Exklusiv Politik

Toni Hofreiters Reise in eine Region, die mit vielen Problemen zu kämpfen hat

Bad Neualbenreuth/Běla nad Radbuzou. Einen Tag im Stiftland und im angrenzenden Böhmen verbrachte Grünen-Politiker Anton Hofreiter auf Einladung von MdL Anna Schwamberger.

Bei einer kurzen Wanderung informierte sich Anton Hofreiter bei der Landtagsabgeordneten Anna Schwamberger über die spezielle Situation im Egerer Wald. Foto: Udo Fürst
Bei einer kurzen Wanderung informierte sich Anton Hofreiter bei der Landtagsabgeordneten Anna Schwamberger über die spezielle Situation im Egerer Wald. Foto: Udo Fürst
Welche Schwammerl gibts bei uns?  Michael Rückl, Projektleiter des Naturtouristischen Gesamtkonzepts Bad Neualbenreuth, und Anton  Hofreiter an der Pilz-Infotafel auf dem Wanderparkplatz am Egerer Wald. Foto: Udo Fürst
Welche Schwammerl gibts bei uns? Michael Rückl, Projektleiter des Naturtouristischen Gesamtkonzepts Bad Neualbenreuth, und Anton Hofreiter an der Pilz-Infotafel auf dem Wanderparkplatz am Egerer Wald. Foto: Udo Fürst
Ein eigenes Foto-Puzzle kreierte die tschechische Außenstelle der Altenstädter Firma Fotopuzzle für Anton Hofreiter (rechts). Auf dem Foto Geschäftsführer Dr. Christian Schramek, dessen Tochter Emma und MdL Anna Schwamberger. Foto:  Udo Fürst
Ein eigenes Foto-Puzzle kreierte die tschechische Außenstelle der Altenstädter Firma Fotopuzzle für Anton Hofreiter (rechts). Auf dem Foto Geschäftsführer Dr. Christian Schramek, dessen Tochter Emma und MdL Anna Schwamberger. Foto: Udo Fürst
Frisch aus der
Frisch aus der „Presse“: das Puzzle mit Hofreiters Konterfei. Foto: Udo Fürst
Gleich vier verschiedene Puzzles mit dem Hofreiter-Konterfei hatten die puzzleYOU-Mitarbeiter vorbereitet. Foto: Udo Fürst
Gleich vier verschiedene Puzzles mit dem Hofreiter-Konterfei hatten die puzzleYOU-Mitarbeiter vorbereitet. Foto: Udo Fürst
Udo Fürst
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Für den Grünen-Politiker Anton Hofreiter dürfte die Rundreise eine willkommene Abwechslung vom krisengeplagten Alltag der vergangenen Wochen und Monate gewesen sein. Fast einen Tag verbrachte der Münchener Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende im Europa-Ausschuss des Bundestags im deutsch-tschechischen Grenzland.

Eingeladen hatte ihn seine Parteifreundin und Landtagsabgeordnete Anna Schwamberger aus Bärnau in den Egerer Wald bei Neualbenreuth und ins böhmische Běla nad Radbuzou (Weißensulz), einer Produktionsstätte des Altenstädter Puzzleherstellers „puzzleYOU“.

Zwei Welten

Zwischen den beiden Terminen machten die Mitglieder des Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen mit ihrem Stargast Mittagspause im Gasthaus „Kleine Kappl“. Dort stießen der Bürgermeister von Bad Neualbenreuth, Claus Meyer, sowie Norbert Zintl, Revierleiter des Forstbetriebs Waldsassen, und dessen Kollege Michael Pröls, Revierleiter des Forstbetriebs Mähring, zur Delegation. Um es vorweg zu nehmen: Es war eine nicht ganz gemütliche Rast für den Grünen-Abgeordneten.

