Es wird konkret mit den Windrädern im Hessenreuther Wald

Erbendorf. Seit zehn Jahren sollen Windräder im Hessenreuther Park aufgestellt werden. Jetzt gibt es einen neuen, hoffnungsvollen Anlauf.

Birgit Grünbauer von der NES an einem der geplanten Windradstandorte. Dort stand bis 2016 eine Windmessanlage, die erstaunliche Ergebnisse zutage brachte. Foto: Archiv Udo Fürst
Birgit Grünbauer von der NES an einem der geplanten Windradstandorte. Dort stand bis 2016 eine Windmessanlage, die erstaunliche Ergebnisse zutage brachte. Foto: Archiv Udo Fürst
Die Standorte für die acht geplanten Windräder. Bild: NES
Die Standorte für die acht geplanten Windräder. Bild: NES
Rund um den Hessenreuther Wald ist der Widerstand gegen den geplanten Windindustriepark deutlich. Archivbild: Roland Wellenhöfer
Rund um den Hessenreuther Wald ist der Widerstand gegen den geplanten Windindustriepark deutlich. Archivbild: Roland Wellenhöfer
Über den deutlich abgetragenen Abspann des Hessenreuther Bergs wird eine Fußgänger- und Wildbrücke gebaut. Derzeit werden dafür Dutzende Fundamente eingegossen. Foto: Udo Fürst
Über den deutlich abgetragenen Abspann des Hessenreuther Bergs wird eine Fußgänger- und Wildbrücke gebaut. Derzeit werden dafür Dutzende Fundamente eingegossen. Foto: Udo Fürst
So schön das für die Autofahrer und vor allem für die Lastwagen ist: Der Ausbau der Bundesstraße 299 hat tiefe Wunden in den Hessenreuther Berg geschlagen. Foto: Udo Fürst
So schön das für die Autofahrer und vor allem für die Lastwagen ist: Der Ausbau der Bundesstraße 299 hat tiefe Wunden in den Hessenreuther Berg geschlagen. Foto: Udo Fürst
Windräder Hessenreuther Wald. NES und NEW
Rund um den Hessenreuther Wald formiert sich der Widerstand gegen den geplanten Windindustriepark. Bild: Roland Wellenhöfer

„Wir haben hier einen bombastischen Wind. Die Messung hat sehr, sehr gute Ergebnisse gebracht“, betont Birgit Grünbauer von der NES. Die Geschäftsführerin der in Schadenreuth bei Erbendorf beheimateten „Natural Energy Solutions“ sagt das genau an der Stelle, an der von Ende 2012 bis 2016 dreieinhalb Jahre lang exakt der Wind gemessen wurde. Das war letztlich der entscheidende Anstoß, dass die NES vor wenigen Wochen beim Landratsamt nach intensiven Vorplanungen einen Genehmigungsantrag für den Bau von acht Windrädern im Hessenreuther Wald gestellt hat.

„Küstennahe Windverhältnisse“

Die drei Jahre dauernde Untersuchung des TÜV Süd habe im Hessenreuther Wald „küstennahe Windverhältnisse“ ergeben, freut sich Grünbauer über einen mit 7,4 Meter/Sekunde „windstärksten Standorte in Bayern“. Damit sei auch die Frage der Rentabilität eindeutig geklärt.

Im „Windpark Silberschlag“ sollen fünf Windräder nördlich und drei südlich der Bundesstraße 299 aufgestellt werden. Im Bereich jener Straße also, die komplett neu gebaut wurde und von Kritikern als „überdimensionierte Autobahn“ kritisiert wird. In der Tat schlug die neue B 299 eine deutliche Schneise in den Wald und trug auch den Abspann des Hessenreuther Bergs um mehrere Meter ab.

