Kultur

Blickfang: Truppenübungsplatz, die bayerische Serengeti!

Likes 1 Kommentare

Grafenwöhr. Militär und Natur sind kein Widerspruch. Einblicke in die Biodiversität rund um Grafenwöhr.

„Sie nennen das die bayerische Serengeti. Es ist das lebendigste Naturschutzgebiet Bayerns", schwärmt US-Brigadegeneral Christopher Norrie, der Kommandeur des 7. US-Armee Ausbildungskommandos, vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Das 230 Quadratkilometer große Sperrgebiet hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem einzigartigen Refugium für viele Tier- und Pflanzenarten entwickelt, was beweist, dass Militär und Natur kein Widerspruch sind. 

Truppenuebungsplatz_Grafenwoehr_Wild_Impact_Weide.JPG
Zwischen Hartzielen und zerschossenen Panzerfracks grast in er Impact Area des Truppenübungsplatzes friedlich das Rotwild. Bild: Gerald Morgenstern.
Truppenuebungsplatz_Grafenwoehr_Wollgras.JPG
Wollgras: Ausgedehnte Wollgraswiesen erstrecken sich in der Sumpf- und Torflandschaft des Röthelweihergebiets. Bild: Gerald Morgenstern.
Truppenuebungsplatz_Grafenwoehr_Pause_im_Gruenen.jpg
Pause in grüner Natur. Bild: Gerald Morgenstern.
Truppenuebungsplatz_Grafenwoehr_Rotwild_Bunker.JPG
Ein Rotwildrudel neben alten Bunkeranlagen. Das menschenleere Gebiet des Oberpfälzer Hügellands mit seinen offenen Graslandschaften ist ideales Terrain für das Rotwild.  Bild: Gerald Morgenstern.
Truppenuebungsplatz_Grafenwoehr_Ursprung.jpg
In unberührter Natur sprudelt aus dem hellen Quarzsand die artesische Quelle des Altenweiher Ursprungs. Ein Naturidyll und eine hydrogeologische Besonderheit die verborgen im Sperrgebiet liegt. Bild: Gerald Morgenstern.
Truppenuebungsplatz_Grafenwoehr_Hirsch-Seeadler.JPG
Nicht Fuchs und Hase, sondern Adler und Hirsch sagen sich auf dem Übungsplatz gute Nacht. Von einem Hochsitz aus beobachtet ein Seeadler vorbeiziehende Rotwild. Bild: Gerald Morgenstern.
Truppenuebungsplatz_Grafenwoehr_Kraniche.JPG
Kraniche zählen neben Schwarzstörchen und weiteren geschützten Arten zu den Brutvögeln im Übungsplatzgelände. Bild: Gerald Morgenstern.
Truppenuebungsplatz_Grafenwoehr_Seeadler_mit_Fisch_.jpg
Ein Seeadler mit einem Fisch in den Fängen steigt auf. Bild: Gerald Morgenstern.
Truppenuebungsplatz_Grafenwoehr_Seeadler_Wrack.jpg
Schwere Flügelschläge sind notwendig bis der Seeadler in die Höhe kommt. Bild: Gerald Morgenstern.

Natur erobert ihr Reich zurück! 

Von der königlich bayerischen Armee wurde um 1910 das 90 Quadratkilometer große Gelände südwestlich von Grafenwöhr als Schießplatz ausgewiesen. Im dritten Reich erfolgte die Erweiterung auf die heutige Größe. 3.500 Menschen mussten ihre angestammte Heimat verlassen, 58 Ortschaften, Gehöfte und Weiler wurden abgelöst.

Nur noch Ruinen, Mauerreste, Keller und Brunnenlöcher sind davon übriggeblieben. Die Natur holte sich im Laufe der Jahrzehnte zurück, was ihr einst mühsam abgerungen wurde.

US-Umweltabteilung: Truppenübungsplatz wieder grün 

Seit 1945 wird der Truppenübungsplatz Grafenwöhr von der US-Armee verwaltet, die auch der Hauptnutzer ist. Waldbrände setzten in der Nachkriegszeit dem Gelände stark zu. Bis Mitte der 1990er Jahre kam es durch ausgedehnte Manöverübungen teilweise zu starker Bodenerosion. Gezielte Maßnahmen führten dazu, dass der Übungsplatz Grafenwöhr jetzt wieder grün ist.

Mit einer „Umweltverträglichkeitserklärung“ hat sich die US-Armee bereits 1977 weltweit den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben. In Grafenwöhr sorgt die personalstarke „Enviromental Division“ der US-Armee Garnison Bavaria für den technischen Umweltschutz und den klassischen Naturschutz. „Die Umwelt schützen - die Truppe unterstützen – die Zukunft sicher“ ist der Auftrag der US-Umweltabteilung, die für ihre Arbeit und Erfolge mehrere Preise erhalten hat. 

