Wirtschaft

Ökologischer Landbau: Bundessieger aus dem Steinwald?

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Erbendorf. „Das ist beispielgebend und sehr kreativ“, sagte Prof. Dr. Jürgen Heß, Vorsitzender der Jury des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau, nach einer Rundfahrt über die Acker- und Weideflächen von Biolandwirt Josef Schmidt. Der Ökolandwirt, der die Grenzmühle im Steinwald bewirtschaftet, hatte sich in der Kategorie „Gesamtbetriebliche Konzeption“ beworben. Als einer von fünf weiteren Betrieben, steht er in der Endrunde.

Von Benedikt Grimm

59 landwirtschaftliche Betriebe hatten sich in acht Kategorien beworben. Die schriftlichen Bewerbungsunterlagen befand die fünfköpfige Jury für so vielversprechend, dass sie zusammen mit Vertretern des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur Betriebsbesichtigung anreiste. Neben der Grenzmühle hat es ein weiterer bayerischer Hof und jeweils einer aus Bremen, Niedersachsen sowie Hessen in die Endrunde geschafft.

Josef Schmidt, Ökoregion Steinwald Josef Schmidt (links) hat gute Chancen auf einen der ersten drei Plätze beim Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau. Im Bild erklärt er der Jury die Besonderheiten von Bio-Mohn im Steinwald.

Maximal kreativ

Schmidt, ein gelernter Gartenbauer und Landwirt, habe einen Hof gepachtet und es sich zum Ziel gesetzt, ein funktionierendes Ökosystem aufzubauen, anerkannte Prof. Dr. Heß: „Wenn ich keinen Hof erbe, muss ich mir einen schaffen.“ Als „maximal extensiv“ habe Schmidt sein Betriebskonzept in den Bewerbungsunterlagen beschrieben. „Ich würde sagen, das ist maximal kreativ“, so der Jury-Vorsitzende. Schmidt setzt im Bereich der Rinderzucht auf die bedrohte Art Rotes Höhenvieh. „Man sieht, dass die Beweidung gut funktioniert“, erklärte Schmidt auf seiner auf einer Waldlichtung gelegenen Weide. Einzig die Erle würde sich ungewollt ausbreiten. Doch auch dafür hat der 32-Jährige bereits eine Lösung. Er hat Thüringer Waldziegen gekauft, die momentan noch in der Nähe des Hofes weiden. „Flächen unter 1.000 m² sind für Rinder nicht geeignet“, weiß Schmidt, der die Ziegen als „ideal zum Rasenmähen“ auf kleineren Parzellen beschreibt. In einem nächsten Schritt will er einige Ziegen unter die Rinder mischen. Dort sollen sie die Erlen „abringeln“. Baumrinde stünde auf deren Speiseplan ganz oben. Die Ziegen werden aber auch geschlachtet. Bis zu einem Alter von neun Monaten schmecke das Fleisch selbst von unkastrierten Böcken hervorragend.

Das ist für mich sehr viel Perspektive für den Steinwald

erklärte der Öko-Landwirt auf seinem Mohn-Versuchsfeld. Das ist einmalig in Bayern und könnte auf eine Marktlücke treffen. Mit Bio-Mohn ließen sich einerseits verhältnismäßig hohe Verkaufspreise erzielen, andererseits ist die erfolgreiche Kultur von passenden Bodeneigenschaften und der Witterung stark abhängig. Perspektive hat der Mohn für Josef Schmidt aber auch in touristischer Hinsicht: große, rotblühende Mohnfelder vor den bewaldeten Hügeln des Steinwaldes könnten für Urlauber und Bewohner gleichermaßen für Postkartenidylle sorgen.

Josef Schmidt, Ökoregion Steinwald Ein Hinweisschild erklärt die Mohnsorte "Mischko" und gibt auch die Genehmigungsnummer an. Schließlich hat der Mohn nichts mit Drogen zu tun, sondern wird zum Beispiel zu schmackhaftem Öl verarbeitet.

Es geht auch ökologisch

„Er hat nicht nur ein Auge für die Landwirtschaft, sondern auch für den Naturschutz“, lobte Robert Mertel, der zweite Vorsitzende vom Verein Kulturlandschaft Südlicher Steinwald. Wenn das auch die Jury so sieht, könnte Josef Schmidt mit einem Sieg beim Bundeswettbewerb bis zu 7.500 Euro Preisgeld gewinnen. Für ihn wäre ein Sieg vor allen Dingen aber eine Anerkennung. „Es wäre ein weiterer Schritt, der zeigt, dass es so auch geht“, bekannte Schmidt, den Jury-Vorsitzender Prof. Heß als „Überzeugungstäter“ beschrieb. Die Grenzmühle bewirtschaftet Schmidt zusammen mit Lebensgefährtin Andrea Steinkohl. Auch die beiden Brüder und die Schwägerin packen gelegentlich mit an.

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Die Chancen für den Familienbetrieb haben sich mit dem Jury-Besuch wohl eher erhöht. „Die Papierlage hat sich für mich mehr als erhärtet“, sagte Prof. Dr. Heß nach der Rundfahrt. Man habe vor allem auf den Gesamteindruck geachtet. „Der Betrieb muss in allen Ecken vorzeigbar sein.“ Am meisten habe ihn aber die „gewinnende Art“ von Josef Schmidt beeindruckt. „Er ist ein guter Botschafter für die Region.“ Etwa im November werde sich die Jury auf einen Vorschlag für den Preisträger einigen und diesen dem Bundesminister vorlegen. Die offizielle Auszeichnung des Siegers wird auf der Internationalen Grünen Woche im Januar in Berlin stattfinden.

Josef Schmidt, Ökoregion Steinwald Das Rote Höhenvieh gilt als bedrohte Tierart.

Josef Schmidt, Ökoregion Steinwald Die Thüringer Waldziegen fressen vornehmlich Rinde. Damit verhindern sie zum Beispiel die unkontrollierte Vermehrung von Erlen auf der Weide.

Bilder: B. Grimm

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