Heftiger Gegenwind

2012 gab es die ersten Pläne für eine Windkraftanlage im Hessenreuther Wald. Bereits damals regte sich Widerstand von Anliegern und einer Bürgerinitiative gegen dieses Vorhaben. Das hat sich nicht geändert. Auch nach Bekanntwerden des jüngsten Vorstoßes der NES gibt es heftigen Gegenwind. Von Landrat Roland Grillmeier über die Bürgermeister der Anliegergemeinden bis hin zur Bürgerinitiative „Windkraftfreie Heimat – Hessenreuther Wald“ (WHHW) lehnen viele ein solches Vorhaben ab. Außerdem läuft derzeit ein Antrag des Naturparks Steinwald, den Hessenreuther Wald als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen, dessen Realisierung den Bau von Windrädern zusätzlich erschweren würde.

Landrat für Beibehaltung von 10H

Landrat Roland Grillmeier erklärt auf Anfrage von OberpfalzECHO, dass er nicht prinzipiell gegen Windkraftanlagen sei. Diese müssten nur mit den Bürgern vor Ort abgestimmt sein. „Ich bin zwar grundsätzlich für die Beibehaltung von 10H. Der Schlüssel sind Überlegungen in allen Kommunen, wo es geeignete Flächen gibt, auch interkommunal. Ich gehe auch davon aus, dass es hier eine Bereitschaft gibt.“ Grillmeier wirft den Initiatoren vor, diese Bereitschaft in den über zehn Jahren Planung vor Ort zu wenig erkundet zu haben.

Den Vorwurf, im „Alleingang die Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten“ nur zur „Verhinderung von Windkraft“ im Landkreis gemacht zu haben, weist der Landrat in seiner Stellungnahme „klar zurück“. Er sehe aber nicht ein, Landschaftsschutzgebiete wie das Grüne Band oder die Grenzkämme für die Windkraft komplett freizugeben. „Es gibt andere geeignete Flächen im Landkreis. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir die zwei Prozent Forderung für Windkraft – dies würde circa weitere 40 bis 50 Windräder für den Landkreis bedeuten – auch ohne die Landschaftsschutzgebiete erreichen.“

10H-Regel wird eingehalten

Birgit Grünbauer ist dennoch zuversichtlich, das Vorhaben umsetzten zu können. „Wir haben alles gut vorbereitet. Mit dem Grundstücksbesitzer sind Vorverträge geschlossen, unser Antrag ist sachlich und fachlich fundiert, gut begründet und wir haben mit der NEW (Neue Energien West, die Red.) einen starken Kooperationspartner an der Seite.“ Obwohl die umstrittene 10H-Regel (zehnmal so viel Abstand zu den Orten wie die Höhe der Windräder, also hier 2000 Meter) wohl keine Zukunft haben dürfte, habe man die Vorschrift strikt eingehalten. Außerdem seien auch zu kleineren Weilern und Gehöften mindestens 1000 Meter Abstand eingeplant.

135 Millionen Kilowattstunden

Die acht Windkraftanlagen benötigten laut NES lediglich 1,9 Hektar Fläche. „Bei einer Gesamtgröße des Hessenreuther Waldes von 6200 Hektar“, relativiert Grünbauer. Man benötige auch für die Zufahrten von Baustellen- und Transportfahrzeugen keine neuen Wege und die wenigen Bäume, die entfernt werden müssten, würden allesamt wieder aufgeforstet. Insgesamt erwarte man eine Leistung des Windparks von 6,0 bis 6,2 Megawatt. Ein Windrad wird zwischen 1,5 und 1,9 Millionen Kilowattstunden im Jahr Strom erzeugen, insgesamt also circa 135 Millionen Kilowattstunden. „Das ist ein Viertel des rechnerischen Stromverbrauchs des gesamten Landkreises Tirschenreuth“, betont die NES-Geschäftsführerin.

Unterschiedliche Höhen

Die Windräder sind als drei unterschiedliche Typen geplant. Die drei größten Anlagen sollen eine Nabenhöhe von 148 Metern haben, zwei 128 Meter und drei 125 Meter. Einschließlich der Rotoren ergibt sich daraus eine Gesamthöhe der Windräder von 200, 203 und 233 Metern. Sollte die 10H-Regel fallen, wovon auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek bei seinem Besuch in Erbendorf ausging, könnte die NES die neue Gesetzeslage dazu nutzen, zwei Standorte in Richtung Bergrücken zu verschieben und die Windräder höher als geplant realisieren, was laut Grünbauer zehn bis 15 Prozent mehr Ertrag verspreche.

