Klare Kante gegen Hass und Rassismus

Eschenbach. Rassistische Beleidigungen, Hatespeech, Meinungsfreiheit, Moral und Anstand: Es war ein breites Themenfeld, mit dem sich Journalist und Buchautor Hasnain Kazim am Freitag in der Volkshochschule Eschenbach befasste. 

Hasnain Kazim war im Rahmen der „Langen Nacht der Demokratie“ zu Gast in Eschenbach. Foto: Holger Stiegler

Kazims Lesung war eingebunden in die „Lange Nacht der Demokratie“, die mit verschiedenen Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten in der Stadt Weiden und im Landkreis Neustadt/WN über die Bühne ging. 

Mehr als 1.000 Morddrohungen

Über 1000 Morddrohungen hat Kazim bereits bekommen, teilweise lebte er unter Polizeischutz und benötigt diesen auch noch bei Lesungen in bestimmten Regionen Ostdeutschlands, sein Name steht auf Todeslisten, die in rechtsextremen Kreisen zirkulieren. „Natürlich könnte ich mich schützen, indem ich nicht mehr auftrete oder keine Bücher mehr schreibe“, erzählt der 47-Jährige.

Doch auch heute hält er noch an dem fest, was bereits vor gut 30 Jahren seine damalige Französisch-Lehrerin zu ihm gesagt hat: „Lass Dich niemals von solchen Leuten einschüchtern, denn dann haben sie gewonnen!“ 

Korrespondent für den „SPIEGEL“

Geboren 1974 in Oldenburg als Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer, wuchs Kazim Hollern-Twielenfleth vor den Toren Hamburgs sowie in Karatschi in Pakistan auf. Über viele Jahre lang war Kazim SPIEGEL-Korrespondent unter anderem in Istanbul und Wien, wo er auch heute lebt. Recep Tayyip Erdoğan hat persönlich dafür gesorgt, dass er seine Presse-Akkreditierung in der Türkei verloren hat. 

Dass er Empfänger von immer intensiveren und unverhohleneren Hassbotschaften und rassistischen Beschimpfungen wurde, zeichnete Kazim anhand verschiedener „Wellen“ in der Geschichte der Bundesrepublik nach. Er erinnerte an fremdenfeindliche Attentate unter anderem in Solingen, Mölln, Rostock-Lichtenhagen. „Das hat sich eingebrannt bei mir“, so Kazim.

Erste politische Kommentare mit 17

In dieser Zeit – mit 17 Jahren – habe er auch seinen ersten politischen Kommentar in Folge der Anschläge auf die Bewohner des „Sonnenblumenhauses“ in Rostock-Lichtenhagen geschrieben. Darin kritisierte er das das Verhalten von Politik und Einwohnern und bekam daraufhin sieben Briefe per Post. „Keiner davon setzte sich inhaltlich mit meinem Kommentar auseinander, das waren alles Hassbriefe“, so Kazim. Diese anonymen Schreiben habe er bis heute aufgehoben. 

Kazim wird immer stärker angegriffen

Das Aufkommen des Internets und die eigene stärkere Präsenz in der Öffentlichkeit als Journalist, die Sarrazin-Debatte 2010, die Flüchtlingsthematik 2015 sowie Einzug der AfD in den Bundestag 2017 als „Dammbruch“ – das sind einige Stationen, die dazu beigetragen haben, dass Hasnain Kazim immer stärker in den Fokus von Angriffen geriet. „Eigentlich kann ich schreiben was ich will, aber es gibt immer Leute, die mich schon wegen meines Namens angreifen“, so Kazim.

Gleichzeitig seien Dinge nach dem Verständnis vieler sagbar geworden, die aus guten Gründen nicht sagbar waren. „Sarrazin hat das erfolgreichste Sachbuch in der Geschichte Deutschlands geschrieben und viele berufen sich auf ihn“, so Kazim. 

Er reagiert bewusst auf Hassmails

Ab 2016 hatte sich Kazim vorgenommen, auf entsprechende Hassmails zu reagieren und in den Dialog mit den Verfassern zu treten. Publizistisch schlug sich dies schließlich in seinem SPIEGEL-Bestseller-Buch „Post von Karlheinz“ nieder, in dem Kazim 52 entsprechende Mailwechsel mit Anfeindungen und Beschimpfungen niederschrieb. Auszüge daraus las Kazim auch in Eschenbach vor, immer wieder blitzte dabei auch der stark satirische Einschlag Kazims durch, der ihn – neben der glasklaren Positionierung – bei den Lesern so beliebt gemacht hat.   

Mehr Moral und Anstand notwendig

Diskussionen geht Kazim bis heute nicht aus dem Weg – egal, ob bei Twitter oder auf Facebook. Generell müsse man aber feststellen, dass es wieder ein Mehr an „Moral und Anstand“ brauche. Auch habe er den Eindruck, dass oftmals das Nachdenken verloren gegangen sei, eben bevor man den Mund aufmache.

Grundsätzlich vertrete er die Ansicht, dass man alles sagen dürfe, man aber entsprechend auch mit einer Widerrede rechnen müsse. „Denn Meinungsfreiheit bedeutet auch Freiheit zum Widerspruch, Meinungsfreiheit bedeutet nicht Recht auf Gehör!“, so Kazim. 

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