Mehrfach ausgezeichnet 

Als weiteres Standbein der Natur in Grafenwöhr zählt der Bundesforstbetrieb. Militärische Nutzung und Naturschutz in Einklang zu bringen ist der Auftrag der Forstverwaltung schon seit über 100 Jahren, denn bereits 1910 wurde ein Militärforstamt eingerichtet. Forst- und naturschutzfachliche Geländebetreuung, sowie Dienstleistungen für die Streitkräfte zur nachhaltigen Nutzung des militärischen Areals sind die Kernaufgaben des heutigen modernen Bundesforstbetriebs.

Auch die Arbeit des Bundesforsts wurde mehrfach ausgezeichnet. Für ihr Rotwild-Projekt am Truppenübungsplatz Grafenwöhr erhielt der Bundesforst zusammen mit weiteren Partnern den UN-Dekadenpreis. 

Truppenübungsplatz ein "Schatzkästchen der Natur"

Durch die konsequente Arbeit von Forst, Umweltabteilung und Militär ist aus dem Truppenübungsplatz ein Schatzkästchen der Natur geworden. Anfang der 2000er Jahre meldete die Bundesrepublik 90 Prozent der Übungsplatzfläche zur Unterschutzstellung im Zuge des EU-Programms „Natura 2000“. Die Vogelschutzrichtlinie und die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union sind somit Gesetz.

Der militärische Übungsbetrieb schafft abwechslungsreiche und offene Landschaften und damit optimale Lebensbedingungen. Grünland, Wälder, Heiden, Jurafelsen, Sumpf- und Torfgebiete, Moore und Gewässer sind Grundlagen für die Ökosysteme. Das strikte Betretungsverbot des Übungsplatzes für die Allgemeinheit trägt des weiteren zur Artenvielfalt bei. Die Aussage „Die Natur muss nicht für, sondern vor dem Menschen geschützt werden“ bewahrheitet sich im Sperrgebiet.

Über 3.000 verschiedene Arten 

In den vergangenen Jahren ließ die Umweltabteilung verschiedene Bestandsaufnahmen und Erhebungen durchführen. Die sensationelle Anzahl von rund 3.000 verschiedenen Arten von Pflanzen, Insekten, Amphibien, Säugetieren und Vögeln wurde dabei innerhalb des Übungsgeländes registriert.

Über 800 davon sind als bedroht oder gefährdet auf der sogenannten „Roten Liste“ klassifiziert. Zu dieser einzigartigen Biodiversität zählen unter anderen der Mittlere Sonnentau, Frauenschuh, Küchenschelle, Silberdistel, Heidenelke, europäischer Siebenstern, Sibirische Schwertlilie und auch das Helm-Knabenkraut. Wildkatze, Schwarzstorch, Luchs, Rohrweihe, Kranich Rohrdommel, verschiedenste Fledermausarten und seit 2016 auch der Wolf haben im Übungsplatz wieder ihre Heimat gefunden.

Idealer Lebensraum 

Bereits Ende der 1980er Jahre entwickelte sich im Grafenwöhrer Militärareal eine eigenständige Population mit Fisch- und Seeadler. Grafenwöhr wurde zur Keimzelle für die Ausbreitung des größten mitteleuropäischen Greifvogels, des Seeadlers, in Süddeutschland. Adler sind Aasfresser und leben vom Fallwild und den Fischen in den Seen.

Das enorme Rotwildaufkommen im Sperrgebiet gibt der Bundesforst auch mit als Grund für den Adlerbestand an. Durch Landschaftsstruktur und Betretungsverbot ist seit jeher der Übungsplatz idealer Lebensraum für Wild. „Deer Haven – Himmel der Hirsche“ nennen die amerikanischen Soldaten den Übungsplatz.

Riesige Rudel von Rotwild durchstreifen die Wälder und sind beim Äsen auf den Freiflächen zu sehen, der Truppenübungsplatz gilt als das wildreichste Gebiet Deutschlands. „Mittlerweile ist die positive Wirkung des großen Rotwildbestandes zur Pflege der Landschaft auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr wissenschaftlich belegt. Die Vorteile für das Militär, die Natur, den Artenschutz wie auch den Wald sind in dieser nahezu idealen Kombination sehr bedeutend und einmalig“, so Forstdirektor Ulrich Maushake

Deine Meinung? Hier kommentieren!

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Hubert Seidl 09. Mai 2021 um 17:34
    Ich habe das früher mit erleben dürfen als Range Mitarbeiter jetzt bin ich in Rente Grafenwöhr der Truppenübungsplatz ist ein Natur Wunder trotz des Schießens schön das ich sehen und miterleben dürfte.