Welchen Herausforderungen stellt sich Parkstein?

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Parkstein. Welche Herausforderungen gibt es für den Markt Parkstein mit Blick auf die angeblich „uneingeschränkten“ Finanzmittel? Welche Wünsche hat der Markt an den Freistaat Bayern im Rahmen des Vollzuges erlassener Rechtsvorschriften? Das und mehr haben Anette Karl und die Führungsspitze Parksteins gemeinsam besprochen – auch über Vorhaben in der Zukunft. 

Von Walter Beyerlein 

Rathaus Gemeindehaus Parkstein, MdL Anette Karl, Bürgermeister Reinhard Sollfrank, Josef Langgärtner, Museumsleiterin Regina Kiermaier

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf den Markt Parkstein aus, welche Projekte will die Marktgemeinde angehen? Ein Gespräch mit MdL Anette Karl, Bürgermeister Reinhard Sollfrank, Vize Josef Langgärtner und Museumsleiterin Regina Kiermaier.

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An der lockeren Runde im Bürgermeisterzimmer haben neben Bürgermeister Reinhard Sollfrank auch sein Stellvertreter Josef Langgärtner und Museumsleiterin Regina Kiermaier teilgenommen. Bürgermeister Reinhard Sollfrank nannte die von MdL Annette Karl angesprochenen Finanzmittel, die angeblich gewaltig zur Verfügung, einen „Irrglauben“, auch wenn es mit dem Markt Parkstein eigentlich „recht gut“ aussieht.

Internetausbau auf eigene Kosten

Viele Maßnahmen seien schon umgesetzt worden, laut Bürgermeister Reinhard Sollfrank stehen aber noch der Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße Schwand einschließlich Ortsdurchfahrt und die Erweiterung des Feuerwehrhauses Hammerles an. Außerdem auf der Agenda: Straßen- und Kanalsanierungen, der Ausbau des Bereiches Von-Humboldt- und Bergstraße einschließlich des für das nächste Jahr angedachte Bau eines Kinderspielplatzes für den Kindergarten.

Die Verantwortlichen im Markt Parkstein denken außerdem darüber nach den Glasfaserausbau in Schwand auf eigene Kosten zu realisieren. „Wir werden aber nicht der Betreiber sein“, wie Vize-Bürgermeister Josef Langgärtner ergänzt. Auch wenn die Firma Witron ein eigenes Leitungsnetz hat, sei der Ausbau des Internets für im Ort wohnhafte Mitarbeiter und Bürger wichtig, betont Reinhard Sollfrank. „Wir sind froh, die Firma Witron zu haben. Wenn es der Firma gut geht, geht es uns auch gut“, macht das Marktoberhaupt deutlich.

Wohnraum ist knapp

Ein „echtes Problem“ sei laut Bürgermeister Sollfrank der erkennbare Mangel an Wohnraum. Zur Lösung soll das „Quartierkonzept“ in der Lichtensternstraße beitragen. Leider gibt es keine frei verkäuflichen Grundstücke im Markt, was Sollfrank bedauert. Probleme breiten auch unbebaute Grundstücke, die eine Ausweisung neuer Baugebiete schwierig machen. Dazu komme, dass private Eigentümer kaum Grundstücke verkaufen.

Ein Grund warum auch MdL Annette Karl Vorstöße des Bayerischen Städte- und Gemeindetags unterstützt und verbesserte Möglichkeiten für Kommunen fordert, um gegen Leerstände vorzugehen.

Betrieb im Vulkanerlebnis gewinnt langsam an Fahrt

Museumsleiterin Regina Kiermaier schildert der Landtagsabgeordneten die gewaltigen Einbrüche der Besucherzahlen im „Vulkanerlebnis Parkstein“. „Uns fehlen die großen Gruppen und die Schulklassen, die vor Corona täglich hier waren“. Schließlich ist das „Vulkanerlebnis“ eindeutig weit über 100 Kilometer um Parkstein bekannt.

Die Museumsleiterin bedauert, dass bisher geplante Veranstaltungen abgesagt werden mussten, doch jetzt seien die Vorbereitungen für drei Ausstellungen noch in diesem Jahr im Gange: Eine Fotoausstellung in Zusammenarbeit mit dem Geopark und freien Fotografen aus Weiden, die Kunstausstellung „Gegensätze, die sich berühren“ und die Ausstellung zum Gedenkjahr „30-jähriger Krieg“ gemeinsam mit dem örtlichen Heimatverein.

Virtuelle Rundgänge habe es nicht gegeben, erklärt die Museumsleiterin auf Karls Nachfrage. Inzwischen steigen zum Glück aber wieder Nachfragen und Anmeldungen zu Rundgängen und Besichtigungen erkennbar.

