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Lesermeinung: Werden Panzer und Granaten uns als Kinderspielzeug verkauft?

Weiden. Der Tag der offenen Tür der Bundeswehr am vergangenen Wochenende in Weiden stößt auf harsche Kritik. OberpfalzECHO erreichte dazu ein Leserbrief, der von mehr als einem Dutzend Bürger unterzeichnet wurde.

Lesermeinung: Werden Panzer und Granaten uns als Kinderspielzeug verkauft?

Tausende von Besuchern schauten am vergangenen Wochenende bei der Bundeswehr vorbei. Doch der Tag der offenen Tür stößt auch auf Kritik. Foto: OberpfalzECHO/David Trott

„Der Anlass für die Aufrüstung in Deutschland ist ein trauriger, wir haben wieder Krieg. Deutschland ist nicht angemessen aufgestellt, hat viele Jahre vom ewigen Frieden geträumt, ist aufgewacht, und die Werbung für den Soldat:innen-Beruf, wo man in den Spezialisten-Kreisen großen Aufholbedarf sieht, steht vor dem Dilemma, dass es sich dabei um keinen normalen Handwerksberuf handelt. Was ist zu tun? 

Über die Notwendigkeit, in welchem Maße hier aufzustocken ist, und ob überhaupt, kann man demokratisch streiten, die alten Hoffnungen haben sich aber überlebt. Putins Angriffskrieg ist ja wohl mehr als ein entsetzlicher Ausrutscher der Geschichte, es ist kein Nachher zu erwarten, das dann sagen lässt, die Menschheit hat jetzt aus ihrer Geschichte gelernt, ist klüger geworden, dockt wieder an die Zeit bis 2022 an und die Richtung ist klar. 

Ist sie eben nicht. Aber manches ist dabei auch schon wieder so gut wie klar und macht die frohe Weidner Sommerveranstaltung, mit ihren spektakulären Demonstrationen, zu einer ziemlich ernsten und keineswegs lustigen Sache, die in der allgemeinen Betrachtung verborgen bleibt.  

Selbstdarstellung der Bundeswehr

Dem Ernst dieser Konflikt-schweren Sache ist mit der Werbe- und Informations-Schau am Wochenende und dem Diskurs darüber keineswegs entsprochen worden, im Gegenteil, die Werbung und die Selbstdarstellung der Bundeswehr sind raffiniert, von raffinierter Heiterkeit, von großem Unterhaltungswert, spannend und ästhetisch versöhnlich, eine gute Berufslaufbahn wird versprochen, Fachausbildung lockt, wir besuchen eine Leistungsschau, wo auch andere soziale Leistungsträger wie die Feuerwehr auftreten. Das nennt man Double Speech.

Eine wunderbare Sache, so der Anbieter, aber das Wesentlichste spart er dabei aus, den Kern der Sache: Man muss töten können, töten wollen und bereit sein, getötet zu werden. Die Älteren wissen darum und haben die nötige geistige Distanz, um frei entscheiden zu können, die Kinder sind auf dem Weg ihrer Selbst-Findung und da, wie man leider akzeptieren muss, entwicklungspsychologisch bedingt hingerissen, der natürliche Wunsch nach Power findet seine Verkörperung, die Kids identifizieren sich mit dem Superman-Soldaten.

Panzer werden Kinderspielzeug

Panzer werden Kinderspielzeug, die Kids werden einer mentalen Desensibilisierung unterworfen, dabei brauchen sie doch Schutz. Überall angelt man nach den Kinderseelen und führt kolonialistische Eroberungskriege gegen sie, es ist erbärmlich. Wir hätten gerne eine Transformation der Kriegsbegeisterung auf dem Weg einer Bildungsoffensive zur Leidenschaft am gewaltlosen Leben, wie es uns im Grundsatz die Feuerwehr zeigt.

Es geht auch anders, Hochachtung vor der Freiwilligen Feuerwehr, vor den ehrenamtlich engagierten Menschen, die ebenfalls ihr Leben riskieren, auch hier könnten Kinderherzen höher schlagen, das ist nur eine Selbstbild – Frage, auch die Feuerwehrleute kämpfen und verteidigen die Gesellschaft gegen äußere Aggression, oft kämpfen sie gegen den Angriff der Natur, die sich ihrerseits im Notwehrmodus befindet, aber ohne die Waffen gegen ihresgleichen zu erheben. 

“Soziale Verteidigung”

Das soziale Potenzial und der gemeinschaftliche Mut an sich, die hier geweckt werden und bewegen können, bilden gemeinsam den Faktor, auf den es ankommt, er ist dabei der Motor, der unter dem Titel der „sozialen Verteidigung“ von Persönlichkeiten wie Gandhi auf den politischen Raum übertragenen und in der Geschichte mehrfach erfolgreich angeworfen wurde.

Kurz gesagt, die Möglichkeit, dass man die Waffen weglässt, zugunsten des Konzeptes der sozialen Verteidigung, und an das gemeinsame Menschsein zwischen uns, den vermeintlichen Gegnern oder Feinden, appelliert, ist nicht nur ein schöner Traum. 

Sie beinhaltet wenigstens soviel Machbarkeit, dass es lohnenswert sein könnte, sich auch mal damit zu beschäftigen, auch mal diesbezüglich alternativ einen Tag der offenen Türe einzurichten, wo sich von der Bundes-bis zur Lokal-Ebene Kinder mit ihren Eltern im Geiste Martin Luther Kings u.a. im Gleichschritt in eine bessere Zukunft bewegen, gut informiert, gewaltfrei, friedens – technisch gecoacht. 

Ohne Panzer und andere Tötungsmaschinen.“

Wolfgang Herzer, Anne-Marie Dürckheim, Karin Fichtner, Hilde Lindner-Hausner, Brigitte Hese, Agnes Klupp, Maria Macht, Heidi Nickl, Hans-Peter Pauckstadt-Künkler, Sybille und Veit Wagner, Thomas Wipper   

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