Wirtschaft

Vier-Tage-Woche: So gewinnen Firmen ihre Fachkräfte

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Neustadt/WN. Die Unternehmen bieten nicht mehr Geld, dafür regelmäßig ein verlängertes Wochenende. Bei Metallbau Fütterer in Neustadt/WN hat man im August die Vier-Tage-Woche eingeführt.

Firmenchef Stefan Fütterer (rechts) hat in seinem Metallbaubetrieb im August die Vier-Tage-Woche eingeführt. Foto: Theo Kurtz

2014 hatte Stefan Fütterer den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Sein noch junger Metall- und Stahlbaubetrieb im Neustädter Gewerbegebiet Im Wiesengrund ist auf Wachstumskurs. Und der Betriebsinhaber investiert weiter: In eine zusätzliche Werkhalle und in einen hochmodernen Maschinenpark. Auf 15 Leute ist die Belegschaft mittlerweile angewachsen. In den nächsten drei Monaten kommen noch fünf neue Mitarbeiter dazu.

Erfahrene Leute bringen das Know-how mit

Der Unternehmer musste aber, um geeignetes Personal zu gewinnen, neue Wege einschlagen. "Ich habe gesucht und gesucht und nichts Passendes gefunden", erzählt er. Was er nämlich braucht, sind Mitarbeiter, die flexibel einsetzbar sind. In Zeiten der zunehmenden Spezialsierung sind diese Allrounder dünn gesät. "Dieses Know-how bringen gerade berufserfahrene Leute mit", erzählt er. Und denen, so seine Feststellung, sei Freizeit eben wichtiger als ein zusätzlicher Euro in der Lohntüte.

Was also tun? Der Familienrat tagte und Fütterers Frau Andrea hatte die zündende Idee: Seit August wird in dem mittelständischen Betrieb nur mehr vier Tage in der Woche gearbeitet. Parallel dazu wurde die Arbeitszeit von 40 auf 38 Wochenstunden gesenkt – bei vollem Lohnausgleich. Prompt bekommt der gelernte Metallbaumeister die sehnsüchtig erwartete personelle Verstärkung.

Maßnahmen werden fristgerecht ausgeführt

Für den Betriebsinhaber bedeutet das allerdings einen höheren Planungsaufwand, um die anstehenden Projekte von Montag bis Donnerstag durchzutakten. "Aber es klappt hervorragend", freut er sich, auch wenn er anfänglich selbst mit ein bisserl Skepsis das neue Arbeitszeitmodell beäugt hatte.

"Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass wir die Maßnahmen frist- und zeitgerecht abschließen. Meine Leute hängen dann noch eine Stunde dran, wenn es erforderlich ist," erzählt Fütterer. Und schließlich gäbe es auch noch Mitarbeiter, die gerne am Freitag oder mal an einem Samstag anpacken wollen, weil sie vielleicht zusätzliches Geld verdienen oder Überstunden aufbauen wollen.

Auch die Familie profitiert von der Vier-Tage-Woche

Fütterer kann schon die ersten positiven Effekte der Vier-Tage-Woche feststellen: "Die Leute sind frischer im Kopf, außerdem gibt es kaum mehr Krankmeldungen", erzählt er. Und auch für ihn und seine Familie ist das neue Arbeitszeitmodell ein Gewinn. Die Büroarbeit muss nicht mehr am Wochenende erledigt werden. "Ich habe jetzt endlich wieder Zeit, meine Kunden zu besuchen", sagt Fütterer.

Da kommt es dann schon vor, dass er nach dem persönlichen Gespräch mit einem neuen Auftrag nach Hause kommt. Übrigens: Die Einführung der Vier-Tage-Woche hat andere Unternehmen auf Fütterers Metallbaufirma aufmerksam werden lassen. "Ich bekomme bereits Anfragen, wie wir die Umsetzung schaffen", betont er.

Dunkle Augenringe sind verschwunden

Seit zwei Jahren ist die Vier-Tage-Woche schon bei Meier Bauelemente in Flossenbürg an der Tagesordnung. "Unsere Mitarbeiter finden das einfach genial", freut sich Unternehmer Christoph Meier. Doch auch in seiner Firma gilt: Wer möchte, kann mehr arbeiten. Dass Meier den Freitag als Arbeitstag strich, war für ihn nur folgerichtig.

"Bis meine Monteure alles zusammenpacken und beim Kunden ankommen, ist der Tag eigentlich schon gelaufen", erzählt er. Da bleiben im ungünstigsten Fall vielleicht gerade mal noch zwei Arbeitsstundern übrig, erläutert er. Die Aussicht auf ein verlängertes Wochenende hebe eindeutig die Stimmung bei der Belegschaft. "Verschwunden sind auch die dunklen Augenringe", schmunzelt Meier.

Im Handwerk ist die Vier-Tage-Woche sehr populär

"Die Vier-Tage-Woche ist im Handwerk grundsätzlich nicht neu, aber aktuell sehr populär", weiß Andreas Keller, Bereichsleiter der Beratungsabteilung der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Einige Betriebe, gerade im Baubereich, würden diese schon länger umsetzen, betont er.

"Die Überstunden, die von Montag bis Donnerstag anfallen, werden dann mit einem freien Freitag abgegolten", berichtet Keller. Das habe nicht zuletzt auch Vorteile für die Unternehmen selbst. "Die Beschäftigten müssen nicht extra frei nehmen, um zum Arzt zu gehen oder einen Behördengang zu erledigen", sagt der Bereichsleiter.

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