweiter Gauschützenmeister Thomas Busch, rechts zweiter Bezirksschützenmeister Dieter Beer. Bild: Bernhard Piegsa
Viele Auszeichnungen sammelte Sportschütze Hubert Wittmann im Laufe der Jahre - ein Erfolg, den er vor allem den guten Trainingsbedingungen bei
Viele Auszeichnungen sammelte Sportschütze Hubert Wittmann im Laufe der Jahre – ein Erfolg, den er vor allem den guten Trainingsbedingungen bei „Eichenlaub“ Zessau zuschreibt. Bild: Bernhard Piegsa
Bernhard Piegsa
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„Vielen herzlichen Dank für die Heimat!“ Mit schlichten und doch innigen Worten grüßte Hubert Wittmann in seinem Eintrag für das Goldene Buch der Gemeinde Trabitz nicht nur seine Heimatgemeinde, sondern vor allem die Zessau-Weihersberger „Schützengesellschaft Eichenlaub“. Dort findet er die besonderen Trainingsbedingungen, die er braucht, um trotz eines chronischen Rückenleidens dem Schießsport nachgehen zu können. Das Entgegenkommen seiner Schützenbrüder und –schwestern dankt Hubert Wittmann seit vier Jahren mit einer beeindruckenden Kollektion an Meistertiteln und Auszeichnungen.

Anfänge in den 90er Jahren

Ein erfolgreicher Schütze ist der 52-jährige Weihersberger freilich nicht erst seit 2018, als er bei der bayerischen Behinderten-Meisterschaft in München erstmals ganz oben auf dem Siegertreppchen stand. „Angefangen hat meine Begeisterung für das Sportschießen 1993“, blickte der Erfolgsschütze bei der Feierstunde im Zessauer Gemeinschaftshaus zurück. Vor allem an der Luftpistole bewies er einen scharfen Blick und eine ruhige Hand und „erschoss“ sich bis 2005 nicht weniger als acht Luftpistolen-Königstitel, drei erste Rundenwettkampfplätze im Oberpfälzer Nordgau des Bayerischen Sportschützenbunds, drei Vereinsmeistertitel an der Kurzwaffe und einen weiteren am Luftgewehr.

Neuanfang nach Rückschlag

„Von 2002 bis 2005 war ich sogar viermal in Folge ‚König‘, was mir einen Schützenkaisertitel einbrachte“, verriet Hubert Wittmann. „Danach fiel es mir wegen meiner Rückenbeschwerden allerdings immer schwerer, an Trainingseinheiten oder gar Wettkämpfen teilzunehmen, sodass ich schweren Herzens eine lange Pause einlegen musste.“

Erst Anfang 2018 habe sich die Chance zu einem Neuanfang ergeben, als Vize-Gauschützenmeisters Thomas Busch ihn ermutigt habe, das Gespräch mit Doris Scharnagl-Lindinger zu suchen. Die Behindertenbeauftragte des Oberpfälzer Schützenbundes habe ihm eröffnet, welche Hilfsmittel für Sportschützen mit gesundheitlichen Einschränkungen erlaubt seien: „Mit Gewehr und Luftpistole darf man auf einem Hocker sitzen, beim Gewehr außerdem einen Federbock verwenden. An der Luftpistole hingegen gibt es nur freihändiges Schießen.“

Erster Platz der Behinderten-Meisterschaft

Ob die Voraussetzungen hierfür vorlägen, müsse ein „Klassifizierer“ feststellen: „In meinem Fall war das ein Physiotherapeut im Bayerischen Wald, den ich gemeinsam mit Doris besucht habe.“ Insbesondere müsse man körperlich mindestens zu 50 Prozent schwerbehindert sein: „Das Hilfsmittel stellt einen dann einem gesunden Schützen gleich.“

Bei einer zweiten Klassifizierung sei ihm zusätzlich noch das Tragen einer Rückenbandage erlaubt worden. Auf Anregung von Doris Scharnagl-Lindinger habe sich Wittmann dann zur bayerischen Behinderten-Meisterschaft im September 2018 angemeldet: „Ich traute meinen Augen nicht, als die Anzeigetafel meldete, dass ich mit 345 Ringen den ersten Platz errungen hatte – zwei Plätze vor Doris. Ich hatte dann sogar ein schlechtes Gewissen, einer Teilnehmerin an Olympischen Spielen den Sieg weggeschnappt zu haben.“

Viele weitere Siege

Zahlreiche weitere „Treppchenplätze“ seien gefolgt, darunter „Goldplatzierungen“ bei den bayerischen Behinderten-Meisterschaften 2021 und 2022, dem Thüringer Landespokal 2022 und den Gaumeisterschaften 2020 und 2021 sowie „Silber“ bei der Bezirksmeisterschaft 2019. Bei den deutschen Meisterschaften 2021 und 2022 habe es immerhin zu Platz 10 beziehungsweise 11 in der bundesweiten Konkurrenz gereicht. Bei der diesjährigen bayerischen Meisterschaft habe er sich leider „zu siegessicher“ gefühlt und den Sieg knapp verpasst.

Inklusion als wichtiges Anliegen

Mit der Aufzählung seiner Erfolge wolle er nicht sich selbst herausstellen, sondern für die Schützengesellschaft Eichenlaub „Werbung machen“, unterstrich Hubert Wittmann bei der Eintragung ins Goldene Buch der Gemeinde Trabitz: „Nicht nur bei größeren und bekannteren Vereinen ist es möglich, auch mit einem Handicap gute Schießleistungen zu erzielen, sondern genau und gerade hier, wo relativ wenige Schützen auf dem Schießstand sind.“ Die Betreuung sei hier intensiver als bei großen Vereinen, die Ausbilder könnten das Training besser auf die Bedürfnisse der Mitglieder zuschneiden.

„Selbstbewusstsein und Wohlbefinden gewinnen“

Auch hoffe er, dass sein Erfolg andere körperbehinderte Schützen oder überhaupt Menschen mit einer Behinderung ermutigen werde, „aus sich rauszukommen, zu uns oder zu einem anderen der Schützenvereine zu gehen und durch die sportlichen Erfolge im Verein und in Meisterschaften auch Selbstbewusstsein und Wohlbefinden zu gewinnen, weil sie sich als vollwertige Sportler bestätigt und anerkannt fühlen und wissen dürfen.“ Die Teilnehmer der Feierstunde erinnerten sich in diesem Zusammenhang an den sehbehinderten Erfolgsschützen Ziemowit Prygiel, für den die Preißacher „Tannenzweig“-Schützengesellschaft über viele Jahre die seiner Situation angemessenen technischen Trainingsvoraussetzungen schuf.

Viele Glückwünsche entgegengenommen

„Mit den Titeln und Auszeichnungen, die du unter besonderen Trainings- und Wettkampfbedingungen errungen hast, gibst du anderen Menschen Mut und trägst auch zu Bekanntheit und Ansehen unserer Gemeinde bei“, hielt Bürgermeisterin Carmen Pepiuk fest.

Zu der Ehrung durch seine Heimatgemeinde beglückwünschten Hubert Wittmann auch Vize-Bezirksschützenmeister Dieter Beer, Vize-Gauschützenmeister Thomas Busch und „Eichenlaub“-Schützenmeister Roland Hösl. Inklusion sei auch im Sportschützenwesen ein zentrales Anliegen, betonte Beer. Vorbilder wie Wittmann wirkten auf sportinteressierte Menschen mit Behinderung, Vereine und Verbände gleichermaßen ermutigend und anspornend, zumal noch zu wenig bekannt sei, welche technischen Hilfsmittel es gebe.

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