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Familienforscher: 30 Jahre Datenschätze und Heimatwissen

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Mitterteich/Tirschenreuth. Familienforscher sind Jäger und Sammler, Weltmeister im Archivieren und Hüter von Datenschätzen. Der Arbeitskreis Stiftland/Tirschenreuth liefert spannende Einblicke und Familiengeschichten.

„Wir Familienforscher sind Jäger und Sammler und archivieren bei unserer Jagd alles, was wir in irgendeiner Beziehung zu unseren Vorfahren finden können. Und lernen dabei auch noch nebenbei viele sympathische Menschen kennen!“ - so beschreibt Elfriede Dirschedl, die zweite Vorsitzende der GFO (Gesellschaft für Familienforschung), die Aktivitäten der Familienforschung. Genau diese Gesellschaft in der Oberpfalz feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen.

Am 3. Juli diesen Jahres ist eine zentrale Feier in Weiden geplant. Inwieweit sie wegen der Corona-Pandemie durchführbar sein wird, ist noch fraglich.

Geschichten über Weiden, Bleikristall Nachtmann und Bahnlinienausbau 

Die GFO ist ein ehrenamtlicher, familienkundlicher Fachverband, der 1991 gegründet wurde. Er ging aus dem früheren Bayerischen Landesverein für Familienkunde hervor. Die Mitglieder befassen sich vorwiegend mit Familienforschung im Raum des heutigen Regierungsbezirks Oberpfalz und den angrenzenden Gebieten.

In der Oberpfalz gibt es acht Arbeitskreise: Altmühl/Schwarze Laber, Amberg/Sulzbach, Neumarkt, Cham, Regensburg, Schwandorf, Weiden/Neustadt/WN und der Arbeitskreis Stiftland/Tirschenreuth. 

Zum Jubiläum ist ein gemeinsames Heft erschienen, in dem sich alle Arbeitskreise mit einem Beitrag vorstellen. So sind zum Beispiel Beiträge über die Geschichte Weidens oder über die dortige Volkszählung nachzulesen. Aus dem Bereich Amberg wird über die Aktivitäten des Stammtisches berichtet und aus Neustadt erfährt der Leser mehr über die Geschichte der Bleikristallwerke Nachtmann. Im Beitrag des Arbeitskreises Tirschenreuth geht es um den Ausbau der Bahnlinie Weiden nach Mitterteich 1863/64, verfasst von der Vorsitzenden Monika Beer-Helm

Italienische Nachnamen halten Einzug 

Ihr aufwendig recherchierter Beitrag erinnert an die Anfangszeit der Eisenbahn im Stiftland. Der Bau dieser Strecke war gleichzeitig der Auftakt für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Gegend. In mehrfacher Hinsicht kam dadurch Geld in die Region. Ein zusätzlicher Gewinn für die Region war gleichzeitig Erschließung der Rohstoffvorkommen. Auch Rohstoff-Zulieferungen und der Abtransport der fertigen Produkte wurden durch die Erschließung des Bahnbaus erleichtert. 

Autorin Beer-Helm lenkt außerdem den Blick auf damit verbundene Familiengeschichten. Teilweise wird das Leben der Bahnarbeiter und des Personals der Ostbahn geschildert, gleichzeitig erinnert die Familienforscherin an italienische Nachnamen, die in Zusammenhang mit dem Bahnbau in der Nordoberpfalz und Umgebung aufgetaucht sind. Beispielsweise ist der Name Riolfi in Pleußen heute noch anzutreffen.

Sie beleuchtet auch die Familiengeschichte des Bahnarbeiters Valentin Gennari, geboren 1844 in Civezzana, Trentino. Von italienischen Baumeistern stammt auch der südländische Baustil, der noch an vielen Bahnhofsgebäuden in der Region zu sehen ist. Diese und mehr Geschichten zum Bahnbau hält das Heft bereit. 

