Jahn Regensburg bricht nach gutem Start gegen Fortuna Düsseldorf völlig ein

Düsseldorf. Die Talfahrt beim SSV Jahn Regensburg geht weiter. Ein guter Beginn bei Fortuna Düsseldorf reicht nicht, um die Wiedergutmachung nach der 0:6-Blamage gegen den KSC gelingen zu lassen. Gut eine Stunde kann der Jahn mithalten, dann bricht er völlig ein. Am Ende steht eine 0:4-Niederlage zu Buche.

Bruchlandung für den SSV Jahn und Kapitän Bene Gimber (links) bei Fortuna Düsseldorf. Bild: Jürgen Herda

„Charakter zeigen“ wollte die Jahnelf beim Gastspiel in Düsseldorf, die Pleite aus der vergangenen Woche sei „knallhart analysiert“, so Jahn-Trainer Mersad Selimbegović vor der Begegnung. Er nimmt nur zwei Wechsel in der Startelf vor und gibt damit den meisten seiner Spieler erneut das Vertrauen und die Chance auf Wiedergutmachung. Krankheitsbedingt fällt Benedikt Saller aus, ihn ersetzt Konrad Faber und in der Offensive ersetzt Aygün Yildirim bei seinem Startelf-Debüt Sturmspitze Prince Owusu.

Fortuna-Trainer Daniel Thioune erwartet vor dem Spiel den Jahn mit langen Bällen agierend, er wolle mit seinem Team dagegen „den Ball am Boden halten“. Schlussendlich sollte Thioune mit seiner Ausrichtung das bessere Ende für sich haben. Und das, obwohl die Jahnelf gar nicht so schlecht in die Partie startet, aber am Ende sowohl Glück als auch die individuelle Qualität fehlt. Gegen eine immer stärker werdendes Heimteam hielt Regensburg lange dagegen, fällt zum Ende aber – wie schon in der Vorwoche – komplett auseinander.

Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic versucht von außen Einfluss auf das Drama zu nehmen. Bild: Jürgen Herda

SSV Jahn startet furios und verliert dann den Faden

Die Jahnelf startet mit einem Ausrufezeichen in die Partie. Nach einem Freistoß von Nicklas Shipnoski in der zweiten Spielminute kann Andreas Albers den Ball mit dem Kopf aufs kurze Eck bringen, doch Fortuna-Keeper Florian Kastenmeier ist zur Stelle. Auch in der Folge bleibt die Jahnelf griffig und giftig, setzt das Heimteam schon früh unter Druck. In der 6. Minute beinahe die frühe Belohnung: Ein Düsseldorfer schläft, der SSV rutscht drauf und Aygün Yildirim macht sich auf Richtung Tor. Aber anstatt es ruhig auszuspielen, schließt er überhastet ab und verfehlt das Tor.

Schlechte Nachrichten für den Jahn: Das war der letzte Warnschuss, den die Düsseldorfer brauchten, um die Oberpfälzer ernst zu nehmen. Fortune Dawid Kownacki bekommt von Leon Guwara in Minute Acht zu viel Platz zum Flanken und findet den vogelfrei stehenden Kristoffer Peterson. Glück für die Regensburger, dass der Schwede das Spielgerät über den Kasten drischt. Je nachdem von welcher Perspektive man es betrachtet, übernimmt die Fortuna nun immer mehr das Heft des Handelns, oder verliert der Jahn den zu Anfang so vielversprechenden weiß-roten Faden.

Leon Guwara foult völlig überflüssig an der Grundlinie, verursacht den Elfer zum 2:0 und muss auch noch verletzt ausgewechselt werden. Bild: Jürgen Herda

Regensburg kämpft und hat Glück

Immer wieder kommt das Heimteam jetzt gefährlich in den Strafraum von Dejan Stojanovic, jedoch ohne durchschlagende Gefahr zu erzeugen. Auffällig ist, dass die, im letzten Spiel offensichtlich gewordenen Schwachpunkte der Domstädter, auch diesmal zum Tragen kommen. Trotz einer körperlich großgewachsenen Startelf kann der Jahn hohe Bälle oder Ecken schwer verteidigen, so köpft Jordy de Wijs einen Eckball in der 32. Minute nur knapp drüber. Außerdem kann immer mal wieder ein Fortune im Rücken der Jahn-Defensive davonschleichen. Trotzdem soll das nicht die starke Abwehrleistung der Viererkette, rund um Jan Elvedi schmälern, die sich in jedem Zweikampf wirft.

