Exklusiv Blaulicht

Wie geht man mit einer Amoklage um, auch wenn sie glimpflich verlaufen ist?

Wiesau. Zwei Tage nach der befürchteten Amoklage hat sich die Situation am staatlichen Berufsschulzentrum (BSZ) zumindest äußerlich beruhigt.

Im Berufsschulzentrum Wiesau herrschte am Dienstag große Aufregung. Foto: Udo Fürst
Im Berufsschulzentrum Wiesau herrschte am Dienstag große Aufregung. Foto: Udo Fürst
Thomas Metzler, Leiter des Berufsschulzentrums:
Thomas Metzler, Leiter des Berufsschulzentrums: „In einem solchen Fall bleibt uns keine andere Wahl als die Polizei zu rufen. Foto: BSZ Wiesau
Udo Fürst
BSZ Wiesau

Hinter Oberstudiendirektor (OStD) Thomas Metzler, dem Leiter des BSZ, liegen aufregende Tage, auf die er wohl liebend gerne verzichtet hätte. Am Dienstag gab es einen Großeinsatz der Polizei in seinem Haus, nachdem eine Schülerin eine verdächtige Handynachricht bekommen hatte. „Hier in der Schule läuft jemand mit Waffe rum. Sagt das mal euren Lehrern“, lautete die Nachricht, die ein 15-Jähriger mittels „Apple Airdrop“ dem Mädchen geschickt hatte.

Per Airdrop

Mit Apple Airdrop kann man zwischen Apple-Geräten Dateien, Fotos oder Notizen austauschen – auf einer Entfernung von bis zu neun Metern. Das funktioniert automatisch, wenn die W-Lan- und Bluetooth-Funktion eingeschaltet sind. Die Schülerin zeigte die Nachricht ihrem Lehrer und dieser informierte Schulleiter Metzler. „In einem solchen Fall bleibt dir nur eins: schnellstens die Polizei anrufen“, betont der Pädagoge.

Was dann folgte, hätte auch Stoff für einen Film sein können: Polizei und Kripo rücken mit 15 Streifen aus der ganzen Umgebung an. Zuvor hatten sich alle Lehrer mit ihren Schülerinnen und Schülern – bei Vollbesetzung zählt die Schule 1.700 – gemäß dem Notfallplan in ihren Klassenzimmern eingesperrt. Mittlerweile rufen viele aufgeregte Eltern in der Schule an – alarmiert von ihren Kindern.  

Heftige Belastung

„Das war schon heftig für alle Beteiligten“, erklärt Metzler und berichtet, dass einige Lehrkräfte und Schüler noch kräftig zu kauen hätten an der Geschichte. „Bei mir hat sich der Schock schon gelegt. Ich hatte so viel zu tun, dass ich gar nicht richtig zum Nachdenken gekommen bin. Jene Lehrer und Schüler, die direkt mit der vermeintlichen Gefahrenlage konfrontiert wurden und in ihren Zimmern eingesperrt waren, hatten da natürlich eine ganz andere Belastung. Das wird manche noch länger beschäftigen“, befürchtet der Schulleiter.

15-Jähriger ertappt

Nach der Alarmierung haben Polizeibeamte alle Klassenzimmer nach der vermeintlichen Waffe abgesucht. „Gott sei Dank, ohne Ergebnis“, sagt Metzler. Danach machten sich IT-Spezialisten der Polizei und von der Schule auf die Suche nach dem Handy des Absenders. Und wurden schnell fündig. Ein 15-Jähriger, der erst zwei Wochen an der Schule ist, hatte die Nachricht abgesetzt. Dieser Blödsinn kann ihm nun teuer zu stehen kommen.

„Wir haben natürlich sofort die Eltern verständigt und ihn von der Schule ausgeschlossen“, sagt der Schulleiter und weiß, dass dies nur die disziplinarische Seite ist. Die strafrechtlichen Konsequenzen könnten für den Heranwachsenden noch viel härter ausfallen.

Dennoch wolle er den Jugendlichen nicht komplett verdammen. Metzler: „Das war natürlich großer Schwachsinn und ist auch nicht mit dummer Scherz abzutun. Deshalb musste ich klare Kante zeigen in dem Fall. Aber der Junge ist erst 15 Jahre alt und hat das Leben noch vor sich. Er sollte auch wieder eine Chance bekommen, wenn er gebüßt hat – und büßen wird er, so viel ist sicher.“

Als Abschreckung?

Eines zumindest könnte der Nachrichtenversender erreicht haben, hofft Thomas Metzler, nämlich eventuelle Nachahmer abzuschrecken. „Wenn man sieht, welcher Rattenschwanz an einer solchen Dummheit hängt…. Rauswurf von der Schule, Hausdurchsuchung bei den Eltern, eine eventuell saftige Strafe und, und, und. Wer will das schon?“, fragt der 53-jährige Pädagoge und Chef von 1.700 jungen Menschen.

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