Nach 36 Jahren Großstadt: Veit Reisberger ist zurück in seiner Oberpfälzer Heimat

Vohenstrauß. Veit Reisberger ist in Vohenstrauß aufgewachsen. Als 19-Jährigen zog es ihn hinaus in die große, weite Welt der Luxushotellerie und Spitzengastronomie - und er machte Karriere. Seit 2019 ist er wieder "dahoam". In seiner Heimatstadt betreibt er das "friedrich" und den Hofladen.

Nach dem Großstadtleben hat es Veit Reisberger wieder zurück in seine Oberpfälzer Heimat gezogen. In Vohenstrauß eröffnete er das
Nach dem Großstadtleben hat es Veit Reisberger wieder zurück in seine Oberpfälzer Heimat gezogen. In Vohenstrauß eröffnete er das „friedrich“ und den Hofladen. Foto: Theo Kurtz
Veit Reisberger, Hannes Gilch und Verkäuferin im Hofladen, Sandra Stengel-Rewitzer freuen sich auf die bevorstehende Zeit. (von links) Foto: Theo Kurtz
Veit Reisberger, Hannes Gilch und Verkäuferin im Hofladen, Sandra Stengel-Rewitzer freuen sich auf die bevorstehende Zeit. (von links) Foto: Theo Kurtz
Nach dem Großstadtleben hat es Veit Reisberger wieder zurück in seine Oberpfälzer Heimat gezogen. In Vohenstrauß eröffnete er das
Veit Reisberger, Hannes Gilch und Verkäuferin im Hofladen, Sandra Stengel-Rewitzer freuen sich auf die bevorstehende Zeit. (von links) Foto: Theo Kurtz

Mit 19 hatte Veit Reisberger seiner Heimatstadt Vohenstrauß adieu gesagt. Seit 2019 ist der heute 58-Jährige wieder zurück. Dazwischen liegen 36 Jahre, in denen der Oberpfälzer eine bemerkenswerte gastronomische Karriere hingelegt hatte. Seine Stationen lesen sich wie das Who is Who der Luxushotellerie. Reisberger war Jahre lang in den Interconti-Häusern in Berlin und Frankfurt im Einsatz, hatte Engagements im Sheraton in München und im Adlon in Berlin, gab dem Restaunt Käfer im Berliner Reichstag neuen Schwung, unternahm einen Abstecher nach Bahrein ins Ritz-Carlton und packte bei der Eröffnung der Jochen Schweitzer-Arena in Taufkirchen bei München mit an.

Reisberger zog es zurück aufs Land

Doch irgendwann hatte der gelernte Hotelfachmann die Nase von der Großstadt voll. Reisberger zog es zurück aufs Land, zurück in die ländliche Heimat. Und wie es der Zufall will, wartete in der Pfalzgrafenstadt eine neue Herausforderung auf ihn. „Der Bürgermeister hatte mich auf einen Leerstand mitten im Ort aufmerksam gemacht“, erzählt er. Das Kaufhaus Hölzl hatte seine Pforten geschlossen. Er sah sich die Immobilie an und eine Woche später hatte er den Pachtvertrag unterschrieben. Aus dem früheren Ladengeschäft wurde das „friedrich“. „Nur 200 Meter von hier bin ich aufgewachsen“, erzählt er.

Im „friedrich“ wird Inklusion gelebt

Hier konnte der Gastronom aus Leidenschaft endlich seine eigenen Vorstellungen verwirklichen. Kulinarisch verwöhnt er seine Gäste mit Steaks, Burger und Salaten. Dabei achtet er darauf, dass nur bestes Qualitätsrindfleisch aus der Region in der Küche verarbeitet wird. „Ich habe jeden Lieferanten besucht“, erzählt er.

Das „friedrich“ ist ein Inklusionsbetrieb. „Schon immer hat mich das Thema beschäftigt“, erzählt er. Bei ihm sind fünf Mitarbeiter mit Behinderung angestellt. „Die machen einen wunderbaren Job“, schwärmt er. Eine junge Frau steht gerade vor ihrer Abschlussprüfung als Restaurantfachfrau. Reisberger wird sie in jedem Fall übernehmen. „Wir möchten die Motivation und Eigenverantwortung  der Menschen mit Behinderung fördern und ihre Lebensqualität verbessern“, betont er. Dazu gehört für ihn auch eine faire, tarifliche Entlohnung.

Lokal ist eine angesagte Veranstaltungslocation

Das „friedrich“ ist nicht nur ein Ort des guten Geschmacks, es ist ein Treffpunkt für alle Generationen und eine angesagte Veranstaltungslocation. Gemeinsam mit Hannes Gilch, dem Vorsitzenden der Musikinitiative Vohenstrauß, organisiert er Konzerte und Lesungen. Hier bekommen gerade auch Nachwuchsmusiker ihre Auftrittschance. „Wir sind immer ausverkauft“, freut sich Reisberger. Das Lokal zieht mittlerweile Gäste aus der weiteren Umgebung an.

Doch aktuell sitzt der „Heimkehrer“ alleine in seinem Betrieb und nippt an seiner Kaffeetasse. Corona hat ihm einen Riesenstrich durch die Erfolgsrechnung gemacht. „Seit der Eröffnung mussten wir pandemiebedingt bereits elf Monate schließen“, erzählt er. Auch aktuell hat er zu. Doch er ist optimistisch. Am 1. März will er wieder aufsperren. Er nutzt die Zeit, um die nächsten Events zu planen. Reisberger freut sich jetzt schon mächtig drauf, am 8. April den kanadischen Gitarristen Dave Goodman begrüßen zu können.

Im Dezember den Hofladen eröffnet

Doch Reisberger engagiert sich noch an anderer Stelle in seiner Heimatstadt. Im Dezember des vergangenen Jahres sperrte er schräg gegenüber des „friedrich“ den Hofladen auf. Auf einer Fläche von 150 Quadratmetern können in dem ehemaligen Second-Hand-Laden der Arbeiterwohlfahrt rund 31 Anbieter aus der Region ihre Waren zum Verkauf anbieten. Das Angebot ist breitgefächert und reicht von Käse, Wurst und Schokolade bis hin zu Kaffee, Spirituosen und Handwerklichem. „Mir war es wichtig einen Beitrag gegen den Leerstand zu leisten“, sagt Reisberger. Das Geschäft ist eine Bereicherung für die Innenstadt und hat jetzt schon eine große Fangemeinde. „Selbst der Bürgermeister und seine Frau packen mit an und helfen aus“, erzählt er.

Reisberger als Heimatentwickler im Einsatz

Und seit Kurzem hat der 58-Jährige noch einen weiteren Ehrenamtsjob. Er ist sogenannter Heimatentwickler und berät kreative Köpfe, die ihre pfiffigen Geschäftsideen umsetzen wollen und damit, wie er selbst ja auch, gleichzeitig für neue Impulse in ihren Heimatgemeinden sorgen.

Neue Serie „HeimatUnternehmen“

Veit Reisberger bildet den Auftakt zur neuen OberpfalzECHO-Serie „HeimatUnternehmen“. Vorgestellt werden dabei kreative Köpfe, die pfiffige Geschäftsideen umsetzen und durch ihr unternehmerisches Engagement auch einen Mehrwert für ihre Heimatgemeinden schaffen.

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