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Jahn Regensburg rollt Werder Bremen den roten Teppich aus: Platzsturm mit über 20 Verletzten

Bremen. Am Ende ist der SSV Jahn Regensburg nicht giftig genug, um Werder Bremen die rauschende Aufstiegsparty zu vermiesen. Beim Platzsturm werden allerdings über 20 Fans verletzt.

Bilder eines Aufstiegs: Zweimal zieht Jahn Regensburg in dieser Saison den Kürzeren gegen Werder Bremen. Collage: Jürgen Herda

Die Freude ist in Bremen schon vor dem Abpfiff grenzenlos: Die Jugendabteilung des BW Pappenburg stürmt den Platz und sorgt zumindest auf Bremer Seite für Heiterkeit. Die Warnungen der Stadionsprecherin, doch bitte auf den Plätzen zu bleiben, fruchtet allerdings so wenig, wie die vorausgegangenen Appelle, die Pyro-Shows in Rot und Grün einzustellen.

Als der Aufstieg feststeht, gibt es kein Halten mehr: Im Weserstadion startet eine Mega-Party mit Bierhumpen für die Spieler und Hängepartien an den einknickenden Toren. Am Abend gibt die Polizei bekannt, dass über 20 Menschen beim Platzsturm verletzt wurden. Mehrere Personen mussten sogar ins Krankenhaus. Die Ermittlungen dauern noch an.

Überraschungen bleiben aus

Für den letzten Spieltag der Saison lagen viele dramatische Drehbücher im Schub. Eines davon wäre wohl das tragischste aus Bremer Sicht gewesen. Und dafür hätte es „nur“ einen Jahn-Sieg gebraucht. Aber anders als am Tag zuvor in der 1. Bundesliga, gibt es am finalen Sonntag in der Zweiten Liga keine großen Überraschungen. Alle vier Spitzenmannschafen gewinnen jeweils ihr Spiel, das Tabellenbild bleibt gleich.

Schalke ist Meister, Bremen Zweiter, der HSV darf in die Aufstiegsrelegation und den Darmstädtern bleibt trotz 3:0 Sieg nur der vierte Platz. So wird die Jahn-Elf mit seinen 1000 mitgereisten Fans Zeuge der großen grün-weißen Party in Bremen. Für einen Schmunzler kurz vor Ende des Spiels sorgt die Jugendabteilung des BW Pappenburg: Noch vor dem Abpfiff stürmt eine Truppe der Schülermannschaft in einer konzertierten Aktion den Platz.

Bremen muss sich enorm strecken

Was wurde alles vor diesem Spiel der Regensburger beim SV Werder Bremen spekuliert und vermutet. In Darmstadt und Hamburg hatte man Angst, dass der Jahn das Spiel einfach abschenken würde. Jan-Nicklas Beste, Leihspieler aus Bremen, wurde vor der Partie schon die mögliche Rolle des tragischen Helden auf den Leib geschrieben. Aber nicht davon passierte.

Die Oberpfälzer geben alles und wirken von der ersten Minute an hoch konzentriert. In Teilen der ersten Halbzeit ist man gar das bessere Team. Doch da führt Bremen schon mit 1:0 durch einen strammen Distanzschuss von Niclas Füllkrug (10.). „Wenn du die Tore vorne nicht machst, dann bekommst du sie hinten rein“, dürfte sich Mersad Selimbegovic in der 50. Minute gedacht haben. Nach gutem Regensburger Wiederbeginn stellt Marvin Ducksch endgültig die Zeichen auf Richtung Wiederaufstieg für seine Farben. Danach verwaltet Bremen den Sieg clever und feiert verdient am Ende mit seinen Fans.

Der künftige Hannoveraner Max Besuschkow und der Werder-Leihspieler Jan-Niklas Beste geben alles, aber ihr Bestes ist an diesem Sonntag nicht gut genug für Bremen. Bild: Jürgen Herda

Selimbegovic setzt weiter auf zukünftige Abgänge

Vor der Begegnung beherrscht der Konjunktiv die Diskussionen rund um den letzten Spieltag der 2. Fußball Bundesliga. Gastgeber Werder Bremen, vor dem Spiel auf Platz 2, reicht ein Punkt gegen den Jahn, um sicher aufzusteigen. Gewinnen die Regensburger, droht der undankbare Platz vier und der Verbleib in Liga 2.

