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Festspiele: Ex-Profikicker Jimmy Hartwig gibt auf der Luisenburg den Kaiser [mit Video]

Wunsiedel. Die Vorfreude ist den Schauspielern und den Festspiel-Verantwortlichen ins Gesicht geschrieben. Nach zwei wirtschaftlich schwierigen Corona-Jahren, kann man jetzt wieder auf der Luisenburg durchstarten.

Ex-Kicker Jimmy Hartwig (Mitte) steht heuer als Kaiser Joseph II. von Österreich auf der Luisenburg-Bühne. Foto: David Trott

Neue Zeitrechnung bei den Luisenburg-Festspielen. Dort schreibt man aktuell das Jahr eins nach Corona. „Wir tun so, als hätte es die Pandemie nicht gegeben“, erzählt der frisch gebackene Verwaltungsleiter, der Erbendorfer André Zaus, mit einem Augenzwinkern, bei der Vorstellung des Programms. Maske und Impfausweis kann man jetzt getrost zu Hause lassen und die Zuschauerränge können sich endlich wieder bis zum letzten Platz füllen.

Wie das Virus die Bilanzen der beiden letzten Jahre verhagelte, machen die Zahlen deutlich: Wurden 2019 noch 140.000 Besucher auf der Luisenburg gezählt, mussten 2020 die Stühle komplett hochgeklappt bleiben. Besser, aber alles andere als berauschend 2021: ab 1. Juli durfte wenigstens rund jeder zweite der 2.000 Plätze belegt werden.

Dass heuer die Festspiele wieder zum Renner werden könnten, dafür sorgt auch ein attraktiver Spielplan: Bei fünf Inszenierungen, darunter zwei Uraufführungen, hebt sich heuer der Premierenvorhang. Los geht es am 26. Mai. Dann steht die erste öffentliche Generalprobe für das Drama „Amadeus“ auf dem Spielplan.

Jimmy Hartwig als Kaiser Joseph II.

Ein ehemaliger Profifußballer wird dort übrigens eine der Hauptrollen übernehmen. Jimmy Hartwig, Ex-Kicker beim Hamburger SV und den Münchner „Löwen“ wird in die Rolle des österreichischen Kaisers Joseph II. schlüpfen. Vor gut zwölf Jahren ist der gebürtige Offenbacher ins Theaterfach gewechselt. Er hat schon auf den unterschiedlichsten Bühnen der Republik gespielt. Er war in Bertold Brechts Baal an der Seite von Ben Becker in Weimar zu sehen, und spielte die Titelrolle in Georg Büchners „Woyzeck“ im Centraltheater in Leipzig. Auf der Luisenburg gastiert er übrigens zum ersten Mal.

Aber vom Stück und der Freilichtbühne ist der Wahl-Münchner sichtlich begeistert. „Wer sich Amadeus nicht ansieht, ist selber schuld“, meint der 67-Jährige selbstbewusst. Er kann sich in der Kaiserrolle auch irgendwie wiederfinden. „Joseph II. war ja eine Art Revoluzzer. Er hat zum Beispiel die Leibeigenschaft abgeschafft“, weiß Hartwig, der sich statt in majestätischem Ornat in Lederhose und hellblauem Hemd der versammelten Medienschar vorstellt.

Erster Premierenvorhang hebt sich am 1. Juni

Und auch 2022 ist für jeden Theatergeschmack etwas dabei. Am 1. Juni hebt sich der Premierenvorhang für das Familienmusical „Trolle unter uns.“ Am 11. Juni geht „Sisters Act“ an den Start, mit Zodwa Selele in der Hauptrolle. Die Kirchenlamitzerin wurde persönlich von Whoppi Goldberg für die Hauptrolle ausgesucht. Mehr als 1.000 Mal stand die Wahl-Oberfränkin mit südafrikanischen Wurzeln als Deloris van Cartier bundesweit bereits auf der Bühne.

US-Komponist schreibt Musik für Zeitelmoos

Ab 24. Juni wird William Shakespeares letztes Drama „Sturm“ zu sehen sein. Und last but not least hat ab 8. Juli „Zeitelmoos“ seine Uraufführung. Es ist das erste Fantasy-Musical überhaupt, das auf der Luisenburg in Szene gesetzt wird. Das Zeitelmoos gibt es wirklich. Es ist ein sagenumwobenes Hochmoor in der Nähe von Wunsiedel, in dem Wichtel und Spukgestalten nächtens ihr Unwesen getrieben haben sollen. Die Musik dazu hat übrigens keine Geringerer als Eric Allaman geschrieben. Der US-Amerikaner, der in Kalifornien lebt, hat bereits zahlreiche Titelmelodien für Kinofilme komponiert, darunter für den Dark-Fantasy-Streifen „Legend“ des Blade-Runner Regisseurs Sir Ridley Scott.

Komplettiert wird das diesjährige Programm mit zwei Gastspielen: Die Landesbühne Sachsen kommt ab 26. August mit dem Märchen „Hänsel und Gretel“ nach Oberfranken. Und die Kammeroper Köln präsentiert ab 17. August die Franz Lehár-Operette „Das Land des Lächelns“.

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