Archäologen vom Rauhen Kulm begeistert

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Neustadt/Kulm. Die Geschichte der Kulmregion ist spannend. Jedes Jahr entlocken die Archäologen mit ihren Ausgrabungen dem Vulkanberg neue Geheimnisse.

Von Udo Fürst

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Bei seinem Vortrag über die archäologischen Grabungen am Rauhen Kulm hatte Hans Losert (rechts) auch einige Fundstücke der letztjährigen Grabungskampagne dabei. Zum Vortrag hatten der Historische Verein für Oberfranken e. V. und der Förderverein Rauher Kulm e. V. mit seinen Vorsitzenden Norbert Hübsch (links) und Käthe Pühl (Mitte) eingeladen. Foto: Udo Fürst

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Seit fünfzehn Jahren führt der Archäologe Dr. Hans Losert jeweils im August mit seinen Studenten von der Universität Bamberg unterhalb des Basaltkegels Grabungen durch. Auf Einladung des Historischen Vereins für Oberfranken e. V. und des Fördervereins Rauher Kulm e. V. berichtete der Wissenschaftler bei einem Vortrag im evangelischen Gemeindehaus über die Erkenntnisse aus dieser Arbeit. Über 1.000 Jahre, vom vierten Jahrhundert vor bis zum siebten Jahrhundert nach Christus, war es still in der Gegend um den Rauhen Kulm. Aus diesem Zeitraum gibt es keinerlei Fundstücke, die die Anwesenheit von Menschen bestätigen. Zahlreiche Funde entdeckten die Archäologen jedoch aus der Zeit danach und aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend sowie aus der Steinzeit.

Wo der Neandertaler jagt

Als eine kleine wissenschaftliche Sensation bezeichnete Losert den Fund von einfachen Geröllwerkzeugen aus ortsfremdem Gestein. Von den Wissenschaftlern wird dieses als „pebble tool“ bezeichnet. Vor 2,6 bis 1,5 Millionen Jahren hat wahrscheinlich einer der ersten Urmenschen mit diesem scharfen abgeschlagenen Stein seine Jagdbeute am Rauhen Kulm zerlegt. In Mitteleuropa sind diese Funde sehr selten, die meisten Fundplätze liegen in Afrika.

Auch in der Jungsteinzeit war die Kulmregion besiedelt. Der Neandertaler hat vermutlich hier gejagt. Zeugnisse wie ein Teil eines Steinbeils oder Feuersteinspitzen, aber auch Fragmente aus Keramik belegen dies. Reichliche und vor allem qualitätsvolle Funde gibt es auch aus der Zeit der Kelten. Ein gefundenes Opferbeil aus Bronze zeugt davon, dass dieser Berg auch in den religiösen Vorstellungen der damaligen Menschen eine Rolle gespielt hat.

Bis zur Zeit Karls des Großen um 800 nach Christi gibt es keinerlei Fundstücke. Zur Karolingerzeit bevölkerten meist Slawen die „Flednitzregion“, wie das Gebiet um den Rauhen Kulm damals genannt wurde. Aus dieser Zeit stammt auch das erste Zeugnis für die Anfänge des christlichen Glaubens in unserer Region. Bei der Grabung im Jahre 2008 entdeckte ein Grabungsteilnehmer ein zirka drei Zentimeter großes Kreuz aus Blei. Dieses wurde den Täuflingen als Zeichen des neuen Glaubens bei ihrer Taufe überreicht.

Karl der Große ließ auch die ersten Befestigungen um den Vulkankegel anlegen. Als Schutz gegen die einfallenden Ungarn wurde später im 12. Jahrhundert die mittelalterliche Burg erbaut. Diese Festung galt als uneinnehmbar und hielt vielen Angriffen stand. Im zweiten Markgrafenkrieg hungerten jedoch die angreifenden Nürnberger die Burgbesatzung aus. Diese ergab sich schließlich und die Burg wurde 1554 gründlich geschleift.

Keramik, Silber und mehr

Im zweiten Teil seines Vortrags berichtete Dr. Hans Losert über die letztjährige Grabungskampagne. Der Schwerpunkt lag wieder am unteren Ringwall in der Nähe des Steinbruchs. In früheren Jahren hatten die Wissenschaftler bereits neben dem bekannten Osttor ein weiteres Tor freigelegt. An der jetzigen Grabungsstelle vermutet Losert ein weiteres Tor, denn die gefundenen Fundamente zeigen eine Öffnung nach Osten. „Hier wurde geprotzt und Macht demonstriert, denn drei Tore auf so engem Raum verteilt waren eigentlich unnötig“, erläuterte der Grabungsleiter.

Zu den letztjährigen Funden gehörte auch eine kleine bunte Schichtaugenperle. Losert schätzte ihr Alter auf 2.500 Jahre. Sie stammt aus dem Osten des Mittelmeerraums. Die Augen haben eine mystische Bedeutung. Keltische Keramikfragmente aus dem 5. Jahrhundert vor Christi Geburt, einen silbernen Armreif aus Ungarn (zirka 1.000 Jahre alt) und eine Scheibenfibel hatten die Studenten bei ihrer mühevollen Arbeit ebenfalls entdeckt.

Fundstücke in Ausstellung

Viele der Fundstücke aus der Kulmregion können momentan in einer Ausstellung im Westböhmischen Museum in Pilsen besichtigt werden. Schon am Eingang begrüßt ein Plakat mit dem Rauhen Kulm die internationalen Besucher. Die Vorsitzende des Fördervereins Käthe Pühl bot an, Fahrgemeinschaften zu einem Museumsbesuch in Pilsen zu bilden. Die diesjährigen Grabungen werden am 5. August beginnen. Interessierte und Mithelfer sind stets willkommen. Sie können sich beim Förderverein Rauher Kulm, Telefon 09648-913765 anmelden.

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