Überflieger Eric Frenzel über Erfolge, Familie und die Oberpfalz

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Windischeschenbach/Silberhütte. Eric Frenzel ist zur Zeit der beste nordische Kombinierer der Welt. Der 27-Jährige gewann heuer zum 4. Male in Folge den Gesamtweltcup, das schaffte bisher nur der legendäre Finne Hanno Manninen. Der Olympiasieger 2014 und Doppelweltmeister 2011 und 2013 in der Einzelwertung blickt momentan auf 38 Weltcup-Erfolge zurück und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Von Peter Gattaut

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Peter Gattaut seine Frau Sandra freuen sich, dass sie den Wintersportler Eric Frenzel beim Interview einmal persönlich kennen lernen durften.

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Im Januar 2016 siegte er in Seefeld (Österreich) beim „Nordic Combined Triple“ zum dritten Mal in Folge. Da dieser Wettbewerb erst 2014 neu eingeführt wurde, ist Eric Frenzel bisher der einzige Gewinner. Dazu kommt noch, dass er in jedem Jahr die jeweiligen drei Einzeletappen für sich entscheiden konnte. Bei der Weltmeisterschaft in Falun (Schweden) 2015 holte er mit der Mannschaft (Johannes Rydzek, Tino Edelmann, Fabian Rießle) nach 28 Jahren wieder eine Goldmedaille für Deutschland. Bei der Wahl zum Sportler des Jahres 2015 hatten sie mit diesem Triumph in der Kategorie Mannschaft ebenfalls die Nase ganz vorne.

Der in Annaberg-Buchholz geborene Ausnahmeathlet hat sein Herz schon früh an eine Oberpfälzerin verloren. Bereits mit 18 lernte er seine große Liebe Laura am Olympiastützpunkt Oberwiesenthal kennen (Die Flossenbürgerin war eine talentierte Langläuferin). Mit ihr bekam er – sie war gerade einmal 15 Jahre alt – einen gemeinsamen Sohn (Philipp). Mittlerweile sind die beiden glücklich verheiratet, haben 2015 erneut Nachwuchs (Söhnchen Leopold) erhalten und leben in Flossenbürg. Eric Frenzel nutzt oft die idealen Trainingsbedingungen im Ski- und Langlaufzentrum Silberhütte, das ja praktisch vor seiner Haustüre liegt. Bei der Wahl zum Sportler des Jahres 2015 in der Oberpfalz führte an Eric Frenzel natürlich kein Weg vorbei. Bereits zum zweiten Mal holte er sich diese Auszeichnung.

Gattaut: Kontinuierlich eilen Sie von Erfolg zu Erfolg. Viele Steigerungsmöglichkeiten gibt es ja nicht mehr. Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für die Zukunft noch vorgenommen?

Eric Frenzel: Natürlich möchte man immer an dem anknüpfen, was man bereits erreicht hat. Ich bin noch nicht so alt, dass ich an das Ende meiner sportlichen Karriere denken müsste. Für mich heißt es deshalb weiterhin voll anzugreifen, um weiterhin in der Weltspitze ganz vorne dabei zu sein. In der kommenden Saison richtet sich der Focus sicherlich neben dem Gesamtweltcup auf die anstehende WM in Lahti (Feb/März 2017). Ein weiteres großes Ziel wird selbstverständlich die Olympiade 2018 in Südkorea sein. Das wichtigste um weiterhin erfolgreich zu sein ist dabei natürlich fit und gesund zu bleiben.

Gattaut: Man kann Sie oft im Ski und Langlaufzentrum Silberhütte trainieren sehen. Welchen Anteil haben die idealen Trainingsmöglichkeiten dort für ihre einzigartige Karriere?

Eric Frenzel: Konkret kann man das bestimmt nicht in Zahlen fassen. Aber für mich ist es schon sehr wichtig in der Nähe von meiner Familie so ein ideales Trainingsareal vorzufinden. Besonders im Sommer kann ich dort perfekt Kondition und Ausdauer trainieren. Schade, dass dort noch keine geteerte Roller-Strecke gibt. Aber wer weiß, vielleicht kommt das ja noch. Im Winter bin ich eher selten zuhause. Neben den Wettkämpfen wird dann voranging am Olympiastützpunkt Oberwiesenthal trainiert. Dort befinden sich auch die Sprungschanzen, die für meinen Sport ja nicht von geringer Bedeutung sind.

Gattaut: Ihr Vater Uwe hat Sie für diesen Sport begeistert und war ihr erster Trainer. Wie oft ist er bei Ihren Wettkämpfen zur Unterstützung vor Ort?

Eric Frenzel: Mein Vater ist so oft es geht bei den Wettkämpfen dabei. Vor allem natürlich in Mitteleuropa. Bei Großereignissen kann ich im Normalfall auf die Unterstützung der gesamten Familie zählen. Ich und mein Vater sind eng verbunden. Auch heute lege ich großen Wert auf seine Ratschläge.

Gattaut: Sie leben bereits 10 Jahre in der Oberpfalz. Wie wichtig ist Ihnen Ihre Wahlheimat geworden?

Eric Frenzel: Bis auf die Sprache (lacht) war es für mich keine große Umstellung. Die Landschaft und die Leute sind ähnlich dem Erzgebirge. Der Hauptgrund in die Oberpfalz zu gehen war natürlich meine Familie. Meine Frau Laura hat hier ihr familiäres Umfeld. Bei der Betreuung unserer beiden Kinder bekommt sie hier die notwendige Unterstützung, die sie braucht wenn ich unterwegs bin. Ich fühle mich in Flossenbürg pudelwohl: Die Leute geben mir das Gefühl einer von ihnen zu sein.

Gattaut: Sie sind ein ausgeprägter Familienmensch. Wie viel Zeit bleibt Ihnen im Jahr für Ihre Familie?

Eric Frenzel: Ich bin so oft es geht bei meiner Familie. Da nehme ich die ganze Fahrerei gerne auf mich. Meine sportbegeisterte Familie gibt mir für den Leistungssport den nötigen Rückhalt. In den Ferien besuchen mich Laura und die Kids auch oft in Oberwiesenthal. Außerdem organisiert meine Frau die Fan-Reisen zu den Großveranstaltungen, wo wir dann vor Ort auch miteinander Zeit verbringen können.

Gattaut: Über was können Sie sich so richtig ärgern?

Eric Frenzel: Ich bin eher ein sehr ruhiger Mensch. Wenn ich mich ärgere dann meist über mich selbst, wenn etwas nicht funktioniert hat oder nicht so aufgegangen ist, wie ich es erwartet habe.

Gattaut: Welchen Ratschlag oder welches Lebensmotto können Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Eric Frenzel: Ein Lebensmotto gefällt mir sehr gut: Wenn du denkst, dass du etwas bist, hast du aufgehört etwas zu werden.

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