Gedenktag zum 71. Jahrestag der Befreiung des KZ Flossenbürg

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Flossenbürg. Der diesjährige Gedenkakt zum 71. Jahrestag der Befreiung des KZ Flossenbürg stand ganz im Zeichen der im KZ und seinen Außenlagern getöteten Sinti und Roma. Viele ehemalige Häftlinge sind extra für diesen Tag angereist um an die schreckliche Zeit zu erinnern und der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. 71. gedenktag KZ Flossenbürg

Zwischen 1938 und 1945 verloren mehr als 30.000 der über 100.000 Menschen im KZ oder in einem der Außenlager ihr Leben. Man mag sich kaum ausmalen, welch unendliches Leid die Gefangenen damals ertragen mussten. Umso wichtiger ist es, auch heute – und jedes weitere Jahr – an die Befreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers zu erinnern.

Auch in diesem Jahr reisten zum Gedenktag viele Überlebende in die Oberpfalz. 12 ehemalige Häftlinge nahmen an der Zeremonie teil. Manche hatten sogar ihre Familien, Kinder und Enkel mitgebracht. Manche beteiligten sich auch an Zeitzeugengesprächen mit Schülern aus der Region, wie Michael Smuss, der den Schülern an der Wirtschaftsschule in Weiden von seiner Vergangenheit im Konzentrationslager erzählte. Oder Venanzio Gibillini der während der Veranstaltung sprach.

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Jugendbegegnung zum Gedenktag

Im Rahmen des Gedenktages lud die KZ Gedenkstätte Flossenbürg auch wieder Jugendliche zur Internationalen Jugendbegegnung ein. Etwa 70 junge Menschen aus neun Ländern nahm an diesem Austausch teil. Auch eine Delegation aus Weidens Partnerstadt Issy-les-Moulineaux war dabei.

Besonders im Fokus standen in diesem Jahr die in Flossenbürg ermordeten Sinti und Roma. In Gedenken an die Opfer wurde deshalb ein neues Denkmal für die Sinti und Roma enthüllt.

Romani Rose (links), Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und Erich Schneeberger (rechts), Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Bayern e.V., entüllen das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma

Romani Rose (links), Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und Erich Schneeberger (rechts), Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Bayern e.V., entüllen das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma

Es ist uns ein stetes Anliegen, alle im KZ-Komplex Flossenbürg inhaftierten und ermordeten Häftlingsgruppen in unserer Erinnerungs- und Bildungsarbeit zu würdigen. Daher freuen wir uns sehr über die Enthüllung des neuen Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma,

so Dr. Jörg Skriebeleit, der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Das Denkmal wurde von Alfred Kainz entworfen. Es ist aus schwarzem Basalt gefertigt und hat die Form eines aufragenden Flugzeugflügels. Das soll an die Zwangsarbeit der Häftlinge in der Flugzeugproduktion für die Rüstungsindustrie der Nationalsozialisten erinnern. Ein Dreieckstein vor dem Flügel stellt in die Häftlingszeichen, die Sinti und Roma tragen mussten, dar. Sie wurden mit einem schwarzen Dreieck gekennzeichnet.

1.000 Sinti und Roma starben im KZ Flossenbürg71. gedenktag KZ Flossenbürg

 

Sinti und Roma wurden nach 1933 schrittweise entrechtet und aus dem öffentlichen Leben in Deutschland ausgegrenzt. Die Nürnberger Gesetze stuften »Zigeuner« als »Fremdrassige« ein. Ab 1938 erfolgte die totale Erfassung der Sinti und Roma, diskriminierende Sonderbestimmungen erschwerten ihr Leben. 1940 begann ihre Deportation ins besetzte Polen. Auf der Grundlage von Himmlers Erlass von Dezember 1942 wurden Sinti und Roma aus dem Deutschen Reich und allen besetzten Ländern Europas nach Auschwitz-Birkenau verschleppt. Mehrere Hunderttausend von ihnen fielen dem Völkermord zum Opfer. Sie starben bei Massenerschießungen oder in Konzentrationslagern.

In Flossenbürg waren um die 1.000 Sinti und Roma inhaftiert, mehrheitlich Frauen. Sie wurden vor allem in den Außenlagern Wolkenburg und Zwodau zur Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Die genaue Anzahl der im KZ Flossenbürg und seinen Außenlagern ums Leben gekommenen Sinti und Roma ist nicht bekannt.

Totenbuch jetzt online abrufbar

Anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung veröffentlichte die Gedenkstätte außerdem auf der Website eine digitale Version des „Totenbuchs Konzentrationslager Flossenbürg“. Das Totenbuch enthält die bislang bekannten Namen von über 21.000 (von insgesamt etwa 30.000) Häftlingen, die im Konzentrationslager Flossenbürg und seinen Außenlagern in Bayern, Böhmen und Sachsen umgekommen sind. »Die Freischaltung des digitalen Totenbuchs ist das Ergebnis jahrelanger Recherchen und sorgfältigster Auswertung der gefunden Quellen. Das nun weltweit im Internet zugängliche Totenbuch ist ein virtuelles Denkmal für die Opfer des KZ Flossenbürg« so Skriebeleit.

Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, bei seiner Begrüßungsrede

Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, bei seiner Begrüßungsrede

Venanzio Gibillini, ehemaliger Häftling des KZ Flossenbürg berichtet von seiner Vergangenheit

Venanzio Gibillini, ehemaliger Häftling des KZ Flossenbürg berichtet von seiner Vergangenheit

Bilder: KZ Gedenkstätte Flossenbürg

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