Wie von Mersad Selimbegovic auf der Spieltags-PK angekündigt, nimmt er bei der Startaufstellung keine Rücksicht auf auslaufende Leihen oder Abgänge. Heißt: vier (fast) sichere Abgänge (Carlo Boukhalfa, Jan-Niklas Beste, Max Besuschkow, Erik Wekesser) in der Startelf. Selimbegovics‘ ausgerufenes Leistungsprinzip funktioniert aber nur so lange, wie die aufgebotenen Spieler merklich besser als die Alternativen performen. Einzig auf der Torhüterposition eine Umstellung. Torwart Nummer drei, Alexander Weidinger, vertritt die verletzten bzw. kranken Alex Meyer und Thorsten Kirschbaum.

Schnelles Bremer Tor

Regensburg kommt eigentlich gut in die Partie und ist auch in der gegnerischen Hälfte präsent. Bremen bietet aber auch immer wieder Räume an, in denen der Jahn agieren kann. Dies aber ohne zwingend zu werden. Ganz anders die Bremer Gastgeber. Mit deren ersten Auftauchen im Strafraum von Weidinger klingelt es gleich. Mitchell Weiser steht beim Zuspiel von Romano Schmid aber eine Schulter weit im Abseits. Erstmal weiter 0:0, aber nur kurz.

Schon drei Minuten später dann doch das 1:0 für Werder. Im letzten Drittel der Regensburger Hälfte kombiniert sich der SVW nach vorne. Schmid auf Marvin Ducksch, der am Sechzehner auf seinen kongenialen Sturmpartner Niclas Füllkrug abklatschen lässt. Dessen trockener Abschluss von der Strafraumkante schlägt mit Hilfe des Innenpfostens unhaltbar links im Gehäuse ein. One-Touch-Fußball vom Feinsten! In der Folge dominieren die vom eigenen Anhang eingepeitschten Bremer das Spiel. So kann sich Weidinger mit einer Rettungstat in höchster Not vor einem einschussbereiten Werderaner auszeichnen (20.).

Eine knappe Abseitsentscheidung des Linienrichters verhindert einen noch früheren Rückstand der Regensburger. Bild: Jürgen Herda

Regensburg mit besseren Chancen

Aber auch in der Bremer Drangphase kann man der Jahn-Elf zu keiner Sekunde fehlenden Einsatz und Willen vorwerfen. Und als die Hausherren offensiv etwas nachlassen, ergeben sich immer wieder Möglichkeiten für schnelle Gegenstöße. Der Jahn hat richtig Bock, ein Tor zu schießen. Was fehlt, ist das nötige Zielwasser und ein Quäntchen Glück. Nach einer Flanke von Benedikt Saller ist es Mitchell Weiser, der seinen eigenen Torhüter aus kürzester Distanz prüft. Werder-Keeper Jiří Pavlenka lenkt den Ball gerade so über das Tor (22.).

Danach sind es immer wieder Versuche aus der Distanz, die knapp nicht vom Torerfolg gekrönt sind. Nicklas Shipnoski hält aus gut 25 Metern einfach mal drauf, verfehlt aber knapp (35.). Noch enger dann der Abschluss von Andreas Albers aus einer ähnlichen Distanz (37.). Sein Hammer segelt nur um wenige Zentimeter über das rechte Kreuzeck. Immer wieder blitzt jedoch die Qualität der Bremer Offensive auf. Aber der SSV verteidigt es hinten gut. Als nun überlegenes, aber torloses Team geht die Jahn-Elf in die Pause.

Kalte Dusche für den Jahn

Die zweite Hälfte beginnt wie die erste geendet hatte. Regensburg gleich mit eineinhalb guten Chancen. Erst landet ein Einwurf über Andreas Albers und Steve Breitkreuz bei Shipnoski, der den Ball aber zu spät unter Kontrolle bringt und kurz vor dem Abschluss noch gestört wird (47.). Die folgende Ecke köpft Carlo Boukhalfa nur knapp daneben. Vergebene Möglichkeiten, die von individuell besseren Werderaner bestraft werden.

In der 50. Minute scheint es dann so, als ob der Jahn doch kein Spielverderber bei der Aufstiegsparty sein will. Nach einem schnell ausgeführten Einwurf von Weiser ist die SSV-Hintermannschaft im Standby-Modus. Der Ball landet beim Romano Schmid, der Jan Elvedi am Fünfmeterraum düpiert. Von der Grundlinie legt dieser den Ball zurück auf Marvin Ducksch. Alexander Weidinger, der das Tor in Richtung Schmid verlassen hat, kann nicht mehr eingreifen und Ducksch vollendet zum 2:0 ins verwaiste Tor.

Reifere Bremer bringen Sieg über die Zeit

Die Domstädter können sich in den folgenden Minuten bei schludrigen Bremern bedanken, die ihre Aktionen nicht sauber ausspielen. In der 59. Spielminute kann Weidinger einen Kopfball von Miloš Veljković gerade noch so zur Ecke klären. Zehn Minuten später rettet dann der Pfosten für die Regensburger. Bremen spielt einen Konter schnell und zielgerichtet zu Ende, bis der Ball bei Leonardo Bittencourt landet. Dem 3:0 steht aber das Aluminium im Weg.

