„Viktoria gehört einfach dazu“: Ukrainerin mit Tochter und Dackel in Gastfamilie in Weiden [mit Video]

Weiden. Viktoria Vozna floh mit Kind und Hund vor dem Krieg. Bei Birgit Meier in Weiden hat die Alleinerziehende eine Unterkunft gefunden - und eine Familie. Über eine ideale Patenschaft.

Viktoria Vozna (Mitte) mit ihrer Tochter Veronika und Patin Birgit Meier in der Mehrzweckhalle in Weiden, wo sie nur einen Tag bleiben musste. Seit sechs Wochen wohnt sie in der Gastfamilie. Bild: David Trott

„Wir hatten ein schönes Leben in der Ukraine“, sagt Viktoria Vozna. Wegen des Geldes sei sie nicht geflohen. Die alleinerziehende Mutter (39) hatte eine eigene Wohnung, einen Job, ein Auto, in einer Stadt, 200 Kilometer von Kiew entfernt, nicht größer als Weiden. „Aber ich wollte mein Kind schützen.“ Ihre Tochter Veronika ist 5 Jahre alt, oft drückt sie die Mutter während des Gesprächs an sich.

Dackel hat Glück gebracht

Den Kriegsbeginn am 24. Februar haben die beiden unmittelbar erlebt. 15 Kilometer entfernt schlugen Bomben und Raketen ein. Am 13. März entschied sich Viktoria Vozna zu flüchten, mit ihrer Tochter, ihrem Dackel und einer Tasche. Erst mit dem Zug an die Grenze, dann drei lange Tage im Bus, bis zum Ankerzentrum in Regensburg. Von dort ging alles sehr schnell. Sie kamen in die Notunterkunft in der Mehrzweckhalle in Weiden. Dort blieben sie nur eine Nacht. Der Dackel hat ihnen Glück gebracht.

Neues Heim im Hobbykeller

Denn Birgit Meier aus Weiden suchte eine Familie mit Hund. Ihr Leben dreht sich um Hunde, sie betreibt Hundepension und Hundeschule. Sie suchte eine Person, die keine Berührungsängste mit den Tieren hat. Die beiden Frauen trafen sich in der Mehrzweckhalle: „Wir haben uns gesehen und waren uns sofort sympathisch“, sagt Meier. So zogen Viktoria Vozna samt Kind und Hund in den Hobbykeller der Meiers ein.

Orthodoxes Osterfest zusammen gefeiert

Sechs Wochen leben sie nun zusammen. Jeden Mittag essen sie gemeinsam, die anderen Mahlzeiten getrennt. Bei aller Nähe ist auch Privatsphäre wichtig. Abends sitzen sie oft zusammen. „Wir reden viel über Traditionen“, erzählt Meier. Ostern haben sie groß zusammen gefeiert. Viktoria Vozna ist orthodoxe Christin, in der Ukraine ist Ostern ein wichtiges Fest, das eine Woche später als bei den Katholiken gefeiert wird. Vozna bedeutet es viel, dass sie mit ihrer Tochter trotz des Krieges die Tradition weiterführen kann. Auch haben sie einen Kindergartenplatz für die Kleine gefunden. Das ist nicht einfach. Schon vor der Ukrainekrise gab es einen Mangel an Kindergartenplätzen in Weiden.

„Viktoria gehört einfach dazu“

Als Vozna Birgit Meier für alles dankt, hat sie Tränen in den Augen. „Es geht mir sehr gut jetzt. Ich danke Birgit so sehr. Sie behandelt uns nicht wie Fremde, sondern wie einen Teil der Familie“, sagt Vozna. Gerade ist Meier ihre engste Vertraute. „Ich habe niemanden anders.“ Birgit Meier streicht ihr über den Arm, als die ukrainische Familie sich die Tränen trocknet. „Viktoria gehört einfach dazu“, sagt Meier.

Stadt sucht nach Unterkünften

Die Stadt sucht immer noch dringend nach Wohnungen und privaten Unterkünften für Geflüchtete. Auf der Webseite der Stadt gibt es ein Formular für Wohnungsanbieter, in denen sie Wohnungen anbieten und auch den Mietpreis angeben können.

Ideal sind Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern, die bereits zumindest teilweise möbliert sind – zum Beispiel mit einer Küche.

„Idealfall einer Patenschaft“

„Das ist der Idealfall einer Patenschaft“, sagt Manfred Weiß, Integrationslotse der Diakonie in Weiden. Er kümmert sich darum, dass die ukrainischen Familien weitervermittelt werden. Gegenseitige Sympathie sei sehr wichtig. Er habe aber auch Beispiele erlebt, in denen es nicht geklappt hat. Dann sind Familien aus der privaten Bleibe in die Notunterkunft zurückgekommen. Die Situation schärfe sich mit der Zeit zu. „Wir haben alle unterschätzt, wie lange der Krieg dauert.“ Meier sieht das pragmatisch: „Wir haben vielleicht ein paar Wochen oder Monate Umstände. Das ist aber nichts im Vergleich zu dem, was die Leute durchgemacht haben.“

„Die Ukraine ist mein Zuhause“

Fragen nach der Zukunft fallen schwer in dieser Situation. Viktoria ist sich jedoch sicher: Sie will wieder zurück. Sie sei dankbar für das, was man für sie getan habe. Das könne umgedreht auch hier passieren, Deutschland könne angegriffen werden. „Aber die Ukraine ist mein Zuhause.“

„Spasibo“, sagt Viktoria immer wieder am Ende des Gesprächs, sie dankt uns, ihrer Patin Meier, den Integrationslotsen, Deutschland. „Spasibo“ ist russisch für „Danke“. Eigentlich will sie gar kein Russisch reden, vor allem nicht, wenn es um den Krieg und die Flucht geht, sagt sie. Aber der Übersetzer für das Interview, ein Security-Mitarbeiter aus der Mehrzweckhalle, kann nur Russisch. „Dyakuyu“ heißt es auf Ukrainisch.

Tochter Veronika hat bereits einen Kindergartenplatz. Bild: David Trott

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