Die ersten Stolpersteine in Weiden für jüdische Familie: „Bückt euch und lest“

Weiden. In der Bahnhofstraße 33 stand einst eine prächtige Villa, bewohnt von der großen jüdischen Familie Kupfer. Die Familie wurde während der Nazizeit fast vollständig ermordet. Anstelle der Villa ist heute ein schmuckloser Industriebau. Doch jetzt steht dort ein Denkmal, besser gesagt: es liegt.

In Weiden wurden die ersten Stolpersteine verlegt. Sie sollen an die Opfer in der Zeit des Nationalsozialismus erinnern. Es sind Betonwürfel aus Messing, auf denen die Namen und Daten der Opfer eingraviert sind. Sie werden dort verlegt, wo sie einst gewohnt haben. Die ersten wurden in Köln bereits 1996 verlegt. In Großstädten gehören sie mittlerweile ins Alltagsbild. Immer wieder unterbrechen Passant/-innen ihren Tagesablauf, um sich nach unten zu beugen und die Namen zu lesen. Auch ganze Stadtführungen werden rund um die Stolpersteine organisiert.

Detag-Gründer und seine Familie fast ausgelöscht

In Weiden sind die der Familie Kupfer gewidmet, die Weidens Geschichte stark geprägt hat: Eduard Kupfer betrieb seit 1892 eine Glasfabrik in Moosbürg, die dann zu Detag und später zu Flachglas wurde. In der Bahnhofstraße 33 bewohnten er und seine Frau Fanny eine prächtige Villa mit ihren Kindern. Neun ihrer Kinder starben während der Nazizeit, ermordet in Konzentrationslagern oder Ghettos, verschollen im Nirgendwo. Auch Otto Kupfer war ein Sohn Eduards, er war der letzte Firmenbesitzer in Weiden, auch er starb während der Nazizeit, ermordet 1942 in Theresienstadt.

Nachfahre aus USA macht sich auf Spurensuche in Weiden

Sein Enkel Peter Kupfer ist heute 71 Jahre alt, Journalist in San Francisco. Schon vor Jahren machte er sich nach Weiden auf, um mehr über seinen Opa zu erfahren. Er initiierte das Stolperstein-Denkmal für seine Familie, und reiste dafür extra aus den USA an. „Mein Vater redete nie mit mir darüber, was in Weiden geschah“, sagt Peter Kupfer. Deshalb machte er sich selbst auf die Suche, und fand so viele Informationen über seine weit verzweigte Familie, dass daraus sein erstes Buch entstand: „The Glassmaker´s Son. Looking for the World my Father left behind in Nazi Germany.“

Peter Kupfer. Foto: Ann-Marie Zell
Peter Kupfer. Foto: Ann-Marie Zell
Foto: Ann-Marie Zell
Foto: Ann-Marie Zell
Foto: Ann-Marie Zell
Foto: Ann-Marie Zell
Pfarrer Alfons Forster von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Foto: Ann-Marie Zell
Pfarrer Alfons Forster von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Foto: Ann-Marie Zell
Foto: Ann-Marie Zell
Foto: Ann-Marie Zell
Foto: Ann-Marie Zell
Foto: Ann-Marie Zell

Stolpersteine scheitern 2005 an Bedenken der jüdischen Gemeinde

Die Stolpersteine sind ein weiteres Ergebnis seiner Spurensuche. Doch es gab einige Widerstände. Schon 2005 war das Projekt geplant. Doch die jüdische Gemeinde in Weiden hatte Bedenken, wie Pfarrer Alfons Forster und Peter Kupfer betonten. Der Plan, die Steine zu verlegen, scheiterte erstmals. Die Bedenken der jüdischen Gemeinde bezogen sich dem Vernehmen vor allem darauf, dass sie in den Boden eingelassen sind, wo jeder sie betreten kann, anstatt in einer Wand. Doch die Bedenken wurden offenbar bereinigt. Auch der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Leonid Schaulov sprach bei der Stolperstein-Verlegung ein Shalom. Oberbürgermeister Jens Meyer kündigte an, dass die Gedenksteine für die Familie Kupfer nur der Anfang seien.

Die ersten Stolpersteine in Weiden zum Gedenken der Familie Kupfer. Foto: Ann-Marie Zell

„Hass bekämpfen, wo immer er uns begegnet“

Ein weiterer Nachfahre der Familie Kupfer, Bob Sinclair aus England, erinnerte in Weiden daran, „dass wir Hass bekämpfen müssen, wo immer er uns begegnet. „Bückt euch und lest“, so zitiert Pfarrer Alfons Forster von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit die Idee hinter den Steinen. Konzipiert hat sie die Künstler Gunter Demnig, die dafür extra nach Weiden kam, sich bückte und die zwölf Steine inmitten eines großen Publikums verlegte. Später hielt er einen Vortrag zu seiner Idee an der VHS in Weiden, gefördert vom Bundesprogramm „Demokratie leben“.

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