Kirchenthumbach vor großen Aufgaben

Kirchenthumbach. Mehr Lebensqualität, mehr Sicherheit, mehr Bildung: Rats-Ziele, die in Kirchenthumbach zu einem Rekordhaushalt führen. Fast 17 Millionen Euro Haushaltsvolumen und damit verbunden eine Kreditaufnahme von 4,2 Millionen Euro lassen die Verschuldung des Marktes rasant steigen.

Ein schmucker Kirchenthumbacher Marktplatz ist eine der goldenen Seiten der Gemeindeentwicklung. Die Schattenseiten sind geprägt durch hohe finanzielle Belastungen, bedingt durch unabdingbare Investitionen in die Kommune Infrastruktur. Foto: Robert Dotzauer

Unverblümt weist der Kämmerer auf eine wesentliche Ursache hin „Erhaltungsaufwendungen und Investitionen in die Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsanlagen wurden in der Vergangenheit immer wieder aufgeschoben. Die logische Folge tritt jetzt in Erscheinung“, sagt Kämmerer Michael Eisner mit Blick auf die besorgniserregende Haushaltsentwicklung. Ein Prozess, der auch der Ratsversammlung Sorgen bereitet.

Die Kommune kämpft mit „Altlasten“, die der Gemeinde nun teuer zu stehen kommen. Löchrige Wasserleitungen, marode Kanäle mit inakzeptablen Fremdwasserzuflüssen und nach über 30 Betriebsjahren eine sanierungsbedürftige Kläranlage: Der Nachholbedarf in die Infrastruktur ist sehr groß.

Aufschieben nicht mehr möglich

Ein weiteres Aufschieben von Sanierungen sei auch aus wirtschaftlichen Gründen und der Endlichkeit der wasserrechtlichen Erlaubnis für die Kläranlage nicht mehr möglich, betont Eisner. Amtierender Bürgermeister Ewald Plößner und der Rat mussten handeln. Der zweite Bürgermeister und amtierende Rathauschef verwies auf einstimmige Beschlüsse und auf ein nunmehr fundiertes Zahlenwerk. Ein Etat, der auch mit einem „Bürgergeld“ gesichert werden muss. „Wir müssen den Einwohnern finanziell einiges abverlangen“, gab der Rathauschef zu.

Das Alter der Leitungsnetze verursache hohe Sanierungskosten. Daraus resultierend müsse die Bürgerschaft mit weiteren Verbesserungsbeiträgen und höheren Gebühren rechnen, bedauerte Plößner. Auch Kämmerer Michael Eisner verwies auf die Notwendigkeit einer Umlage, um die geplanten Investitionen stemmen zu können. In den Gemeindehaushalt einkalkuliert sind auch die Beitragseinnahmen für das neue Baugebiet Sandbrunnen V.

Schulstandort Kirchenthumbach

Am Herzen liegt den Verantwortlichen der Marktgemeinde das Bildungswesen. Für die derzeit regierenden Bürgermeister Ewald Plößner und Alexander Schatz ein besonderes Anliegen, um den guten Ruf der Kommune als kinderfreundliches Gemeinwesen weiter zu stärken.

Plößner verwies in seinen Vorworten zum Haushalt 2024 auf das Projekt offene Ganztagsschule. Eine Baumaßnahme, die den Schulstandort Kirchenthumbach zukunftsorientiert deutlich aufwerte. Der Rat rechnet mit einem Kostenvolumen von rund 2,4 Millionen Euro. Im Etat 2024 sind für Planungskosten 250.000 Euro verankert.

Millionen für die Infrastruktur

Fest und realitätsnah eingeplant sind Millionenbeträge für die Erschließung des Baugebietes am Sandbrunnen V, für die Finanzierung und Abfinanzierung der „Nickelsee“-Bauabschnitte I und II, Grunderwerbskosten für den Sandbrunnen VI und eine Anschubfinanzierung zur Generalsanierung der Kläranlage.

Darüber hinaus verankerte die Ratsversammlung im Etat 2024 weitere Investitionsschwerpunkte. Sechsstellig sind die Anschubfinanzierungen für neue Löschfahrzeuge für die Feuerwehren Thurndorf (300.000 Euro) und Sassenreuth (200.000 Euro). Für den Kauf eines neuen Radladers für den Bauhof sind 150.000 Euro eingeplant.