Bei Hirschgulasch und hausgemachten Spätzle (Hofreiter) und einem bunten Salatteller (Meyer) wurde nämlich schnell deutlich, dass hier ideologisch zwei Welten aufeinandertreffen. Während der Bürgermeister Windräder auf seinem Gemeindegebiet strikt ablehnte („Wir versorgen uns seit Jahrzehnten mit unserer Hackschnitzelanlage ausreichend mit sauberer Energie“), betonte Hofreiter, dass die Klimaziele und die „vernünftigen“ neuen Vorgaben der Regierung zum forcierten Ausbau von Wind- und Solarkraft nur gemeinsam zu erreichen seien.

„Nur gemeinsam“

Meyer: „Wir sollen jetzt dem Planungsverband bis Ende Oktober Vorrangflächen für Windräder melden. Das ist nicht zu schaffen. Außerdem sollte man sich überlegen, was andere Kommunen leisten können, die bisher auf diesem Sektor recht bescheiden unterwegs sind, oder die hohe Gewerbesteuereinnahmen haben.“ Außerdem sei das Problem nicht allein durch Windenergie zu lösen. Dem widersprach Hofreiter mit dem Hinweis, dass die Vorgaben der Regierung auch Solar- und Photovoltaikanlagen beinhalten.

„Wenn jede Kommune allein vor sich hin wurstelt, funktioniert so was natürlich nicht. Jahrelang wurde in Bayern und auch hier im Landkreis geschlafen. So geht das nicht weiter.“ Die Energiewende sei nur durch das Zusammenspiel vieler Faktoren zu schaffen. Dazu gehöre neben Wind und Sonne ein vernünftiger Waldumbau, Häuser mit Niedrig- oder Passivbauweise und der Abschied von Verbrennungsmotoren.

25 neue Windräder?

Anna Schwamberger plädierte ebenfalls für die kommunale oder überregionale Zusammenarbeit. „Der Landkreis braucht nach den neuen Vorgaben 25 neue Windräder. Davon können je acht am Grenzkamm bei Bärnau und im Hessenreuter Wald gebaut werden. Der Rest muss doch zu schaffen sein.“ Sie riet den Bürgermeistern im Landkreis, mehr miteinander zu reden, wie das gemeinsam erreicht werden könne.

Waldumbau im Gang

Förster Norbert Zintl gab dann einen kurzen Lagebericht zur Situation der Wälder. „Vor zwei Jahren hatten wir ein Riesenproblem mit dem Borkenkäfer und noch länger kämpfen wir gegen die gravierende Trockenheit.“ Doch damit müsse man zurechtkommen und deshalb sei der Waldumbau voll im Gang. „So wie bisher mit einer Fichte/Tanne-Monokultur überleben unsere Wälder nicht.“

Schließlich ging das Treffen zwar freundlich und friedlich, aber ohne große Annäherung zu Ende. „Da ist noch viel Überzeugungsarbeit nötig“, war Hofreiter sicher.

Foto-Puzzle für Hofreiter

Zweite und letzte Station der Grünen-Exkursion war nach einer fast einstündigen Fahrt das tschechische Běla nad Radbuzou. Dort öffnete der Altenstädter Foto-Puzzle-Hersteller bereits 2010 eine zweite Produktionsstätte. Dr. Christian Schramek, puzzleYOU s.r.o.-Geschäftsführer, führte die Gäste durch den 40 Mitarbeiter großen Betrieb und überraschte Toni Hofreiter mit der Produktion eines eigens für ihn gefertigten Fotopuzzles. Als Erinnerung durfte er 15 Exemplare des Puzzles mit nach Hause nehmen. Im Mittelpunkt der Zusammenkunft aber stand der Austausch über die deutsch-tschechischen Beziehungen und mögliche Probleme bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

2009 gegründet

Das 2009 gegründete Unternehmen mit Sitz in Altenstadt/WN hat sich bereits 2010 für die Gründung der Tochtergesellschaft puzzleYOU s.r.o. im tschechischen Bělá nad Radbuzou entschieden, wo seither die Produktion der Firma beheimatet ist.

