Jetzt ist es offiziell: Die Tafel ist Mieter in der Fichtestraße

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Weiden. Schon lange plant die Tafel, die derzeit noch am Stockerhut untergebracht ist, den Umzug in ein neues Gebäude. Die Suche danach gestaltete sich allerdings schwierig. Jetzt ist aber eine Bleibe gefunden: Die soziale Organisation zieht in die Fichtestraße. 

Von Johanna Jankowski

Den Helfern bei der Tafel bereitet das soziale Engagement große Freude: Birgit Käs, Christine Wiegand, Josef Gebhardt, Valentina Müller, Silvia Weiß, Diana Hermann und Martin Höhne (von links) arbeiten gerne für die Tafel.

Den Helfern bei der Tafel bereitet das soziale Engagement große Freude: Birgit Käs, Christine Wiegandt, 1. Vorsitzender Josef Gebhardt, Valentina Müller, Silvia Weiß, Diana Hermann und Martin Höhne (von links) arbeiten gerne für die Tafel.

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Bereits seit 2009 ist die Tafel auch in Weiden vertreten. Derzeit beschäftigt sie 69 Helfer, davon 60 ehrenamtlich. Einige von ihnen arbeiten als Fahrer, um die Lebensmittel von den Supermärkten abzuholen, andere sortieren die Ware und wieder andere sind für die Ausgabe zuständig. Die Tafel bietet Berechtigten, etwa Hartz IV-Empfängern oder denjenigen, die nur eine sehr geringe Rente haben, dreimal wöchentlich die Möglichkeit, Lebensmittel günstig zu kaufen. Haushalte mit ein bis zwei Personen bezahlen zwei Euro, Haushalte mit drei bis vier Personen zahlen 2,50 Euro und ab fünf Personen werden drei Euro für einen Korb mit Lebensmitteln fällig.

Die Ausgabe erfolgt nach einem Farbschema, das so geregelt ist, dass jeder einmal zuerst drankommt. „Manchmal sind gewisse Lebensmittel später schon weg, deshalb nutzen wir dieses System, um das Ganze gerechter zu gestalten“, erklärt Diana Hermann. Die kulinarischen Vorlieben der Einkäufer werden ebenfalls weitestgehend berücksichtigt. Am Tag kommen durchschnittlich zwischen 170 und 200 Personen, die Altersgruppen sind dabei völlig gemischt. Seit 2015 nutzen auch Asylbewerber das Angebot der Tafel. „Es ist nicht so, dass die Betroffenen nicht arbeiten möchten. Oftmals hatten sie einfach ein schweres Schicksal zu ertragen. Viele kommen, weil sie krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten können, andere haben eine schwierige Scheidung hinter sich oder sind alleinerziehend.“

Die Lebensmittel werden bei den großen Supermarktketten aus verschiedenen Gründen aussortiert und bei der Tafel an Bedürftige weitergegeben,

Jeden Dienstag und Donnerstag bringen die Mitarbeiter der Weidener Tafel die Lebensmittel zu den Zweigstellen nach Rothenstadt, Mantel, Vohenstrauß, Windischeschenbach und Floss.

Endlich eine neue Unterkunft für die Tafel

Bereits seit einiger Zeit sucht die Tafel in Weiden eine neue Bleibe. Am Stockerhutweg wurde einerseits schlicht der Platz zu wenig und andererseits standen die Leute in der Warteschlange auf der Straße. Deshalb musste die Tafel sich um einen anderen Standort bemühen. Entschieden hat sich der erste Vorsitzende Josef Gebhardt nun für die Fichtestraße. Seit gestern ist die Tafel dort offizieller Mieter des ehemaligen Edeka Marktes.

„Natürlich ist die Tafel nicht überall gerne gesehen, einige wenige Leute stellen die Einrichtung sogar in die „Schmuddelecke“. Das ist aber auf keinen Fall gerechtfertigt“,

beschreibt Josef Gebhardt die Situation. Zur Zeit werden die Pläne des alten Gebäudes digitalisiert, danach folgt die Einrichtungsplanung. Die Stadt Weiden und der Landkreis Neustadt/WN übernehmen die Kaltmiete, der Rest finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und dem, was die Bedürftigen für das Essen bezahlen. Wenn alles klappt, ist die Tafel bereits ab Ende Februar/Anfang März dann in der Fichtestraße zuhause. Solange bleibt die Tafel am Stockerhut noch bestehen.

„Ich wollte nichts Soziales mehr machen“

Josef Gebhardt erzählt: „Eigentlich wollte ich nach meinem Ruhestand als Geschäftsführer der Diakonie nie wieder sozial tätig werden. Aber ich kann einfach nicht nein sagen. Die Arbeit der Tafel ist sehr wichtig, da viele an der unteren Einkommensgrenze leben. Wenn da beispielsweise die Waschmaschine kaputt geht, wird es schon mal brenzlig mit dem Geld“. Auch Birgit Käs ist bereits seit vier Jahren dabei. Sie konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Vollzeit arbeiten, wollte sich aber dennoch einbringen. Vom ersten Tag an hat sie sich bei der Tafel sehr wohl gefühlt. „Ich stehe auf der Sonnenseite des Lebens und ich möchte denjenigen, die nicht dieses Glück haben, etwas zurückgeben.“ Oft sind die Mitarbeiter der Tafel auch ein bisschen Seelsorger, wie Birgit Käs erzählt:

„Viele benötigen nur jemanden, der ihnen zuhört.“

Seit November 2014 gibt es auch die sogenannte Kulturtafel in Weiden. In diesem Rahmen werden kostenlose Eintrittskarten an die Einkäufer der Tafel weitergegeben. Birgit Käs schreibt Veranstalter an und bittet sie um Tickets. Mittlerweile wird die Aktion beispielsweise vom Förderkreis der Kammermusik oder vom Landestheater Oberpfalz unterstützt. Das Angebot wird gut angenommen. „Vor allem bei klassischen Konzerten ist die Nachfrage sehr hoch“, sagt Birgit Käs.

In das leerstehende Erdgeschoss zieht bald die Weidener Tafel ein.

In das leerstehende Erdgeschoss zieht bald die Weidener Tafel ein.

Weidener Tafel Umzug

Noch ist im inneren des Gebäudes eine Baustelle, aber schon in naher Zukunft soll mit der Einrichtung für die Weidener Tafel begonnen werden.

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