20 Jahre Italo-Pop aus der Oberpfalz: Interview mit „I Dolci Signori“

Nordoberpfalz. Eine Formation aus der Oberpfalz sorgt seit genau 20 Jahren deutschlandweit und europaweit für erfolgreiche Italo-Pop-Shows: I Dolci Signori. Ein Mitglied der Band ist Musiker Richie Necker. Er erzählt im Interview, wie sich die Band seit Jahrzehnten zusammenrauft.

Die „I Dolci Signori“ raufen sich seit 20 Jahren zusammen. Bild: Uli Zrenner-Wolkenstein

OberpfalzECHO: Herr Necker, was war vor 20 Jahren der Auslöser, eine Tribute-Band für Italo-Pop zu gründen? Und wie haben Sie sich eigentlich gefunden?

Richie Necker: Es gab in dieser Zeit in Deutschland einen gewissen neuen „Italo-Pop/Rock“- Hype: Eros Ramazzotti, Zucchero, Nek, Tiziano Ferro liefen häufig im Radio und Fernsehen. Ich und ein paar andere Musiker aus der Region fanden das cool. Und ich hatte die Idee, Ähnliches hierzulande möglichst gut und „professionell“ auf die Beine zu stellen. Zusammen mit Bernd Meyer und etwas später Uli Zrenner-Wolkenstein machten wir uns aktiv auf die Suche nach „Protagonisten“, die das möglichst authentisch hier in Deutschland präsentieren können.

Und Sie haben tatsächlich auch „echte“ Italiener für das Projekt gefunden…

Richie Necker: Gianni Carrera – damals erst seit kurzem in Regensburg wohnhaft – fanden wir durch Empfehlung eines lokalen Gitarrenhändlers. Rocky Verardo kam durch den Kontakt mit einem italienischen Produzenten in München zu uns. Das alles ging sehr schnell, nebenher hatten wir die skurrilsten italienischen und auch südamerikanischen Typen aus ganz Deutschland hier bei mehreren „Castings“.

Hier ist die Band zu hören und zu sehen

Im Jahr 2022 sind mehrere Auftritte in der Region geplant, unter anderem am 4. August beim Palazzo Festival in Regensburg, am 5. August beim Kultursommer in Kemnath (Landkreis Tirschenreuth), am 14. und 15. August in der Gaststätte Seeblick am Steinberger See (Landkreis Schwandorf), am 17. August bei den Sommerserenaden in Weiden sowie am 17. September im „G’wächshaus“ in Fuchsmühl (Landkreis Tirschenreuth).

Das Album „Nel blu dipinto … d’azzurro“ kann exklusiv über die Website https://dolcisignori.de/ bestellt werden. Neben „Azzurro“ und „Volare“ sind darauf unter anderem auch „Gloria“ und „La vita com’è“ enthalten.

2002 bis 2022 – hätten Sie damals gedacht, dass Sie einmal das 20-jährige Gründungsjubiläum feiern können?

Richie Necker: Wir wussten recht schnell, dass „I Dolci Signori“ eine erfolgversprechende Band sein würde. Über einen bestimmten Zeitraum hab ich mir keine Gedanken gemacht. Dass das nun bereits 20 Jahre her ist, ist für mich persönlich oft nicht fassbar. Wir haben schon echt tolle, lustige und manchmal auch extreme Sachen miteinander erlebt. Mal sehen, was die nächsten Jahre so passiert.

Jetzt, im Jubiläumsjahr, ist das Album mit dem Namen „Nel blu dipinto … d’azzurro“ erschienen. Dass in dem Titel die zwei wohl bekanntesten italienischen Canzoni „Volare“ und „Azzurro“ aufgegriffen werden, ist sicher kein Zufall, oder?

Richie Necker: Nun, „Azzurro“ begleitet uns als Thema schon seit der „Geburt“ – wir haben das Lied umarrangiert, bereits auf unserem ersten Album so veröffentlicht und haben diese eigene Version auf vielen Compilations weltweit über unser damaliges Label veröffentlicht. Auch unsere wunderbaren Theater-Revuen „Azzurro“ (Premiere 02/2017) und der Nachfolger „AzzurroDue“ (seit September 2021) beziehen sich im Titel auf diesen Klassiker, der wohl immer in unserem Programm bleiben wird. „Volare“ ist wieder im Set unserer aktuellen Theater-Show aufgetaucht, und auch diese Version ist sehr speziell, weshalb wir beide auf unserem Jubiläums-Album mit dabeihaben und das für unser neues Album auch als Titel passend fanden.

Richie Necker tritt bei den Dolci Signori als „Ricardo Belli“ auf. Bild: Uli Zrenner-Wolkenstein

Woran liegt es, dass sich die italienischsprachige Musik in Deutschland so großer Beliebtheit erfreut?

Richie Necker: Wir meinen, es liegt an der „Italien-Sehnsucht“ vor allem in Süddeutschland, an der Nähe zu diesem Land, an den eigenen Erinnerungen, an der Sehnsucht nach Sonne und „Dolce Vita“, an den liebenswerten Klischees, aber auch an der emotionalen Tiefe der Musik, an der Lyrik der Sprache und der Sprachmelodie, am „belcanto“ und, und, und ….

I Dolci Signori“ ist eine sechsköpfige oberpfälzisch-italienische Formation mit zwei „echten“ italienischen Frontsängern. Ihr lebt allesamt in der Oberpfalz. Gibt es da eine ganz besondere Harmonie zwischen dem rauen Nordostbayern und dem Land der Sehnsucht im Süden?

Richie Necker: Der Begriff „Harmonie“ ist übertrieben, denn bei uns fliegen auch schon mal ein paar Fetzen. 4/6 der Band leben ja in oder nahe bei Regensburg, das ja als „nördlichste Stadt Italiens“ gilt. Vielleicht ist das die harmoniestiftende Gemeinsamkeit im Lebensmittelpunkt?

Wie gut muss das Italienisch der Nicht-Italiener eigentlich sein, um in einer Italo-Cover-Band zu bestehen?

Richie Necker: (lacht) Wir sprechen alle perfekt einen italienischen Dialekt, der nur noch von ein paar Menschen gesprochen wird. Um genau zu sein: von sechs Menschen…

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