20 Minuten vor Spielende ziehen sich die Gastgeber in den Verwaltungsmodus zurück. Der fast sichere Aufstieg soll nicht mehr durch Harakiri-Aktionen gefährdet werden. Schön aus Regensburger Sicht: Es ergeben sich wieder einige Abschlüsse auf das Bremer Tor. Aber weder Boukhalfa (70.) mit einem Kopfballaufsetzer, noch Joël Zwarts (90.+1) mit einem Distanzschuss können noch für den Anschlusstreffer sorgen. So endet das Spiel 2:0 für die Gastgeber. Glückwunsch zum Aufstieg!

Knapp an Würzburgs Schicksal vorbeigeschrammt

Dem SSV Jahn steht jetzt eine gründliche Analyse bevor, warum es nach der starken Hinrunde mit 28 Punkten in der Rückrunde nur zu blamablen 12 Pünktchen reichte. Damit rutscht Regensburg nach einigen Spieltagen an der Spitze noch bis auf Platz 15 der Tabelle ab – gerade mal ein Treppchen vor Dynamo Dresdens Relegations-Fegefeuer.

Hätten sich die Oberpfälzer keinen so mächtigen Winterspeck aufgepolstert, hätten sie sogar das Schicksal der Würzburger Kickers teilen können, die nach ähnlich starkem Beginn noch durchgereicht wurden. Und wo die Unterfranken heute stehen, kann man auf den Abstiegsrängen von Liga 3 beobachten. Höchste Zeit also dafür, den Warnschuss ernst zu nehmen. Den Platz an der TV-Gelder-Sonne hat man freilich nicht in Bremen, sondern in Aue, Rostock oder gegen Ingolstadt verspielt.

Freude über die frühe Bremer Führung. Bild: Jürgen Herda
Freude über die frühe Bremer Führung. Bild: Jürgen Herda
Ole Werder, der Vater des Bremer Erfolgs. Bild: Jürgen Herda
Ole Werder, der Vater des Bremer Erfolgs. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans - und Pyro-Begeisterung bei Werder-Star Füllkrug. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans – und Pyro-Begeisterung bei Werder-Star Füllkrug. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans. Bild: Jürgen Herda
Kurz vor dem voreiligen Platzsturm der Jugend-Kicker. Bild: Jürgen Herda
Kurz vor dem voreiligen Platzsturm der Jugend-Kicker. Bild: Jürgen Herda
Werder-Trainer Ole Werner führte Bremen von Platz 10 auf einen Aufstiegsplatz. Bild: Jürgen Herda
Werder-Trainer Ole Werner führte Bremen von Platz 10 auf einen Aufstiegsplatz. Bild: Jürgen Herda
Keine Bierdusche, sondern eine Bierspülung für die Werder-Kicker. Bild: Jürgen Herda
Keine Bierdusche, sondern eine Bierspülung für die Werder-Kicker. Bild: Jürgen Herda
Kapitän Bene Gimber und Carlo Boukhalfa schauen bedröppelt aus der Jahn-Wäsche. Bild: Jürgen Herda
Kapitän Bene Gimber und Carlo Boukhalfa schauen bedröppelt aus der Jahn-Wäsche. Bild: Jürgen Herda
Eine knappe Abseitsentscheidung des Linienrichters verhindert einen noch früheren Rückstand der Regensburger. Bild: Jürgen Herda
Eine knappe Abseitsentscheidung des Linienrichters verhindert einen noch früheren Rückstand der Regensburger. Bild: Jürgen Herda
Freude über die frühe Bremer Führung. Bild: Jürgen Herda
Ole Werder, der Vater des Bremer Erfolgs. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans - und Pyro-Begeisterung bei Werder-Star Füllkrug. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans. Bild: Jürgen Herda
Grenzenlose Freude bei den Werder Fans. Bild: Jürgen Herda
Kurz vor dem voreiligen Platzsturm der Jugend-Kicker. Bild: Jürgen Herda
Werder-Trainer Ole Werner führte Bremen von Platz 10 auf einen Aufstiegsplatz. Bild: Jürgen Herda
Keine Bierdusche, sondern eine Bierspülung für die Werder-Kicker. Bild: Jürgen Herda
Kapitän Bene Gimber und Carlo Boukhalfa schauen bedröppelt aus der Jahn-Wäsche. Bild: Jürgen Herda
Eine knappe Abseitsentscheidung des Linienrichters verhindert einen noch früheren Rückstand der Regensburger. Bild: Jürgen Herda

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