Jahn am Drücker, Fürth mit Kleeblatt-Glück

Regensburg. So will man den SSV Jahn sehen: Gereckte Faust nach jedem gewonnenen Zweikampf. Regensburg dominiert das Derby gegen Bundesliga-Absteiger Fürth – und führt dank Doppelpack von Kaan Caliskaner. Doch den Glücks-Kleeblättlern reichen zwei Torschüsse zum Remis.

Jahn-Coach Mersad Selimbegovic will den Schlusspfiff nicht wahrhaben. Regensburg ist bis zum Schluss am Drücker. Bild: Jürgen Herda

Über weite Strecken der Partie ist der SSV Jahn die deutlich bessere Mannschaft. Am Ende steht trotzdem nur eine Punkteteilung mit Greuther Fürth zu Buche. Blickt man nur auf das 2:2-Endergebnis, hätten nach dem trostlosen Auftritt in Magdeburg wohl viele Regensburger vor dem Match ein solches Angebot unterschrieben.

Jahn-Coach will den Schlusspfiff nicht wahrhaben

Doch nachdem der SSV Jahn den zuletzt stärker werdenden Bundesliga-Absteiger über weite Strecken in die eigene Hälfte drängte und dabei vor allem durch die Startelf-Newcomer Charalambos Makridis und den kantigen Kaan Casliskaner immer wieder überraschende spielerischen Lösungen fanden, lassen die Oberpfälzer nach dem Abpfiff die Köpfe hängen – und Jahn-Coach Mersad Selimbegovic holt sich noch beim insgesamt souveränen Schiri die Gelbe Karte ab, weil der den letzten Konter zurückpfiff.

Zuvor hatte der SSV einmal mehr durch einen Standard den Gegentreffer kassiert – die erste gefährliche Torraumszene im Jahn-Strafraum überhaupt. Doch anders als zuletzt kamen die Gastgeber mutig zurück und zeigten über weite Strecken Fußballkunst, die man schon so lange nicht mehr im Jahnstadion gesehen hat. Caliskaners Doppelpack zur zwischenzeitlich hochverdienten 2:1-Führung konnten die fränkischen Gäste aber noch ausgleichen – mit dem gefühlt zweiten Schuss aufs Jahn-Tor. Bei beiden Flanken, die zu den Toren führen, ist die Jahn-Abwehr zu unentschlossen.

Der Derby-Ball liegt bereit. Bild: Jürgen Herda

Selimbegovic zieht alle Register

Jahn-Trainer Selimbegovic nimmt im Vergleich zum enttäuschenden Auftritt in Magdeburg vier Veränderungen in seiner Startelf vor. Personelle Veränderungen sollen Impulse und die geforderte Stabilität bringen. Für Konrad Faber, Blendi Idrizi, Nicklas Shipnoski und Prinz Owusu kommen Bene Saller, Caliskaner, Makridis und Günther in die Startelf.

Dass gleich drei offensiv orientierte Spieler zum Zug kommen, ist durchaus ein Wink mit dem Zaunpfahl, fordert der Jahn-Coach doch immer, dass das Verteidigen im Sturm beginnen soll. In eben jenes Sturmzentrum rutscht Andreas Albers, nachdem dieser zuletzt die Position hinter den Spitzen bekleidet hatte. Konrad Faber hingegen muss Lasse Günther weichen, der nach langer Wartezeit sein Startelf-Debüt für den SSV gibt.

SSV Jahn spielt Fürth an die Wand

Im Anbetracht ihrer Tabellensituation nicht selbstverständlich verzichten beide Teams auf eine längere Phase des Abtastens und zeigen ansehnliche Kombinationen. Erste Chancen von Makridis für den SSV (6.) und Ragnar Ache für das Kleeblatt (8.) gehen aber entweder am Ziel vorbei oder können ohne größere Probleme entschärft werden. Die größte Einschusschance in der Anfangsviertelstunde lässt Kaan Caliskaner (12.) liegen, der, anstatt selbst zu schießen, einen Mitspieler bedienen will, der sich als Phantom entpuppt. Die positive Tendenz der Jahn-Anfangsminuten setzt sich fort, die Jahnelf zeigt Spielwitz, den man so gar nicht mehr gewohnt ist.

Nicht der von den Fans so vermisste Jahnsinn ist zurück im Team, sondern spielerische Finesse und Kurzpassspiel dominieren den Auftritt der Domstädter. Fürth findet offensiv nicht statt. Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung ist in der 24. Minute zu bestaunen. ChristianViet steckt tief auf Andreas Albers, der nur durch die Fußabwehr von Fürth-Torhüter Andreas Linde gestoppt werden kann.

