Mit Zufriedenheit durch ein langes Leben

Neustadt/WN. Vielleicht sind die Gartenarbeit, der er sich sein ganzes Leben mit Leib und Seele verschrieben hat, oder die Zufriedenheit mit dem, was er hat, die Rezepte, dass Heinrich Bierl 100 Jahre alt geworden ist.

Im Kreise seiner Familie mit den beiden Söhnen Heinz (stehend, Zweiter von links) und Reinhard (stehend, Fünfter von rechts) sowie den Enkeln Max, Veronika, Lena und Alexander (kniend, von links) feiert Heinrich Bierl 100. Geburtstag. Neben Bürgermeister Sebastian Dippold (stehend, rechts) gratulieren Abordnungen der Siedlergemeinschaft und der Kolpingsfamilie. Foto: Hans Prehm

Er weiß es selbst nicht und kann es auch kaum glauben, dass er dieses hohe Alter erreicht hat. Am Dienstag feierte er seinen runden Geburtstag im Kreise seiner Familie. „Nur die Füße wollen nicht mehr so“, bedauert der ansonsten rüstige und geistig absolut fitte Senior, der sich noch mit Hilfe seiner Nachbarn und seines Sohnes selbst versorgen und in seinem Haus leben kann. Um das Frühstück kümmert er sich selbst, lässt sich Zeit zu drei Tassen Kaffee und der Zeitungslektüre.

Immer seinen Humor behalten

Mit 99 ist er noch Auto gefahren, zum Einkaufen und zu Arztbesuchen. Heinrich Bierl hat eine eiserne Natur und ist dem Tod schon einige Male bei schweren Erkrankungen von der Schippe gesprungen. „Es hat halt noch nicht sollen sein“, ist er überzeugt. Auch seinen Humor hat er nie verloren. Und so beginnt er nach seinem 100. Geburtstag die Jahre wieder von vorne an zu zählen und fühlt sich wie im ersten Lebensjahr, verrät er mit einem Augenzwinkern.

In der Landwirtschaft aufgewachsen

Heinrich Bierl wurde am 7. Juni 1922 in Gleißenberg im Landkreis Waldmünchen geboren und wuchs mit zwei Brüdern und einer Stiefschwester in einem landwirtschaftlichen Anwesen auf. Mit 13 Jahren lernte er den Beruf des Metzgers und machte mit 15 Jahren die Gesellenprüfung. Von 1939 bis 1941 arbeitete er in diesem Beruf in München. Dann musste er in den Krieg ziehen, geriet in Gefangenschaft und kehrte 1945 in seine Heimat zurück.

Ein Polizist mit dem Herz am rechten Fleck

Der Zufall wollte es, dass er zur Polizei kam. „In Waldmünchen bauten sie damals die Grenzpolizei auf und suchten Leute. Ich habe zum Spaß gesagt, dass ich aber lieber zur Landpolizei möchte und prompt kam es dann auch dazu“, erinnert er sich.

Eigentlich habe er nach seiner Rückkehr in die Heimat wieder in München arbeiten wollen, doch zu Hause wurde seine ganze Kleidung gestohlen und so schlüpfte er in die Polizeiuniform. Aus einer ursprünglich geplanten Zwischenlösung wurden 36 Jahre, bis er 1982 in Neustadt/WN in Pension ging. Den älteren Neustädtern ist er noch als sehr menschlicher Polizist in Erinnerung.

Traum von Haus und Garten wurde wahr

In die Kreisstadt kam er wegen seines Berufs, heiratete hier 1951 Erna Zimmermann, die ihm mit Heinz und Reinhard zwei Söhne schenkte. 1955 packte er bei seinem Hausbau kräftig an und machte fortan die Gartenarbeit zu seinem Hobby. „Ich hatte noch jeden einzelnen Stein beim Hausbau in der Hand“.

Durch den Hausbau kam er 1960 zu den Siedlern, für die er 23 Jahre als Kassier tätig war, zum Ehrenmitglied ernannt wurde und für die Vorsitzender Arthur Weber und Ehrenvorsitzender Helmut Schwarz gratulierten. 68 Jahre war er außerdem treues Mitglied der Kolpingsfamilie.

Eine eiserne Natur auch bei Schicksalsschlägen

Ein schwerer Schicksalsschlag traf ihn 2018, als seine Ehefrau Erna starb. Doch die ihm eigene eiserne Natur ließ ihn auch diesen Schlag verkraften und er versorgte sich ab diesem Zeitpunkt selbst.

„Die 100 Jahre sieht man ihnen wirklich nicht an“, stellte Bürgermeister Sebastian Dippold fest, der im Namen der Stadt Neustadt seine Glückwünsche überbrachte und für den es der erste dreistellige Geburtstag war, zu dem er gratulieren durfte.

Gelassenheit und auch mal „reinkrallen“

Bis auf seine Beine, die nicht mehr so wollen und durch den Rollator („die beste Erfindung die je gemacht wurde“) Unterstützung erhalten, fühlt er sich wohl. Wenn möglich dreht er damit täglich seine Runden durch die Nachbarschaft und erledigt noch kleinere Gartenarbeiten.

Zum 100. hat er eigentlich keine Wünsche mehr. Heinrich Bierl nimmt es so, wie es kommt. Vor dem Tod hat er keine Angst. „Du musst dir lange Fingernägel wachsen lassen, dass du dich reinkrallen kannst“, ist eines seiner Mottos.

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