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Parksteiner ist "Persönlichkeit des Jahres 2020"

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Parkstein. Es ist eine außergewöhnliche Auszeichnung, wenn jemand, der nicht Bürger von Cheb (Eger) ist und auch nicht in Tschechien lebt, dennoch von der Stadt zur Persönlichkeit des Jahres 2020 ernannt wird. Bürgermeister Antonín Jalovec bedankt sich damit bei dem Zimmermeister Josef Hauer für seine Verdienste um die Förderung der tschechisch-deutschen Beziehungen. 

Von Günther Juba

Zimmermeister Parkstein Josef Hauer Die Stadt Cheb ernennt Josef Hauer, Zimmermeister aus Parkstein, zur Persöhnlichkeit des Jahres 2020. Bild: privat.

Wegen der Pandemiesituation gibt es zwar keine festliche Veranstaltung - sobald möglich wird das aber nachgeholt. Diese Auszeichnung wurde vorerst nur auf den Webseiten der Stadt bekanntgegeben. Der Bürgermeister lobt Josef Hauer in seiner Laudatio.

Mit seinen einzigartigen Dachstuhlmodellen sei Josef Hauer eine Meisterleistung gelungen, die man nur mit einem Rückblick auf die Geschichte seiner Familie verstehen kann. Zimmerleute mit dem Namen Hauer gibt es im Umland von Weiden schon seit Jahrhunderten: Bereits im Jahre 1570 wurde ein Zimmermeister Andreas Hauer, in einer Kirchenrechnung, erwähnt. 1820 hat Lorenz Gottlieb Hauer in Parkstein ein Haus gekauft und eine Zimmerei gegründet. Er war der Ururgroßvater von Josef Hauer, der am 5.07.1937 geboren ist. In fünfter Generation hat er 1960 den Betrieb seiner Vorfahren übernommen.

Fleißig bis heute

An jeder Baustelle selbst Hand anlegen, war für Hauer selbstverständlich - als Erster am Morgen, als Letzter am Abend. Büroarbeiten fallen auf das Wochenende. Für seine hervorragende Arbeit wurde er 1994 mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt.

2005 hat Hauer seine Berufstätigkeit zwar beendet, aber dafür gesorgt, dass seinen Betrieb ein Nachfolger weiterführt, den er selbst ausgebildet hatte. Ob jetzt Zeit für den wohlverdienten Ruhestand ist? Für Josef Hauer noch lange nicht!

Er bewundert die Meisterleistungen vergangener Zeiten, als große Kirchen, Schlösser und Rathäuser überbaut werden mussten: „Man kann heute nur staunen, was die damaligen Handwerker für eine Leistung vollbracht haben, ganz ohne Maschinen!“, sagt Josef Hauer ehrfürchtig.

Er hat angefangen historische Dachkonstruktionen in maßstabsgetreuen Modellen nachzubauen. Sogar die „Zimmermannsverbindungen“ und die winzigen Nägel aus Holz entsprechen dem Original. Weil er es gewohnt war, immer fleißig zu sein, arbeitet er deshalb weiterhin täglich von 7 bis 16.30 Uhr in seiner Werkstatt.

Abertausende Einzelteile - über 30 Modelle

Josef_Hauer Parkstein Zimmermeister Josef Hauer hat über 30 Modelle historischer Dachstühle nachgebaut. Bild: privat.

Mehr als 30 Modelle historischer Dachstühle hat Josef Hauer seit 2005 geschaffen. An seinem größten Modell, dem Dachstuhl des Münchener Liebfrauendomes bestehend aus 3.071 Einzelteilen, hat er 12 Monate gearbeitet. Das breiteste Modell ist der Amberger Martinskirche, der Dachstuhl überragt freitragend 28 Meter.

Das Modell des ältesten Dachstuhls ist der der Klosterkirche der Franziskaner in Cheb, erbaut im Jahre 1319. Dieses und das Modell des Gablerhauses hat Josef Hauer der Stadt Cheb (bzw. dem Stiftungsfonds Historisches Cheb) 2018 zum Geschenk gemacht. Diese Meisterleistungen wurden als „wunderbares Beispiel für eine liebenswerte Nachbarschaft mit Deutschland" bezeichnet.

Josef Hauer macht Stadt Cheb noch größeres Geschenk

Danach habe Josef Hauer der Stadt Cheb ein noch viel größeres Geschenk gemacht, wie der Bürgermeister betont. Als er an dem Modell des Egerer Speicherhauses gearbeitet hat, ist die Idee entstanden dieses Gebäude besonders zu nutzen: Seine Arbeiten waren an vielen Orten nicht für eine öffentliche Besichtigung zugänglich. Im Speicherhaus aber gibt es genügend Platz für eine ständige Ausstellung. Das historische Ambiente empfindet Hauer als „…bestens geeignet, die Modelle zu präsentieren und auch grenzüberschreitend, im Sinne der Völkerverständigung, zu wirken“ - und schenkt der Stadt Cheb 20 Modelle.

Besucher sollen die historischen Dachstühle auf dem Marktplatz und später im Speicherhaus die Konstruktionen bewundern können und die Fortschritte in der Handwerkskunst der Zimmerleute im Laufe der Jahrhunderte besser erkennen. "Mit diesem einzigartigen Geschenk hat sich Josef Hauer um die Stadt Cheb verdient gemacht", schreibt Bürgermeister Antonin Jalovec.

Für Josef Hauer selbst ist die Ernennung zur „Persönlichkeit des Jahres 2020“ eine erfreuliche Überraschung. Schon seine Modelle im mittelalterlichen Speicherhaus auszustellen, war für ihn eine Ehre.

Nach den Führungen auf der Besuchertrasse „Unter den Dächern der Egerer Häuser“ am Marktplatz soll künftig die Besichtigung der Modelle von Josef Hauer im Speicherhaus möglich sein. Die Eröffnung der Ausstellung ist allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Wegen der Pandemiesituation sind noch nicht alle Dachstuhlmodelle aus Parkstein abgeholt und im Speicherhaus ausgestellt.

Bilder: privat. 

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