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Kriminalstatistik: Der Landkreis Tirschenreuth ist eine der sichersten Regionen im Land

Tirschenreuth. Der Landkreis ist Spitze - auch bei der polizeilichen Kriminalstatistik, die am Montag im Landratsamt präsentiert wurde. Im vergangenen Jahr gab es mit 2324 Fällen so wenig Straftaten wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren - was aber auch an Corona liegen könnte.

958 Wildunfälle - fast die Hälfte aller Unfälle -  ereigneten sich im vergangenen Jahr im Landkreis Tirschenreuth.  Foto: Archiv News5
958 Wildunfälle – fast die Hälfte aller Unfälle – ereigneten sich im vergangenen Jahr im Landkreis Tirschenreuth. Foto: Archiv News5
Der Oberpfälzer Polizeipräsident Norbert Zink (links) überreichte Landrat Roland Grillmeier die  polizeiliche Kriminalstatistik 2021. Im Gegenzug bekam Zink das Landkreisbuch geschenkt. Foto: Udo Fürst
Der Oberpfälzer Polizeipräsident Norbert Zink (links) überreichte Landrat Roland Grillmeier die polizeiliche Kriminalstatistik 2021. Im Gegenzug bekam Zink das Landkreisbuch geschenkt. Foto: Udo Fürst
News5/Wellenhöfer
Udo Fürst

„Der Landkreis Tirschenreuth glänzt nicht nur wirtschaftlich und was die Lebensqualität angeht, sondern auch bei den niedrigen Zahlen der Straftaten“, freute sich Landrat Roland Grillmeier beim Sicherheitsgespräch, an dem neben einigen Behördenmitarbeitern auch acht hohe Beamte von Polizei und Bundespolizei mit Polizeipräsident Norbert Zink an der Spitze teilnahmen.

Grillmeier freute sich über die positive Entwicklung und die gute Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Polizeibehörden. Zugleich gab er zu bedenken, dass man wohl einerseits von der dünnen Besiedelung in einer ländlichen Gegend und andererseits von den Corona-Ausgangsbeschränkungen im vergangenen Jahr profitiert habe.

Hohe Aufklärungsquote

Laut Statistik schnitten die Oberpfalz und der Landkreis Tirschenreuth auch bei der Häufigkeitsziffer (Delikte je 100.000 Einwohner) ganz hervorragend ab. Zink erläuterte das: In Deutschland liege die Ziffer bei 6070, in Bayern bei 3869, in der Oberpfalz bei 3309 und in Tirschenreuth bei 3250. Mindestens ebenso beeindruckend ist die Aufklärungsquote im Landkreis: Mit fast 80 Prozent liegt die Polizei hier deutlich vor dem Bezirk (73,2), Bayern (66,9) und Deutschland (58,7).

„Die geringste Kriminalität und die höchste Aufklärung. Das macht mich schon stolz auf die professionelle Polizeiarbeit, die hier geleistet wird“, freute sich Präsident Zink. Er schränkte aber ein, dass der Rückgang mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die Corona
Beschränkungen zurückzuführen sei („es fehlten die Tatgelegenheiten“) und das Jahr 2022 sicher nicht mehr ganz so positiv sein werde. „Trotzdem: Der Landkreis Tirschenreuth hat einen hervorragenden Sicherheitszustand.“

Eine „Straftat gegen das Leben“

Die „Hitliste“ der Delikte sieht wie folgt aus: An erster Stelle stehen „strafrechtliche Nebengesetze“ (von A wie Abgabengesetz bis Z wie Zivildienstgesetz) mit 27,8 Prozent (646 Fälle), gefolgt von „Sonstigen Straftaten“ (Straftaten gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz, Rauschgiftdelikte) mit 22, Prozent (529), Diebstähle (19,9 Prozent, 462 Fälle), Rohheits- (13,5 Prozent, 313 Fälle) sowie Vermögens- und Fälschungsdelikten (13,1 Prozent, 305 Fälle).

Kaum eine Rolle spielten die (allerdings nur angezeigten) Sexualdelikte mit 2,9 Prozent oder 68 Fällen. Glücklicherweise gab es nur einen Fall von Mord oder Totschlag (Straftat gegen das Leben).

Fast überall Rückgang

Stark zurückgegangen sind auch die Fälle der „allgemeinen Kriminalität“: um 29,6 Prozent (50 Fälle) bei der Gewaltkriminalität, um 22,2 Prozent (42) bei der schweren und/oder gefährlichen Körperverletzung, bei der Straßenkriminalität um 14,5 Prozent (241), bei den Diebstählen um 21,4 Prozent (462) und bei den Wohnungseinbrüchen um 18,8 Prozent (13). Dagegen verzeichneten die Behörden eine Steigerung der Rauschgiftkriminalität um 24 Prozent oder 53 Fälle auf insgesamt 274 Strafteten.

„Weniger Straftaten in diesem Bereich wirken sich natürlich auch positiv auf das Sicherheitsgefühl der Menschen aus“, betonte der Polizeipräsident. Zugleich kündigte Zink an, dass man vor allem im Rauschgiftbereich die Kontrollmaßnahmen noch verstärken werde. Die Steigerung der Sachbeschädigungen (+5,7 Prozent oder 15 Fälle auf 279) führte er vor allem auf die Plakatzerstörungen beim Bundestagswahlkampf zurück.

Mehr Deutsche, mehr Männer

930 der insgesamt 1.280 Tatverdächtigen waren Deutsche, 350 „Nicht-Deutsch“, wie es im Behördendeutsch heißt. Noch deutlicher ist die Diskrepanz nach Geschlecht. 983 Männer waren tatverdächtig, nur 297 Frauen haben sich etwas zuschulden kommen lassen.

Raser unterwegs

Nicht ganz so positiv, aber immer noch besser als vor zwei Jahren sieht es bei den Verkehrsunfällen aus. Laut Polizei-Vizepräsident Thomas Schöniger stiegt die Zahl von 1.889 (2020) auf 2.080 Unfälle, lag aber recht deutlich unter den Zahlen der Vorjahre (2019: 2289). 25 Crashs und damit etwas weniger als 2020 (27) mit zwölf Verletzen und einem Toten gingen auf übermäßigen Alkoholkonsum zurück. Keine Rolle spielten Unfälle unter Drogeneinfluss: Hier gab es nur einen Fall mit einem Verletzten. Dagegen spielte die Geschwindigkeit sehr wohl eine Rolle.

74 Karambolagen mit 41 Verletzten und damit 22 mehr als das Jahr zuvor wurden wegen Raserei registriert. Vor zehn Jahren waren es aber noch deutlich mehr (2012: 133 Unfälle mit 80 Verletzten und zwei Todesopfern). Schöniger betonte, dass die Polizei deshalb noch mehr Geschwindigkeitskontrollen durchführen werde. „Wir wollen niemand schikanieren, aber die Zahlen fordern es.“ Positiv ist die Entwicklung der Schulwegunfälle, von denen es im vergangenen Jahr keinen einzigen gab (2020: 2).

Viele Wildunfälle

Überraschend mit großem Abstand an der Spitze des Unfall-Rankings liegen die Wildunfälle. Die 958 Zusammenstöße mit Hasen, Rehen, Wölfen, Wildschweinen und Rotwild machten 46 Prozent aller Unfälle im Jahr 2021 (2020: 893) aus. Das könnte laut Landratsamt und Polizei zwei Ursachen haben: Mehr Autos und mehr Wild. „Manche Jagdreviere erfüllen ihren Abschussplan nur durch die Wildunfälle“, wusste ein Landratsamtsmitarbeiter.

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