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Mehr Kunden und weniger Lebensmittel: Die Tafel stößt an ihre Grenzen

Weiden/Neustadt/WN. Mit den Ukraine-Flüchtlingen hat sich Zahl der Tafel-Kunden auf jetzt 3.600 erhöht. Gleichzeitig werden Lebensmittel wie Wurst und Nudeln knapp. Und dann sind ja da auch noch die hohen Spritpreise.

Tafel-Chef Josef Gebhardt freut sich über Seife und Shampoos, die die Schülerinnen der Sophie-Scholl-Realschule gesammelt hatten. Foto: Theo Kurtz

Mittwoch, kurz vor 14 Uhr. Die Regale in der Tafel-Ausgabestelle in der Fichtestraße in Weiden sind leergeräumt. Nur in der Kühltruhe schlummern noch eine paar Fertig-Pizzen. Exakt 231 Kunden waren in den dreieinhalb Verkaufsstunden da, ausschließlich Flüchtlinge aus der Ukraine. Mittwoch ist Ukrainetag. Tafel-Chef Josef Gebhardt und sein Team hatten das vor zwei Monaten so beschlossen.

Gebhardt geht durch den riesigen Verkaufsraum des ehemaligen Edeka-Marktes, in dem die Tafel vor gut fünf Jahren eingezogen ist. Er hebt ein Salatblatt vom Boden auf und eine etwas derangierte Feige. Neun Jahre ist er mittlerweile Chef der Tafel Weiden-Neustadt. Als früherer Geschäftsführer der Diakonie und ehemaliger SPD-Stadtrat kennt er fast Gott und die Welt, ist bestens vernetzt. Er weiß, wen er anrufen kann, wenn Not am Mann ist. Und das hilft ungemein, in einer extrem schwierigen Zeit. „Wir stoßen wirklich an unsere Grenzen“, erzählt er.

Tafel versorgt rund 1.000 Ukraineflüchtlinge

2.600 Stammkunden zählt die Tafel in der Stadt und im Landkreis Neustadt/WN. Die kaufen aktuell am Montag und Freitag ein. Seit Putins Überfall auf die Ukraine sind noch einmal gut 1.000 Bezugsberechtigte hinzugekommen – allesamt Flüchtlinge aus dem osteuropäischen Land. Die konnten sich bislang kostenlos bei der Tafel mit Lebensmitteln eindecken. „Da sind uns natürlich erhebliche Einnahmen weggebrochen“, betont Gebhardt. Seit 1. Juni müssen aber auch sie zahlen. Denn seit diesem Zeitpunkt können die Flüchtlinge Sozialleistungen beziehen.

Womit die Tafel aber extrem zu kämpfen hat, sind die Verknappung der Lebensmittel und die hohen Energiepreise. Für die drei Lieferautos, jedes legt im Schnitt 30.000 Kilometer im Jahr zurück, müssen jetzt im Monat 400 Euro mehr für Sprit ausgegeben werden. „Strom- und Heizkosten werden uns zusätzlich belasten“, vermutet Gebhardt.

Nudeln zum Muttertag? Keine Chance

Und plötzlich ist auch Selbstverständliches nicht mehr verfügbar. Banales Beispiel: Zum Muttertag wollte der Tafelchef schlichtweg eine Packung Nudeln als Dreingabe mit dazugeben. Gebhardt hatte rumtelefoniert. Ohne Ergebnis: „Es war nichts lieferbar“, erzählt er. Auch Wurst ist aktuell ein absolut rares Gut. Stattdessen gibt es Tiefkühlpizza, die ist wenigstens mit ein paar Scheiben Schinken oder Salami belegt. Um Versorgungsengpässe halbwegs zu vermeiden, tauscht man sich innerhalb der Tafeln aus. „Wir fahren jetzt sogar bis nach Kulmbach oder Nürnberg, um dort bei den Kollegen nicht benötigte Lebensmittel abzuholen“, erzählt Gebhardt. Das vergrößert natürlich zusätzlich die Tankrechnung.

Hygieneartikel sind „Aus“

Aktuell kaum mehr verfügbar sind Hygieneartikel. Die wurden anfänglich verstärkt an die Ukraine-Flüchtlinge abgegeben, die mit Nichts in der Region angekommen waren. „Das hat natürlich für Unmut bei unseren Stammkunden gesorgt“, weiß Gebhardt. Doch ihm gelingt es immer zu besänftigen und die Wogen zu glätten. „Wir strengen uns enorm an, damit ja keine Benachteiligungen entstehen.“ Auf diesen Engpass sind auch die Schüler der Sophie-Scholl-Realschule aufmerksam geworden. Die hatten Seife, Zahnpasta und Shampoos gesammelt und jetzt bei der Tafel vorbeigebracht.

Ein neues Lieferfahrzeug muss her

Gebhardt blickt schon mit einer Portion Ungewissheit in die Zukunft. „Mehr wie zwei, drei Wochen im Voraus können wir gar nicht mehr planen.“ Und dann macht ihm auch noch ein anderes Problem zu schaffen. Eines der Lieferfahrzeuge gibt langsam aber sicher den Geist auf. Ein Ersatz muss. Kostenpunkt: um die 40.000 Euro. „Die Kühleinrichtung macht es so teuer.“ Hilfe kann die Tafel also aktuell mehr den je gebrauchen. „Wir sind nicht nur auf Spenden angewiesen, wir brauchen dringend Fahrer und auch Dolmetscher, die ukrainisch sprechen“, zählt Gebhardt auf.

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