Wie die grenzüberschreitende Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Zentrale und Produktion funktioniert und welche Hindernisse es auf wirtschaftspolitischer Ebene gibt, stand dabei im Fokus. Dr. Christian Schramek, puzzleYOU-Geschäftsführer, freute sich über das Interesse des Abgeordneten, da dadurch Probleme politischer Natur direkt und auf Augenhöhe an die zuständigen Entscheidungsträger kommuniziert werden könnten.

Warum Tschechien?

Gesprochen wurde auch über die Chancen und Probleme einer dezentralen Organisation von Unternehmenssteuerung und Produktion. Ein Schwerpunkt lag auf der Standortfrage sowie auf arbeitsmarkt-, wirtschafts- und energiepolitischen Themen. Auf die Frage Hofreiters, weshalb als Produktionsstandort Tschechien ausgewählt wurde, antwortete Schramek, dass hier zu Beginn
vor allem kostentechnische Gründe entscheidend gewesen seien.

Aufgrund der zunehmenden Automatisierung im Lauf der Jahre sei dieser Punkt heute aber obsolet. Dennoch wolle man am gewählten Standort festhalten, da dieser nicht weit von der Zentrale in Altenstadt entfernt ist und man in Tschechien in den vergangenen Jahren sukzessive erweitert und ausgebaut habe.

Größter Arbeitgeber

Heute sei der Puzzlefabrikant einer der größten Arbeitgeber in dieser tschechischen Region. Dem Fachkräftemangel begegne man mit einem starken Fokus auf Fort- und Weiterbildungen inklusive monetärer Anreize, um qualifiziertes Personal aus den eigenen Reihen heraus aufzubauen. Ein großes Problem sei jedoch die Sprachbarriere, erklärte Schramek. Hier seien eigentlich umfassende Kenntnisse der jeweiligen Landessprache wichtig, um miteinander zu kommunizieren. Staatlich geförderte Weiterbildungen auf diesem Gebiet wären dabei zielführend.

In Bezug auf die Lage in der Ukraine rückt der Grünen-Abgeordnete nicht von seiner Haltung ab. „Nein“, antwortete er auf die Frage, ob er jetzt zufrieden sei mit den Waffenlieferungen Deutschlands in das Krisengebiet. „Wir haben da noch immer viel Luft nach oben“, sagte Hofreiter, der für seine Haltung auch schon einige Kritik – auch von seinen Parteifreunden – einstecken musste. „Anders kann man Putin nicht stoppen. Er muss merken, dass der Westen nicht nachgibt und zusammenhält.“

Angespannte Energielage

Brennpunktthema war auch die angespannte Lage auf dem europäischen Energiemarkt. Man bemühe sich, unabhängiger vom internationalen Markt zu werden, insbesondere was das Gas betreffe, sagte Schramek. Jedoch lasse sich ein Unternehmen dieser Größe nicht von heute auf morgen umkrempeln. Man habe aber zum Beispiel schon Wärmepumpen eingebaut, um
umweltfreundlicher zu heizen. Zudem beziehe man Öko-Strom für die Produktion und eine Photovoltaikanlage sei in Planung.

Stets offenes Ohr

Anton Hofreiter versicherte, dass er stets ein offenes Ohr für die Belange der Unternehmen habe und deren Probleme sehr ernst nehme. Gemeinsam mit seinen Abgeordneten-Kollegen wolle er versuchen, grenzübergreifend tätige Firmen in diesen Belangen bestmöglich zu unterstützen.

Nach dem eineinhalbstündigen Austausch hieß es zügig Abschied nehmen, um in Weiden noch den Zug zu erreichen. Toni Hofreiter nutzt für alle Termine ausnahmslos die Bahn. Lediglich die Tour im Grenzland musste er gezwungenermaßen im Auto von Anna Schwamberger absolvieren.

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