[Update] Metallbau Korsche ist pleite: Insolvenzverwalter will den Erhalt

Weiden. Metallbau Korsche hat Insolvenz angemeldet. Insolvenzverwalter Volker Böhm (Nürnberg) sieht gute Chancen für eine Sanierung.

Das Traditionsunternehmen Korsche ist ins Straucheln geraten. Erklärtes Ziel ist die Fortführung. Foto: Christine Ascherl

Die Firma Metallbau Korsche Gmbh & Co KG hat Insolvenz angemeldet. Die Geschäftsführer Jörg Bayer und Sebastian Kitta stellten am Dienstag, 24. Januar, den Antrag am Amtsgericht Weiden.

Das Insolvenzgericht bestellte Rechtsanwalt Volker Böhm aus Nürnberg zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Böhm war schon am Mittwoch mit einem Team vor Ort. Er hatte gute Nachrichten für die Kunden: „Der Insolvenzantrag hat für sie keine Auswirkungen. Beratung, Fertigung und Montage laufen in der Sanierung vollumfänglich weiter.“ Alle Projekte und Aufträge werden wie geplant gefertigt und montiert. Als Gründe für die finanzielle Schieflage nennt Böhm stockende Zahlungen und teurer Wareneinsatz.

Unverschuldete Außenstände

So seien größere Außenstände bei Projekten und Aufträgen aufgelaufen. Korsche finanziert die für seine Kunden individuell gefertigten Teile vor und wird nach deren Montage oder Einbau im Projekt je nach Bauabschnitt bezahlt. Böhm: „Aufgrund von Verzögerungen, die nicht von Korsche, sondern von anderer Seite ausgelöst wurden, verschob sich die Bezahlung bei mehreren Projekten zeitlich stark hinter die eigentliche Planung.“

Die dadurch entstandene Liquiditätslücke habe zusammen mit den zuletzt stark gestiegenen Kosten für Energie und Materialien zur Krise geführt, die nun im Insolvenzverfahren behoben werden soll.

Insolvenzverwalter macht Belegschaft Mut

Der vorläufige Insolvenzverwalter hat nach eigener Aussage bereits gute und konstruktive Gespräche mit der Belegschaft, den Lieferanten und den Kunden geführt. „Die Bereitschaft, bei der Sanierung an einem Strang zu ziehen, ist groß“, sagt Böhm. „Ich sehe auch deshalb gute Chancen für die Sanierung.“ Das Ziel sei der Erhalt des Unternehmens und möglichst vieler Arbeitsplätze, so der Sanierungsexperte weiter. Böhm hat die komplette Belegschaft von Korsche am Unternehmenssitz bereits über die aktuelle Situation und das weitere Vorgehen informiert. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden sind bis Ende März 2023 über das Insolvenzgeld gesichert.

Insolvenzverwalter Volker Böhm (Standortleiter Nürnberg der Kanzlei Schultze & Braun) hat 20 Jahre Erfahrung. Sein Ziel ist es, zahlungsunfähige Betriebe aus der Krise zu führen. Erst wenn alle Versuche scheitern, ist die Auflösung das letzte Mittel. Böhm hat derzeit gut zu tun: Aktuell vertritt er auch die insolvente Bäckerei-Kette „Goldjunge“ aus Fürth (30 Filialen, 300 Mitarbeiter), die über die Energiepreise strauchelte.

1947 gegründet

Das Metallbauunternehmen Korsche (rund 100 Mitarbeiter an den Standorten Weiden und Zschopau, Sachsen) wurde 1947 von Familie Korsche gegründet und befand sich drei Generationen in Familienhand. Das Unternehmen galt in den vergangenen Jahrzehnten als Vorzeigebetrieb, gerade was die Ausbildung von jungen Mitarbeitern anbelangt. 2019 hat Alexander Korsche verkauft. Er reagierte auf Nachfrage von OberpfalzECHO betroffen auf den Insolvenzantrag, wollte diesen aber nicht kommentieren: „Ich bin nicht mehr in der Firma.“

In den letzten Jahren gab es einen Wechsel in der Geschäftsführung: 2018 übernahmen Sebastian Kitta und Wolfgang Wiltschko. 2022 wurde Wiltschko von Jörg Bayer abgelöst.

Metallbau Korsche: Die bekanntesten Projekte

Mit rund 100 Mitarbeitenden fertigt Korsche Fenster, Türen und Fassaden. Dabei bietet das Unternehmen Beratung, Planung, Fertigung und Montage aus einer Hand. Zum Portfolio gehören zudem Blechfassaden, Automatiktüren oder Sonnenschutz. Korsche ist vor allem überregional im Objekt- und Gewerbebau tätig.

Zu den bekanntesten Projekten zählen die ADAC Zentrale in der Hansastraße oder die Zentrale von Check 24 an der Donnersberger Brücke in München. Auch in Weiden, mit dem Gebäude der Stadtwerke oder dem Klinikum, sowie in Zschopau mit der August-Bebel-Schule hat Korsche wiederholt seine
Handschrift hinterlassen.

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1 Kommentare

KevinK. - 25.01.2023

Wundert mich nicht wenn die Chefs, die im Büro immer noch so tun das 100 € nur Cent’s sind .
Da war es ja vorprogrammiert, die einzigen die mir leid tun sind die Angestellten die Arbeiten hart für nen Hungerlohn.