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Burgfestspiele Vilseck: „Drei Fragen an …“ Kunst-Zuschauer Jürgen Huber

Vilseck. Wo, bitte schön, taucht Jürgen Huber eigentlich nicht auf? Gerade noch in Berlin promeniert der künstlerisch wertvolle und politisch versierte Zuschauer schon wieder über den Burghof in Vilseck. Was hält der ehemalige Regensburger Grünen-Bürgermeister vom Troglauer?

Künstler Jürgen Huber fand Gefallen an den Burgfestspielen Vilseck, Bild; Jürgen Herda

Wie gut gefällt dir als ehemaliger Grüner Bürgermeister die Rolle des Troglauer: Hättest du ihm geraten, er müsse nur den Gang durch die Institutionen antreten oder hätte dir der Job als Räuberhauptmann auch getaugt?

Jürgen Huber: Na, als amtierender Bürgermeister, im Amt und mit öffentlichen Aufgaben, muss man natürlich den Troglauer in die Schranken weisen, das ist doch klar. Aber wenn ich die Obrigkeit gewesen wäre, damals, statt des Centrichters, dann hätte es den Troglauer ja gar nicht gebraucht. Ich hätte die Menschen ja nicht so ausgepresst und kujoniert. Der Räuber aus Mantel ist im Stück ja so ein bissl ein Oberpfälzer Robin Hood, was er wohl nicht war. Sympathisch wird er für mich, im Stück, dadurch, dass er eben selber denken kann.

Siehst du in unserer postmodernen, hoch spezialisierten hundskomplexen Gesellschaft noch Raum für rebellische Romantik – „Fridays for Future“-Kämpfer, die sich auf der Straße festkleben, Autonome und Attack, die den globalen Kapitalismus mit Molotow-Cocktails attackieren. Aber auch Verquerdenker, die ihre Verschwörungstheorien bei Spaziergängen ausleben?

Jürgen Huber: Der jetzige Wirtschaftsminister in Berlin, der ist doch ein echter Romantiker. Nicht im Sinne von Kopf in den Wolken oder so. Aber er versucht die Wirklichkeit, als Minister zu gestalten, wie er es sich ausgemalt hat, in seinem Oberstübchen. Das ist für mich schon romantisch. Romantisch, kunsthistorisch gesehen ist ja nicht zuallererst das Candle-Light-Dinner oder so was, sondern die Fähigkeit, sich Dinge ideal vorzustellen.

Und wenn man das dann macht, also umsetzt, in der realen Welt, ist man in meinem Sinne „praktischer Romantiker“. Festkleben auf der Autobahn ist für mich eher radikal als romantisch. Und: Romantisch heißt ja nicht absichtlich doof zu sein. Hölderlin war halt leider bald sehr krank, aber im Grunde genauso romantisch wie sein Zeitgenosse und Studienkollege Hegel.

Suchbild: Irgendwo unter den Ehrengästen lauscht auch Jürgen Huber gebannt dem Schauspiel. Bild: Jürgen Herda

Was gefällt dir besser: Ein deftig-kritisches Volksstück oder eine artifizielle Nabelschau wie bei Peter Handke, wo die Akteure zwei Stunden aneinander vorbeilaufen, um die Kommunikationslosigkeit der Headdown-Generation zu spiegeln?  

Jürgen Huber: Ach, das ist doch oft gar nicht so gegensätzlich, oder? Gute Volksstücke sind meist von sehr guten Autoren. Sehr gute Menschenkenner, Mitdenker, Menschenfreunde braucht es, um ein gutes Stück zu schreiben. Da wie dort. Zugegeben, Handke ist eher Misanthrop, aber Bernhard Setzwein dafür umso mehr Menschenfreund.

Ich fand seine „Lola Montez“ auf der Burg Dagestein schon so ein tolles Stück, pfiffig, in der Sprache der Menschen, trotzdem voller Kunstfertigkeit und sprachlicher Raffinesse. Das fasziniert mich auf der „Kunstbühne“ gleichermaßen wie auf den Volkstheaterbretteln. Am besten soll und muss eh das Publikum selber urteilen, aber erst, nachdem man es gesehen hat. Dazu muss man halt hingehen.

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