Es ist auch nicht so, dass es zu überhaupt keiner Entlastung kommt und die Jahnelf in Handball-Manier nur um den eigenen Strafraum Aufstellung nehmen würde. Die Fortunen-Defensive hat sich nach ihren anfänglichen Wacklern allerdings auch gefangen und lässt kaum was zu. Kurz vor der Pause (43.) geht es dann nochmal schnell, zu schnell für die Jahn-Defensive. Steve Breitkreuz lässt sich bei einem langen Ball herauslocken, verliert das Kopfball-Duell und plötzlich marschieren drei Düsseldorfer gegen zwei Jahn-Spieler aufs Tor zu. Peterson steckt schlussendlich auf Felix Klaus, der zu überhastet und zentral abschließt. Glück für Regensburg, 0:0 zur Pause.

Einladung zum Scheibenschie0en: Düsseldorf kann seine Fortuna kaum glauben. Bild: Jürgen Herda

Auf verhaltenen Start folgen bittere Minuten für Jahn Regensburg

Mersad Selimbegović scheint die richtigen Worte bei der Pausenansprache gefunden zu haben, denn nach Wiederanpfiff geht bei den Domstädtern auch wieder mehr nach vorne. Trotzdem, und das hüben wie drüben, beschränkt sich die Ansehnlichkeit des Spiels auf die Räume bis kurz vor die gefährlichen Zonen. So tröpfelt ein Spiel dahin, welches nur für Taktik-Füchse einen besonderen Reiz ausstrahlen sollte. Bis, ja, bis es dann doch klingelt und das leider im Tor von Dejan Stojanovic. Der umtriebige Peterson macht es nach einem Ballgewinn im Mittelfeld schnell, gibt an Kownacki ab, der im Strafraum rechts auf Daniel Ginzcek legt. Dieser lässt keine Zweifel und nagelt den Ball flach vorbei an Stojanovic ins kurze Eck (59.).

Alptraum-Minuten für den SSV. Nur drei Minuten dringt Klaus in den Strafraum ein, Guwara kommt nicht hinterher und fällt den Fortunen in die Hacken. Logische Konsequenz: Strafstoß. Und den verwandelt Kownacki souverän ins linke Ecke (65.). Stojanovic, der die Ecke ahnte, kommt zu spät gegen den satten Schuss und muss erneut den Ball aus dem Netz holen. Regensburg wirkt konsterniert, kommt kaum mehr in die gegnerische Hälfte. Selimbegović reagiert und setzt in der 74. Minute mit Owusu und Charalambos Makridis zwei neue Offensiv-Akzente.

Fortunen feiern: Ein Tänzchen auf den Torreigen. Bild: Jürgen Herda

SSV Jahn fällt auseinander

Regensburg wagt sich nun wieder weiter vor und Düsseldorf wartet auf die Gelegenheit zum schnellen Gegenstoß. Schließlich ist es eine schläfrige Jahn-Abwehr, die die endgültige Entscheidung in der 78. Minute einleitet. Nach einem Kopfball-Duell im Mittelfeld bleiben Kownacki und Breitkreuz liegen und beim Jahn schaut alles auf den Schiri. Dessen Pfiff bleibt aus, Düsseldorf spielt weiter. Klaus auf Ginzcek, der sich in den Ball auf rechts kurz vorlegt und in die Mitte zurück auf Klaus gibt. Der muss nur noch den Fuß reinhalten, um Stojanovic am kurzen Pfosten zu überwinden.

Danach wechselt Thioune alle seine drei Torschützen aus, was dem Jahn allerdings nicht zum Vorteil gereichen soll. Der eingewechselte Kwadwo Baah wird auf rechts lang geschickt, treibt den Ball in den Strafraum und sucht Rouwen Hennings. Der verpasst erst, aber Faber stolpert das Spielgerät weiter zu Shinta Appelkamp, der dann nur noch einzuschieben braucht (85.). 4:0 für Fortuna Düsseldorf und Mersad Selimbegović steht wie versteinert an der Seitenlinie und wirkt so, als würde er jeden Moment explodieren.

Wenn du Pech am Stiefel kleben hast: Konrad Faber (rechts) legt das 4:0 für die Fortunen auf. Bild: Jürgen Herda

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