Arbeitsmarkt 2018: Weniger Langzeitarbeitslose, mehr offene Stellen

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Weiden. Die Bilanz zur arbeitsmarktlichen Entwicklung 2018 und die Schwerpunkte auf dem regionalen Arbeitsmarkt für 2019 standen im Mittelpunkt des Gesprächs der Agentur für Arbeit Weiden, zu dem der Vorsitzende der Geschäftsführung, Thomas Würdinger eingeladen hatte.

Von Jürgen Wilke

Arbeitsmarktbilanz 2018 Pressegespräch

Redeten über die Arbeitsmarkt Bilanz 2018: (sitzend v. li.:) Annette Karl, Anna Toman, Stephan Oetzinger, Tobias Reiß (stehend v.li.:) Peter Witt, Thomas Würdinger, Leonhard Merkl. Foto: Jürgen Wilke

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Der Arbeitsmarkt im Agenturbereich hat sich im vergangenen Jahr sehr gut entwickelt, betonte Thomas Würdinger. Die Langzeitarbeitslosigkeit sinkt überdurchschnittlich. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten gegenüber 2017 um 2,6 Prozent auf mehr als 85.000 gestiegen. Im selben Zeitraum ist es mit der Arbeitslosenzahl weiter nach unten gegangen, um stattliche 10,7 Prozent. Dass der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit weiter anhält, das erwarten auch die Leiter der Jobcenter in Anbetracht des neuen Teilhabechancengesetzes für Langzeitarbeitslose.

Weniger Bewerber, mehr offene Stellen

Aber auch Probleme wurden angesprochen. So hat es auf dem Ausbildungsmarkt 2018 eine dramatische Entwicklung gegeben. Rund fünf Prozent weniger Bewerber als 2017, zugleich rund 14 Prozent mehr gemeldete Stellen.

Was Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien anbelangt, so müssten diese bereits im Kindergartenalter entsprechend betreut und gefördert werden, waren sich alle Gesprächspartner einig.

Für dieses Jahr blickt die Arbeitsagentur Weiden positiv in die Zukunft. Zum Thema Integration der Flüchtlinge berichtete Thomas Würdinger, dass sich unter den etwa 5.000 Arbeitslosen rund 250 Flüchtlinge befänden. Der größte Teil davon nimmt an Integrations- und Sprachkursen teil und ist deswegen noch nicht in den amtlichen Arbeitslosenzahlen enthalten. Die Geschäftsführer der Jobcenter ergänzen, dass der größte Teil der Flüchtlinge noch nicht gut genug Deutsch spricht, um die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt zu erfüllen.

Sprachkenntnisse das A und O

Firmen und Betriebe seien grundsätzlich aufnahmebereit, benötigten jedoch mindestens ein B1-Sprachniveau, was bisher in wenigen Fällen erreicht wurde. Das Sprachniveau nach dem Europäischen Referenzrahmen versteht unter B1 und B2 „Selbständige Sprachverwendung“. Berufsausbildungen drohen weniger an mündlichen, sondern vielmehr an den schriftlichen Deutsch-Kenntnissen zu scheitern.

Von Seiten der Abgeordneten wurde vorgeschlagen, während der Integrationskurse auch betriebliche Praktika einzuplanen, um besser Deutsch und für den Beruf wichtige Fachbegriffe zu lernen. Nach Meinung der Experten dürfte es in vielen Fällen fünf bis sieben Jahre dauern, bis das auf dem Arbeitsmarkt erforderliche Sprachniveau erreicht ist.

Im Kindergarten anfangen

Bei der Arbeitsagentur Weiden soll laut Würdinger im kommenden Jahr ein Schwerpunkt sein, weitere „Hartz-IV-Karrieren zu vermeiden“. Ansätze dazu müssten bereits sehr früh, idealerweise schon im Kindergarten erfolgen. Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmer darin, dass der Datenaustausch zwischen den einzelnen Ausbildungsebenen verbessert werden muss. So könnten beispielsweise Verhaltensauffälligkeiten, die sich bereits im Kindergarten abzeichnen, auch den Lehrer an Grundschulen mitgeteilt werden.

An der Gesprächsrunde nahmen teil: die Mitglieder des Bayerischen Landtages Annette Karl (SPD), Anna Toman (Bündnis90 / die Grünen), Dr. Stephan Ötzinger (CSU) und Tobias Reiß (CSU), sowie von Seiten der Agentur für Arbeit die Geschäftsführer der zugehörigen Jobcenter Weiden / Neustadt, Peter Witt und aus Tirschenreuth, Leonhard Merkl.

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