Vulkanerlebnis Parkstein Josef Landgärtner, Anette Karl, Bürgermeister Reinhard Sollfrank, Museumsleitung Regina Kiermaier

Langsam steigen die Besucherzahlen im Vulkanerlebnis Parkstein wieder – der Corona-Lockdown war eine Durststrecke mit Folgen für das Museum.

Digitalisierung ausbaufähig

Die Digitalisierung im Rathaus sei weiterhin ausbaubar, obwohl viele Geschäftsabläufe inzwischen digital über die Verwaltungsgemeinschaft Neustadt/WN abgewickelt werden, wie Bürgermeister Reinhard Sollfrank erklärt. „Etwas Überzeugungskraft kostet noch der Anschluss an das Rats-Informations-System“, meint das Marktoberhaupt. Für die Digitalisierung habe der Markt mit Zweitem Bürgermeister Josef Langgärtner „den Profi am Ort“ im Einsatz, so der Bürgermeister.

Wird Photovoltaikanlage zur Pflicht?

„Eine Photovoltaikanlage gehört auf jedes Hausdach“, findet Bürgermeister Reinhard Sollfrank im Bezug auf das Thema Klimawandel. Deshalb soll laut Bürgermeister bei künftigen Baugebieten eine entsprechende Verpflichtung für die Bauwerber in den Bebauungsplan aufgenommen werden. Erneuerbare-Energie-Experte Josef Langgärtner könnte sich die Gründung einer Energiegenossenschaft in Parkstein vorstellen, die Photovoltaikanlagen auf Hausdächern errichtet von denen dann der Hauseigentümer profitiert.

Und Windräder? Windräder, die auf massiven Widerstand von Bürgern treffen, lassen sich nicht bauen, wie Annette Karl weiß. Auch wenn ein Weg über einen zu erlassenden vorhabensbezogenen Bebauungsplan möglich wäre. „Der Abstand eines AKWs zur Wohnbebauung ist geringer als von der Wohnbebauung zu Windrädern“, so Annette Karl. Momentan fehle bei der Bayerischen Staatsregierung die klare Ansage gegenüber der Bevölkerung entweder „Strom aus Temelin“ zu wollen oder zu Maßnahmen im eigenen Umfeld bereit zu sein.

MdL Annette Karl bedauert, dass der Entwurf des neuen Klimaschutzschutzgesetzes nur Konjunktive enthält. So lange klare Aussagen der Bayerischen Staatsregierung zu den Windrädern fehlen, verbleibe der „Schwarze Peter“ weiterhin bei den Kommunen, wie die Landtagsabgeordnete bedauert. Die „10 H-Regelung“ suggeriere den Menschen ein von der Anlage ausgehendes Problem, meint Annette Karl. Wichtig seien deshalb klare Regelungen im Klimaschutzgesetz, wie sie betont. Mit der Einrichtung von zwei E-Tankstellen will der Markt Parkstein laut Josef Langgärtner einen Beitrag zur Nutzung erneuerbarer Energien leisten.

Wie hat sich Corona auf Parkstein ausgewirkt?

Auf die Frage wie es um die Errichtung der seit langem geplanten Pflegeeinrichtung steht, antwortet Sollfrank schlicht mit der Aussage: „Der Ball liegt beim Sozialteam.“ Und wie sieht es mit den Auswirkungen von Corona auf Parkstein aus? Laut Bürgermeister Sollfrank kämpft das örtliche Taxiunternehmen mit gewaltigen Schwierigkeiten. Beim Blick auf die Gewerbesteuer seien keine Aussagen möglich. Echte Probleme gebe es bei den älteren Menschen, die vor allem den zwischenmenschlichen Kontakt vermissen.

In der Grundschule dürfen Kinder nur mit dem Federmäppchen auf die Toilette gehen. Das legen sie auf einen Stuhl vor dem Toiletteneingang. Für andere Kinder ist das das Zeichen: Hier muss ich warten. In diesem Zusammenhang weist Museumsleiterin Regina Kiermaier auf die Neuerung im Steinstadl hin: Die Räume dienen jetzt als Warteraum für die Besucher des „Vulkanerlebnis Parkstein“, wenn die im Museum zugelassene Besucherzahl erreicht ist.

Für Bürgermeister Reinhard Sollfrank steht fest: Auch wenn er ehrenamtlich tätig ist, die Tür im Rathaus sei für jeden Bürger zu jeder Zeit geöffnet, wie er sagt. Wichtig für ihn sei die Zusammenarbeit mit 2. Bürgermeister Josef Langgärtner, Mitarbeitern im Rathaus und der Verwaltungsgemeinschaft. „Wir sind als Team für die Bürger da“, lautet das Fazit von Bürgermeister Reinhard Sollfrank nach sechs Wochen im Bürgermeisteramt.

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