Grüne für Windkraft

Die grüne Landtagsabgeordnete Anna Schwamberger hat sich klar für das Windkraftprojekt im Hessenreuther Wald ausgesprochen. Sie störe gewaltig, dass bei Gewerbeansiedlungen nicht annähernd so über Flächenverbrauch und Artenschutz nachgedacht werde wie bei einem Windpark. Bei einem vor-Ort-Termin erfuhr sie Unterstützung von Dieter Janecek, der in Berlin der wirtschaftspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion ist. Er sprach von einer Verhinderungstaktik in Bayern, was Windkraft anbelangt. Diese sei aber wichtig, um auch allgemein Energieunabhängiger zu werden.

Kein Freund der Windenergie

Prinzipiell nicht als Freund von Windenergie und Photovoltaik-Freiflächenanlagen gibt sich Erbendorfs Bürgermeister Johannes Reger zu erkennen. „Wir brauchen diese Flächen eher für unsere Nahrungsmittel.“ Außerdem gebe es noch genügend freie Dächer für PV-Anlagen. Die Stadt nutze bereits jede Gelegenheit dafür auf Dachflächen. Er setze außerdem auf jeden einzelnen Bürger. „Da gibt es noch sehr viel Potenzial.“

Mit Windkraft und Solar allein könne man die Energieversorgung nicht gewährleisten, glaubt Reger. Außerdem halte er die Windkraft für nicht wirtschaftlich. „Da haben wir bei uns zu geringe Erträge.“ Er lehne Windräder im Hessenreuther Wald auch deshalb ab, weil man durch den Ausbau der Bundesstraße 299 schon genug zu ertragen hatte.

Großes Interesse

Birgit Grünbauer setzt Regers Behauptung der „zu geringen Erträge“ die Messergebnisse entgegen. „Dieses Argument sticht nicht. Der TÜV hat als anerkannte Institution genau das Gegenteil herausgefunden. Das ist nicht anzuzweifeln.“ Sie berichtet außerdem jetzt schon von einem enormen Interesse vieler Menschen an einer Beteiligung am Windpark. „Zusammen mit unserem Partner NEW und der Bürger-Energiegenossenschaft West eG können wir erschwingliche Anteile schon ab 500 Euro anbieten.“ Bis es soweit ist, muss man sich allerdings noch etwas gedulden. Wenn alles optimal läuft, könnte sich vielleicht 2025 das erste Windrad im Waldabteil „Silberschlag“ drehen.

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1 Kommentare

Klaus Kraus - 31.03.2022

Gott sei Dank gibt es noch solche Politiker wie unseren Landrat Roland Grillmeier und Bürgermeister Johannes Reger, wie auch die Bürgermeister der anderen betroffenen Städte und Gemeinden. Die vertreten die Interessen ihrer Bürger und unterstützen nicht die vier Baulustigen, welche sich hier eine goldene Nase zum Nachteil unserer Landschaft und Natur, und dass ohne Rücksicht auf Verluste verdienen wollen! In Bayern gibt es 2500 km Autobahnen. Die angrenzenden Grundstücke beidseits, das wären dann 5000km könnten mit Solarfeldern genutzt werden. Lärmschutzwände kämen zusätzlich dazu. Und diese Grundstücke sind für die Landwirtschaft nutzlos, aufgrund der hohen Schadstoffe, welche sich dort ablagern. Oder Will jemand Kartoffel, Getreide oder sonstiges, welches mit Auto-Schadstoffen verseucht sind? Und so wäre unser Problem für alle vertretbar und nicht störend für alle gelöst! Doch soweit reicht der Horizont der Grünen und Freien Wähler heute leider nicht mehr. Doch die nächste Wahl kommt und schauen wir mal, wo gerade die Grünen und die Freien Wähler bleiben…..