„Damit das Leben besser gelingt“: Hilfe für schwerstbehinderte Eva-Maria Kellermann

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Weiden. „Damit das Leben besser gelingt“, nach diesem Motto leistet in der Kinderklinik Weiden der „Bunte Kreis Nordoberpfalz“ in der Nachsorge von „Frühchen“ Beispielhaftes. Für Familien mit Kindern die zu früh auf die Welt kommen, die in ihrer Entwicklung gefährdet, schwer oder chronisch erkrankt sind, ändert sich das Leben schlagartig. Wie auch bei Eva-Maria Kellermann. 

Von Jürgen Wilke

Eva-Maria Kellermann Behinderung Spende Krankheit Bunter Kreis

Der Bunte Kreis ist für die Familie ein wichtiger Begleiter. Die Spende von 1.000 Euro kann die Familie nur zu gut gebrauchen. Von links: Dr. Fritz Scheble, Dr. Andrea Berger, Marina Frister, Lydia Gallitzdörfer, Eva-Maria Kellermann, Pauline Menzl.

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Der „Bunte Kreis“ begleitet die Familien auch nach dem Klinikaufenthalt, informiert, berät und unterstützt. Auch die 25-jährige, schwerstbehinderte Eva-Maria Kellermann und ihre alleinerziehende Mutter, Lydia Gallitzdörfer, werden seit mehreren Jahren von der Nachsorgeeinrichtung begleitet. Die Leiterin des „Bunten Kreises Nordoberpfalz“, Marina Frister, übergab jetzt der Familie von Eva-Maria, im Beisein von Oberärztin Dr. Andrea Berger und dem Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Fritz Schneble, einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro. Mutter Lydia Gallitzdörfer und Eva-Marias Großmutter, Pauline Menzl, freuten sich sehr über das vorweihnachtliche Geschenk.

24-Stunden-Überwachung

Mit diesem Geld sollen die Kosten für die Reittherapie für Eva-Maria, eine neue Haltevorrichtung für das Familienauto, sowie die Fahrtkosten und Zuzahlungen der Familie wenigstens teilweise abgedeckt werden. Seit der Diagnosestellung, Double Cortex (Hirnrindendefekt) mit schwerster Ausprägung, vor 23 Jahren ist Eva-Maria an die Kinderklinik Weiden angebunden. Sie leidet unter Epilepsie, schwerer körperlicher und geistiger Behinderung sowie voranschreitender Ataxie (Oberbegriff für unterschiedliche Störungen der Koordination) und hat im Lauf der Jahre verlernt zu laufen und selbständig zu essen. Geistig ist Eva-Maria ungefähr auf dem Stand eines vierjährigen Kindes. Sie ist auf einen Rollstuhl, und auf viele weitere Hilfsmittel angewiesen, ebenso ist es wegen der hohen Anfallsneigung und Aspirationsgefahr (Verschlucken) nötig, Eva-Maria täglich 24 Stunden zu überwachen.

Über die betreuende Neurologin Oberärztin Dr. Andrea Berger, die das Mädchen auch im Sozialpädagogischen Zentrum betreut, kam der Hilferuf an den Bunten Kreis Nordoberpfalz die Familie finanziell zu unterstützen. Eva-Maria lebt mit ihrer Mutter und zwei der vier Geschwister in Waldershof im Landkreis Tirschenreuth. Wenn die Tochter nicht im Klinikum behandelt werden muss, verbringt sie vier bis fünf Stunden täglich in der Tagesstätte der Lebenshilfe in Marktredwitz. Ihre Mutter fährt sie täglich dorthin und holt sie wieder ab.

Hilfe von der Oma

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Die Familie hält zusammen. Unterstützung bekommt Lydia von Oma Pauline. Von links: Lydia Gallitzdörfer, Eva-Maria Kellermann, Pauline Menzl.

Auch sonst nimmt die Mama ihre Tochter überall mit hin, in die Kirche und auch zum Einkaufen. „Keinesfalls soll meine schwerstbehinderte Tochter versteckt werden“, sagt Lydia Gallitzdörfer. Hilfe kommt von der Oma. Ansonsten ist die Mutter Tag und Nacht gebunden. Eine Erwerbsarbeit ist unmöglich. Hartz-IV-Bezüge sind die einzig mögliche Einkommensart. Lydia Gallitzdörfer versteht allerdings nicht, dass sie trotz der offensichtlichen Schwerstbehinderung von Eva-Maria regelmäßig gegenüber den Behörden den Pflegegrad „fünf“ ihrer Tochter nachweisen muss. Dieser Pflegegrad ist der höchste und besagt: „Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung.“

Auch die Krankenkasse finanziert längst nicht alle zwingend erforderlichen Hilfsmittel. Belastend seien vor allem die Zuzahlungen für nötige Orthesen und orthopädischen Schuhe. Orthesen sind medizinische Hilfsmittel, die zur Stabilisierung, Entlastung, Ruhigstellung, Führung oder Korrektur von Gliedmaßen oder des Rumpfes eingesetzt werden. Ein neues Rückhaltesystem für das behindertengerechte Auto sowie der Regenschutz und Regenschirm am Rollstuhl musste die Familie komplett aus eigener Tasche bezahlen.

Unter www.bunterkreis-nordoberpfalz.de oder unter 0961/303 3371 können Interessierte bei Marina Frister Erkundigungen einholen oder Hilfe anbieten.

Bilder: Jürgen Wilke

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