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Beim Klimawandel ist es bereits „5 nach 12“

Weiden. Zum Thema Erneuerbare Energien im Allgemeinen und Windenergie im Speziellen hat unser Redakteur Udo Fürst eine klare Meinung.

NEW Windpark Creußen
Im Windpark Neuhof bei Creußen besitzt die NEW zwei Windräder. Nun wird sich die Bürger-Energiegenossenschaft auch am Windpark im Hessenreuther Wald beteiligen. Foto: Udo Fürst

Kommentar: Beim Klimawandel ist es bereits „5 nach 12“

Seit Jahren gilt Bayern als größter Bremser in Sachen Windkraft. Das wird sich nun hoffentlich ändern nach dem Beschluss der Bundesregierung, den Ausbau der alternativen Energieträger Wind und Sonne zu forcieren und dabei auch die Länder in die Pflicht zu nehmen. Und das ist gut so!

Für viele Wissenschaftler ist es schon „5 nach 12“, was die Klimakatastrophe betrifft. Wir haben nicht mehr viel Zeit, um die Lebensgrundlagen für unsere Kinder und Enkel wenigstens halbwegs zu retten. Zu einer wirkungsvollen Trendumkehr gehört ein vernünftiger Energiemix aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse.

Öl und Kohle sind erstens endlich und zerstören zweitens die Umwelt. Atomkraftwerke hinterlassen jahrtausendelang ihren radioaktiven Abfall und auch die Mär vom „billigen Atomstrom“ ist schnell widerlegt: Tatsächlich fallen dafür deutlich höhere Kosten an als bekannt: Sogenannte verdeckte Kosten. Denn Atomstrom erscheint nur deshalb billiger als Ökostrom, weil die massive Förderung der Kernkraft durch die Steuergelder meistens nicht berücksichtigt wird.

Von 1950 bis 2010 sind in Deutschland mehr als 200 Milliarden Euro in Atomstrom investiert worden. Mehr als in jede andere Energieform. Diese Kosten erscheinen nicht auf der Stromrechnung, im Unterschied zur Förderung von Erneuerbaren Energien. Tatsächlich ist richtig, dass bereits jetzt Erneuerbare Energien ohne Förderung konkurrenzfähig wären, würden die Strompreise fair berechnet. Und wie sehr wir uns auf Gas verlassen können, zeigt uns der russische Diktator seit Wochen schonungslos.

Gegen die Zerstörung der Natur wirken ästhetische oder gebetsmühlenhaft vorgeschobene Hinderungsgründe wie Vogel- und Landschaftsschutz vor allem bei Windrädern wie ein schlechter Scherz. Es sollte keine Frage sein, wo Windräder gebaut werden, sondern wann und wie viele. Auch und vor allem in Bayern. Natürlich muss man die Anlagen nicht gerade in wertvolle Biotope oder auf die höchsten Berge stellen. Aber der Windatlas verdeutlicht, dass zum Beispiel im Hessenreuther Wald „küstenähnliche“ und damit bestens geeignete Windverhältnisse herrschen. Nicht zuletzt zeigt die Bürgerenergiegenossenschaft „NEW“, wie auch „Otto Normalverbraucher“ daran partizipieren und mit Erneuerbaren Energien Geld verdienen können.

Spätestens wenn in spätestens 30, 40 Jahren Dürre, Hitzerekorde und Flutkatastrophen in eigentlich gemäßigten Regionen wie Mitteleuropa an der Tagesordnung sind, werden auch die eifrigsten Kritiker regenerativer Energien merken, wie dünn doch ihre heutigen Argumente sind. Das dürfte aber für unsere Nachfahren nur ein sehr schwacher Trost sein.

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