Familienforscher arbeiten weiter 

Die Mitterteicherin Monika Beer-Helm ist bereits seit 10 Jahren Vorsitzende des Arbeitskreises Stiftland/Tirschenreuth. Zusammen mit Herbert Hackbarth aus Mitterteich, ihrem Stellvertreter, und Anna Megies aus Tirschenreuth leitet sie den zirka 25 Mitglieder umfassenden Verein.

Zwar habe das Corona-Virus auch hier Aktivitäten stark eingeschränkt, mit Rundmails habe sich das Team aber gegenseitig auf dem neusten Stand gehalten. Traditionelle Stammtisch-Treffen, zu denen in der Regel zwischen 20 und 30 Personen kommen, waren eingeschränkt. 

Datenpool wächst 

Doch die Arbeit im Verein geht weiter, wie Beer-Helm erzählt: In der Vergangenheit haben die Mitglieder mehr als 22.000 Sterbebilder eingescannt und so einen beachtlichen Datenpool geschaffen. Die Vorsitzende will das Archiv stetig erweitern.

Durch die umfangreiche Datei auf dem Computer ist es möglich, Familienzusammenhänge in kürzester Zeit zu erfragen. So recherchiert Anna Megies zu Anfragen, die an die Pfarreien gehen. Das katholische Dekanat Tirschenreuth unter Dekan Flierl hat dafür die Mikrofiches bereitgestellt, auf denen die Geburts- und Sterbedaten der Katholiken gespeichert sind. Die Arbeitskreismitglieder beantworten für die Pfarreien die zahlreichen Anfragen. Diese Anfragen kommen immer öfter und vielfach aus dem Ausland, zum Beispiel aus den Vereinigten Staaten, erzählt die Vorsitzende. 

Nächster Schritt: Dorfchroniken? 

Als weiteren Schwerpunkt sieht die Vorsitzende Beer-Helm die Veröffentlichung von Forschungsbeiträgen in den jährlichen Heften. Jeder Arbeitskreis im Verein Oberpfalz kann jedes Jahr bis zu drei eigene Hefte herausgeben. Der Arbeitskreis Tirschenreuth hat in der Vergangenheit bereits acht Hefte herausgegeben, die zum Teil noch erhältlich sind.

Ihr Stellvertreter Herbert Hackbarth hat sich zur Aufgabe gemacht, alte Zeitungen zu digitalisieren. Die Waldsassener Zeitungen sind zum Großteil schon auf diese Weise gesichert und in Mitterteich läuft derzeit dieselbe Aktion. Um all das zu schaffen, vor allem um die vielen Anfragen zu bearbeiten, hat die Vorsitzende viele ehrenamtliche Helfer in den verschiedenen Ortschaften des Landkreises. Für die Zukunft planen die Familienforscher Dorfchroniken zusammenzustellen. Auch da sind sie natürlich auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. 

Für 8 Euro sind noch Beiträge der Arbeitskreis Stiftland/Tirschenreuth zur Familienforschung bei der Vorsitzenden erhältlich:

  • „Die Mitterteicher Tuchmacher von 1626-1843“, Verfasser Herbert Hackbarth
  • „Die Brüder Geisel und ihre Nachfahren im Stiftland“, Verfasser Herbert Hackbarth
  • „Die Mühlen im Seibertsbachtal“, Verfasser Oliver Lipfert
  • „Die Mühlen der Gemeinde Mähring“, Verfasser Oliver Lipfert
  • „Die Geschichte der aus Falkenberg stammenden Mayer-Familien“, Verfasser Franz Lindner
  • „Mitterteicher Namennachweise aus Steuer- Schul-, Bürger- und Sterbelisten“, Verfasserin Monika Beer-Helm

Auf den Geschmack gekommen? Dann jetzt Mitglied im Verein werden: Der Jahresbeitrag beträgt 25 Euro, er ist steuerlich abzugsfähig. Anmeldungen bei Vorsitzender Monika Beer-Helm, Molwitzstraße in Mitterteich. 

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