Bitter nötig: Erste Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Nordoberpfalz kommt nach Weiden

Weiden. Wenn Kinder und Jugendliche aus der Nordoberpfalz wegen psychischer Krankheiten eine stationäre Klinik brauchen, müssen sie mit ihren Eltern bis nach Regensburg fahren. Eine große Belastung. Das ändert sich ab 2025. Nicht erst der Corona-Lockdown hat gezeigt: Viele Kinder und Jugendliche haben psychische Probleme.

Während des Spatenstiches wird im Hintergrund schon richtig gebaut (von links):  Dr. Dr. Helmut Hausner (Vorstand Medbo), Martin Preuß (Bezirksrat), Brigitte Scharf (Bezirksrätin), Toni Dutz (Bezirksrat), Franz Löffler (Bezirkstagspräsident), Lothar Höher (Bezirkstagsvizepräsident), Dr. Christian Rexroth (Chefarzt Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden), Architekt Stephan Beerwerth. Bild: Beate Luber
Während des Spatenstiches wird im Hintergrund schon richtig gebaut (von links): Dr. Dr. Helmut Hausner (Vorstand Medbo), Martin Preuß (Bezirksrat), Brigitte Scharf (Bezirksrätin), Toni Dutz (Bezirksrat), Franz Löffler (Bezirkstagspräsident), Lothar Höher (Bezirkstagsvizepräsident), Dr. Christian Rexroth (Chefarzt Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden), Architekt Stephan Beerwerth. Bild: Beate Luber
Während des Spatenstiches wird im Hintergrund schon richtig gebaut (von links):  Dr. Dr. Helmut Hausner (Vorstand Medbo), Martin Preuß (Bezirksrat), Brigitte Scharf (Bezirksrätin), Toni Dutz (Bezirksrat), Franz Löffler (Bezirkstagspräsident), Lothar Höher (Bezirkstagsvizepräsident), Dr. Christian Rexroth (Chefarzt Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden), Architekt Stephan Beerwerth. Bild: Beate Luber

Direkt hinter dem ehemaligen Augustiner-Seminar entsteht für etwa 33,6 Millionen Euro eine stationäre Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Betreiberin ist die Medbo (Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz).

2800 Quadratmeter neu gebaut

Dort, wo früher die Seminarschüler Fußball spielten, wird schon seit August 2021 gebaut. Das Fundament steht schon, darauf kommen vier Etagen mit knapp 2800 Quadratmetern. Dort werden folgende Einrichtungen untergebracht:

  • Stationäre Klinik für Kinder und Jugendliche auf drei Stationen mit insgesamt 32 Betten, davon 8 Betten für suchtkranke Jugendliche
  • Tagesklinik für Kinder und Jugendliche mit 18 Plätzen (aktuell sind es 12, neue Plätze entstehen für Klein- und Vorschulkinder)
  • Psychiatrische Institutsambulanz
  • Schule für Kranke für Kinder und Jugendliche

20 Prozent der Kinder psychisch belastet

Diese zusätzlichen Plätze sind bitter nötig. Sieben Prozent der jungen Menschen weltweit sind psychisch krank, 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als psychisch belastet, sagt Dr. Christian Rexroth, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden. Häufigste Symptome sind Ängste, Depressionen, Schlafstörungen, selbstzerstörendes Verhalten. Dies gelte nicht erst seit der Coronapandemie. Doch Lockdown und Homeschooling habe besonders bei Familien mit geringem Einkommen oder Migrationshintergrund schwere Folgen hinterlassen: Sieben von zehn Kindern sagen von sich, dass sie psychisch belastet seien. „Sie haben Angst vor der Zukunft, viele Sorgen“, so Rexroth.

Dass in Weiden Bedarf da ist, zeigen die Zahlen. Allein 2019 waren 1.200 kleine Patientinnen und Patienten in Tagesklinik und psychiatrischer Institutsambulanz.

Von 34 auf 100 Mitarbeiter

Wenn ein Kind oder Jugendlicher so starke psychische Beschwerden hat, dass sie oder er in stationäre Behandlung muss, ist bis jetzt die nächste Anlaufstelle Regensburg. Das ist eine Stunde oder mehr Fahrzeit aus der Nordoberpfalz. Eine große Belastung für die Kinder und auch Eltern, die die Kinder möglichst jeden Tag besuchen wollen – für ärmere Familien ohne Auto fast nicht möglich.

Das ändert sich alles ab 2025. Arbeiten bisher am Standort Weiden 34 Mitarbeitende im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie, werden es im Neubau rund 100 sein.

Kosten und Fakten zum Bau

  • Kosten: Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 33,6 Millionen. Diese Summe sei jedoch angesichts der Baupreise nicht garantiert, betont Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Sicher sei: Rund 22 Millionen Euro werden vom Freistaat übernommen. Der Bezirk Oberpfalz übernimmt die Kosten für die Schule für Kranke über 3,6 Millionen Euro. Die Medbo trägt fast 8 Millionen Euro durch Eigenmitteleinsatz.
  • Bau: 2780 Quadratmeter auf 4 Etagen. Das Gebäude wird 62 Meter lang, 32 Meter breit, und 17 Meter hoch.

Kürzere Wartezeiten

Dr. Dr. Helmut Hausner, Vorsitzender der Medbo, erinnerte daran, wie wichtig psychische Gesundheit auch für die Gesellschaft ist. Bezirkstagspräsident Franz Löffler freute sich, dass die Medbo sechs erfolgreiche Standorte (Amberg, Cham, Parsberg, Regensburg, Weiden und Wöllershof) für psychische und neurologische Gesundheit in der Oberpfalz hat. Bezirkstagsvizepräsident und Weidens zweiter Bürgermeister Lothar Höher zeigte sich sicher, dass mit dem zusätzlichen Angebot in Weiden auch die Wartezeiten für Nordoberpfälzer besser werden würden. Architekt Stephan Beerwerth (Architekten Dewan Friedenberger) verwies auf bauliche Besonderheiten wie zwei helle Innenhöfe, natürliche Materialien und Flure als Spielwiesen. Denn auch der Raum sei Teil der Therapie.

Kontakt für Betroffene und interessierte Arbeitnehmende

Oberärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie Dr. Stephanie Kiene verwies auf die wichtige Arbeit mit einem Zitat von Pippi Langstrumpf, die auf den Satz „Pippi, der Sturm wird immer stärker!“ erwiderte: „Macht nichts, ich auch.“

Gegenüber OberpfalzECHO betonte Kiene, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie sich jetzt schon auf interessierte Arbeitnehmende aus allen Bereichen (von Medizin bis Ergotherapie), und auch auf interessierte Betroffene freue. Kontakt unter: Sebastianstraße 27, Telefon 0961/39167-0, info@medbo.de.

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