Wenn Blicke Tore schießen könnten: Jahn-Käpt’n Bene Gimber voll fokussiert. Bild: Jürgen Herda

Zwei Standards sorgen für Jubel auf beiden Seiten

Regensburg kann das Niveau der Anfangsminuten lange Zeit hochhalten, scheitert aber immer wieder am massiven Abwehrbollwerk der Gäste. Diese lassen die Sturmreihe um Albers oft bis zum Sechzehner gewähren, stehen dann aber bis auf wenige Ausnahme sattelfest. Und die Taktik der Franken geht auf, denn nicht Regensburg, sondern die Fürther sind es, die in Führung gehen. Nach einem Freistoß aus dem linken Halbfeld verliert Jan Elvedi das Kopfballduell gegen Ache, dessen Abschluss Dejan Stojanovic nur nach vorne abwehren kann. Dort reagiert Damian Michalski schneller als Viet und schießt zum Gästetreffer ein (34.).

Der SSV braucht etwas, um sich von der kalten Dusche zu erholen, schlägt dann aber noch vor der Pause zurück. Hinten gerade noch schwach beim Standard verteidigt, macht es die Jahnelf vorne besser. Eine Ecke von Makridis verlängert der Fürther Oussama Haddadi unglücklich mit dem Kopf an den langen Pfosten, wo Caliskaner mit dem Knie zum Ausgleich vollendet (43.). Mit dem Gleichstand geht es dann auch in die Pause.

Der Fürther Pole Damian Michalski (rechts) scheitert mit seinem Kopfball noch an Jahn-Keeper Dejan Stojanović, den Nachschuss hämmert er dann unter die Latte. Bild: Jürgen Herda

Erst altes Grauen, dann mit Tiki-Taka zur Jahn-Führung

So sehr die erste Halbzeit das Auge der Jahn-Fans verwöhnte, so sehr erinnern die ersten Minuten der zweiten Halbzeit an wildes Ballgekloppe in den unteren Ligen der Nation. Es ist aber nicht so, dass Fürth in diesem Abschnitt mehr glänzt, einzig die Zielgenauigkeit bei den weiten Schlägen ist bei den Gästen ausgeprägter. Dazu kommen unzählige Freistoßsituationen der Kleeblätter, die der SSV jedoch allesamt gut klären kann.

Als wäre der destruktive Wiederbeginn fest in den Matchplan von Selimbegovic verankert gewesen, schaltet der SSV ab der 60. Minute in den Kombinationsmodus um und belohnt sich postwendend. Schlussendlich ist es Maxi Thalhammer, der wenige Meter in der gegnerischen Hälfte den Angriff initiiert und den entgegenkommenden Makridis findet. Von der plötzlichen Genialität der Regensburger überrumpelt, schaltet die Fürther Abwehr auf Standby und vergisst Caliskaner. Der, von Makridis bedient, in den Strafraum startet und Linde im Tor keine Chance lässt, 2:1 (62.) für Regensburg.

Auch wenn es nur für einen Punkt reicht: Kaan Caliskaner ist der Man of the Match. Bild: Jürgen Herda

Fürth gleicht aus, Shipnoski verhindert Lucky Punch

Die Regensburger halten die Intensität daraufhin weiter hoch, lassen die Kleeblätter aber zusehends kommen. Und so mündet ein Moment der Unachtsamkeit in den unnötigen Ausgleichstreffer. Der unbedrängte Julian Green findet mit seiner Hereingabe Simon Asta am langen Pfosten, der über die Unterkante der Latte zum 2:2 einschießen kann (75.). Günther, der energischer Richtung Ball verteidigen hätte können, kommt deutlich zu spät.

In den letzten Minuten der Partie wird es zusehends hitziger. Unter anderem räumt Sebastian Griesbeck den Regensburger Owusu mit einer Grätsche von hinten ab (76.) und ist mit einer Gelben Karte gut bedient. Spielerisch ist dann auch die Schlussphase noch mit einigen Highlights gespickt. Für den Lucky Punch reicht es aber auf beiden Seiten nicht mehr, obwohl Regensburg etliche Möglichkeiten dazu hat.

Am bittersten ist Sallers Abschluss einzustufen, der sich im Strafraum den Ball auf den linken Fuß legt- Sein gefühlvoller Schlenzer hätte wohl genau ins lange Eck gepasst, wäre nicht Shipnoski in den Ball gegrätscht, der den Ball über das Tor verlängert (90.+1). So geht es mit einer Punkteteilung vom Feld, die sich für den Jahn eher wie ein Punktverlust anfühlt.

So sah unser Reporter Stefan Schmid von der Pressetribüne aus den Ausgleich für den SSV. Bild: Stefan Schmid

Spieldaten

Aufstellung Regensburg: Stojanovic – Saller, Kennedy, Elvedi, Günther – Viet (82. Vizinger), Thalhammer, Gimber – Makridis (82. Shipnoski), Caliskaner (66. Owusu) – Albers

Aufstellung Fürth: Linde – John, Haddadi, Michalski, Asta – Griesbeck, Christiansen (67. Tillman) – Dudziak (67. Abiama), Hrgota, Green – Ache (67. Sieb)

Tore: 0:1 Michalski (34.), 1:1 Caliskaner (42.), 2:1 Caliskaner (62.), 2:2 Asta (75.)

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