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Maibaum aufstellen in der Nordoberpfalz: Das steckt hinter der Tradition

Weiden/Tirschenreuth. Nur noch wenige Tage, dann steht das Prachtexemplar auf vielen Dorfplätzen: Die Rede ist vom Maibaum. Wir suchen heuer euren persönlichen Super-Maibaum. Schickt uns Bilder vom Aufstellen des Giganten und erzählt uns, wie ihr diesen Brauch pflegt.

Mit Schwalben stellten die Mitglieder des Rothenstädter Burschenvereins den Baum in die Senkrechte. Der geschmückte Baum mit zwei Kränzen und einer aufgesetzten Spitze grüßt in den Mai. Bild: Reinhard Kreuzer

Die Ursprünge des Maibaumbrauchtums bedeckt gnädig der lange Mantel der Geschichte. Germanische Riten werden von einigen als Wurzel genannt, verehrten unsere Vorfahren doch Waldgottheiten, denen sie in diversen Baumriten huldigten.

Fakt ist: Der Brauch des Maibaum-Aufstellens mit einem damit verbundenen Dorf- oder Stadtfest – meist am 30. April, am 1. Mai oder an Pfingsten – ist in vielen Teilen Mittel- und Nordeuropas verbreitet. In Skandinavien feiert man zu Mittsommer das große Fest des Lichts.

Von der Obrigkeit verboten

Historisch dokumentiert ist der Brauch in Altbayern zwischen 1480 und 1611. Eine Abbildung Starnbergs von Hans Donauer im Münchner Antiquarium von 1585 zeigt einen Maibaum heutiger Prägung aus einem schlanken geschälten Stamm mit Querbalken, auf denen Figurengruppen, Wappen oder Handwerkszeichen befestigt sind.

1657 wurde der Maienbrauch verboten. Die Polizeiordnung der Oberpfalz etwa untersagte ihn als ein „unflätig, unchristlich Ding“, der Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis als einen zu „nichts als bloßer Bürger- und Bauernlust“ dienenden Brauch. Eine Lanze für den nackerten Baum brach König Ludwig I. 1827 in einer sittenpolizeilichen Verordnung, weil es sich um „an sich unschädliche und wohl zu gönnende Vergnügungen“ des Landvolkes handele.

Das Maibaum-Stehlen

Als besondere Gaudi für den Dorfnachwuchs entwickelte sich das Stehlen des Maibaumes. In der Nacht vor dem Aufstellen wird er deshalb oft von jungen Burschen bewacht. Um den Baumklau zu verhindern, muss nach dem Brauch spätestens bei Annäherung von Fremden einer der Wächter eine Hand am Baum haben. Schaffen es die Gegner, das zu verhindern und drei Spatenstiche gegen den Baum auszuführen, gilt der Baum in einigen Regionen bereits als gestohlen.

In den meisten Teilen Österreichs und Oberschwabens gilt er freilich erst dann als gestohlen, wenn er von den Dieben vollständig umgelegt, oder bereits vom ursprünglichen Standort abtransportiert wurde. Es gilt als Regel, dass nur der Maibäume stehlen darf, der auch selber einen aufgestellt hat. Nach ursprünglicher bayerischer Tradition durfte der Baum nur in der Walpurgisnacht gefällt und auch nur in dieser Nacht gestohlen werden.

So wird der Baum ausgelöst

Da die Maibäume inzwischen meist schon Wochen vorher gefällt und daher auch früher gestohlen werden können, bleibt bis zum 1.  Mai genügend Zeit für das Auslösen und den Rücktransport. Zum Auslösen gestohlener Bäume begibt sich in der Regel eine Abordnung der Bestohlenen zu den Dieben und handelt den Preis aus – üblicherweise in Naturalien zu entrichten. Nach erfolgreichen Rückgabeverhandlungen wird der gestohlene Baum, oft in einer feierlichen Prozession mit Blasmusikbegleitung von den Dieben zu seinen rechtmäßigen Eigentümern zurückgebracht.

Scheitern die Verhandlungen und der Maibaum wird nicht ausgelöst, stellen ihn die neuen „Besitzer“ als Schandmal für das Nachbardorf im eigenen Ort auf. Nach einigen Wochen wird die Beute dann zersägt und versteigert. Oft wird an diesem „Schandbaum“ dann eine Tafel befestigt, auf der die Maibaumdiebe ihre Enttäuschung durch Spottverse zum Ausdruck bringen.

Mit zwei Traktoren sicherten Mitglieder des Latscher Schnupferclubs den Maibaum, mit Schwalben hoben Männer den Baum in die Höhe. Bild: Reinhard Kreuzer

Maibäume in Latsch und Rothenstadt

Latsch: Die Mitglieder des Schnupferclubs stellten ihren 22 Meter hohen Maibaum vor dem Vereinsheim auf. In den Stadtfarben und bayerisch Blauweiß banden Kinder und Mitgliedsfrauen die beiden Kränze, die unter der geschmückten Maibaumspitze hängen. Am Nachmittag hatten die Mitglieder den Baum aus dem Stadtwald geholt. Die Helfer um den Vorsitzenden Horst Straka schälten den Stamm. Die Männer legten die „Schwalben“ zurecht, mit einem Traktor sicherten Fritz Pschierer und Matthias Gollwitzer den Baum, bis er in der eisernen Haltung befestigt war. Vergnügungswart Rudolf Straka befestigte die Schilder mit dem Bayernwappen und dem Schild des Schnupferclubs. Am Abend entzündete Straka das Feuer.

Rothenstadt: Der Burschenverein bewachte die vergangene Woche ihren 28 Meter hohen Maibaum. Einige Mitglieder nahmen sogar Urlaub und sicherten den Baum, banden in den Vereinsfarben grün-weiß Girlanden um die Kränze. Schichtwechsel war angesagt und ein Lagerfeuer schützte vor der Nachtkälte. Die Vorstandschaft organisierte 30 Burschen, Bier und Feuerholz, die den Baum am Vorabend des Feiertages anhoben, um mit den „Schwalben“ unter den dekorierten Maibaum zu kommen. „Hau ruck, hebt zugleich“, kam das Kommando. Tafeln des Burschenvereins, der Gemeinde, der Stadt Weiden und der Oberpfalz schmücken den Baum. Am Schafbühl trafen sich die Rothenstädter, um zu feiern und gesellig in den Wonnemonat Mai zu starten.

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