Bahn kommt 20 Jahre zu spät

Immenreuth. In Immenreuth wächst zusammen, was zusammen gehört: Der Bahnsteig wird zur neuen Brücke verlegt. Versprochen wurde das schon 1996.

Von Udo Fürst

Es ist ein Bild des Jammers, den der frühere Bahnhof, der gegenüberliegende Bahnsteig und der über die Gleise führende Eisensteg abgeben. Verfallen, verrottet, verdreckt – das Immenreuther Bahnhofsumfeld ist ein Schandfleck. Doch damit soll jetzt bald Schluss sein. Die dafür verantwortliche Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium haben mit fast 20-jähriger Verspätung zugesagt, den bereits 1996 versprochenen Bahnsteig in Richtung Dorfmitte zu verlegen. Dann kann rund um das Bahnhofsgebäude endlich mal aufgeräumt werden.

Vor allem im Winter ist es lebensgefährlich, den verrosteten Eisensteg über die Gleise beim einstigen Bahnhof zu überqueren. Deshalb hat die Gemeinde dort schon vor Jahren ein Warnschild aufgestellt, auf dem steht: „Steg bitte nicht in Gruppen überqueren“. Stolze 116 Jahre hat die marode Stahlbrücke über das Bahngelände auf dem Buckel und das sieht man der verrosteten Konstruktion auch an. Dabei führt nur etwa 200 Meter entfernt eine erst vor 15 Jahren gebaute Überführung über die Bahnlinie Nürnberg-Marktredwitz. Dort soll auch der neue Bahnsteig entstehen.

Bahn Immenreuth
116 Jahre hat der verwitterte Eisensteg über die Gleise beim Bahnhof auf dem Buckel. Im nächsten Jahr soll er abgerissen werden. Im Hintergrund ist die 2000 erbaute Betonbrücke zu sehen, bei der der neue Bahnsteig angesiedelt wird. Foto: Udo Fürst

Bürgermeister Heinz Lorenz überraschte seine Kollegen in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit der Frohbotschaft, die fast niemand mehr erwartet hatte. Bereits 1996 hatte die Gemeinde mit der Deutschen Bahn eine sogenannte Kreuzungsvereinbarung geschlossen, die eine Verlegung von Steg und Bahnsteig beinhaltete. Während die Kommune ihren Teil des Vertrags einhielt und im Jahr 2000 für gut eine Million Euro eine neue Brücke baute, verschob die Bahn  das Vorhaben immer wieder. Nun aber soll es ernst werden.

Baubeginn April 2016

Laut Lorenz soll im April kommenden Jahres mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die wegen der Verzögerung entstandenen Mehrkosten von 141.117 Euro übernimmt die Bahn. Insgesamt sind für das Projekt Bahnsteigverlegung 3.660.495 Euro veranschlagt. Davon wurden bereits knapp über drei Millionen Euro für den Bau der Brücke und des neuen Stegs verbraucht. Die für die Bahnsteigverlagerung verbleibenden 622.131 Euro teilen sich Bund, Bahn und Gemeinde zu je einem Drittel. Die Kommune muss nach Abzug der 75-prozentigen Förderung noch 51.844 Euro bezahlen.

Der Gemeindechef gab sich erleichtert: „Endlich kann ein Kapitel, das uns schon viel zu lang beschäftigt, abgeschlossen werden.“ Bei aller Freude über den so herbeigesehnten Start des Projekts bleibt ein Wermutstropfen: Die Bahn hat den geplanten Behindertenzugang am Bayreuther Gleis aus Kostengründen gestrichen.

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