Auch die Grunderwerbsoffensive soll sich mit Haushaltsmitteln in Höhe von 260.000 Euro fortsetzen. Investitionen, die fernab freiwilliger Leistungen die Infrastruktur des Marktes verbessern sollen, so die Anmerkungen des Kämmerers im Vorbericht und ausgestattet mit einem bisschen Zuversicht. Der Finanzchef der Gemeinde hofft auf Zuwendungen aus dem staatlichen Fördertopf für wasserwirtschaftliche Vorhaben (RZWas), die allerdings im Zahlenwerk des Etats „noch“ außen vor bleiben mussten.

1,5 Millionen Euro an den Landkreis

Es gibt Lichtblicken aus dem Verwaltungshaushalt, die Gemeinde darf zum Beispiel auf eine Erhöhung der Schlüsselzuweisung von 1,1 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 1,4 Millionen Euro bauen und mit einem Einkommenssteueranteil in Höhe von 2,235 Millionen Euro und mit höheren Gewerbesteuereinnahmen (431.000 Euro) rechnen.

Konstant bleibt der Grundsteueransatz (273.000 Euro). Gegenüber stehen im Ausgabenbereich unter anderem die Kreisumlage in Höhe von über 1,5 Millionen Euro und die Umlage an die Verwaltungsgemeinschaft (742.000 Euro). Auch der Zuschussbedarf für den Kita-Betrieb in Höhe von 613.000 Euro ist bemerkenswert, wie ein Blick in den Einzelplan zeigt. Für die geplante Zuführung zum Vermögenshaushalt verbleiben 360.000 Euro. Auf bescheidener Ebene stagniert die Allgemeine Rücklage. Sie beträgt zum 31. Dezember 2024 voraussichtlich 89.000 Euro.

Eckdaten des Haushalts

  • Gesamtvolumen: 16.071.000 Euro
  • Ansatz für Investitionsausgaben: 7 Millionen Euro
  • Kreditaufnahme: 4.240.000 Euro
  • Schuldenstand zum 31. Dezember 2024: 5.649.631 Euro
  • Bei 3237 Einwohnern errechnet sich eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1.745 Euro. Im Vorjahr waren es 1.457 Euro.

Kein Papiertiger, sondern Praxishandbuch

Insgesamt ein Haushalt 2024, der auf festen Beinen steht, so lauteten die Stellungnahmen der Fraktionssprecher. Jürgen Geyer (CWG) lobte die einmütigen Ergebnisse bei den Vorberatungen im Finanzausschuss, verwies auf die Investitionsschwerpunkte und stellte mit Blick auf Versäumnisse in vergangenen Jahrzehnten fest: „Jetzt wird angepackt“. Geyer wertete die Ansätze des Etats als positive Signale für nachhaltiges Planen. Ein Prozess, der allerdings von den Bürgern mitzufinanzieren sei. Dank zollte der CWG-Sprecher der Verwaltung und den Bürgermeistern, das in Vertretung des Ersten Bürgermeisters seit Monaten “einen Klasse-Job” mache.

Mit Blick auf die Kreditaufnahmen und die Verschuldung gab SPD-Sprecher Dominik Brütting zu bedenken: „Ein Schönheitspreis ist mit dem Haushaltswerk nicht zu gewinnen“. Dennoch seien die zukunftsweisenden Investitionsansätze nachvollziehbar. Brütting erinnerte zudem an den Wunsch der SPD-Fraktion auf ein komplett neues Schulzentrum. „Das Gebäude könnte heute schon stehen“!

Eine starke Botschaft, schmerzhaft aber unvermeidlich und mit dem Bewusstsein, dass auch den Bürgern viel abverlangt werde, in diesem Sinne lauteten auch die Stellungnahmen von Josef Schreglmann (CSU), Georg Schraml (Bürgergemeinschaft Thurndorf), Silvia Schecklmann (Wählergemeinschaft Sassenreuth) und Rudi Stopfer (Wählergemeinschaft Heinersreuth). “Möge das 123-seitige Regelwerk nicht wieder zum Papiertiger verkommen, sondern zum Praxishandbuch werden” – in diesem Sinne verabschiedete das Gremium Satzung, Haushalts- und Stellenplan, Finanzplanung und Investitionsprogramm einstimmig.

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